27.12.12

Zu viele Einbrüche

Hamburger Kripo will sichere Quartiere bauen

Künftig soll es keine dunklen Ecken mehr geben. Chef des Landeskriminalamts fordert eine Beteiligung der Polizei an Städteplanung.

Von Jan-Eric Lindner
Foto: pa/chromorange
Ein Einbrecher macht sich an einer Wohnungstür zu schaffen
Ein Einbrecher macht sich an einer Wohnungstür zu schaffen (Archivfoto)

Hamburg. Die Hamburger Polizei will sich intensiver als bisher an der Stadtplanung beteiligen. Kriminalpräventive Aspekte wie der Einbruchschutz müssten bereits vor der Bauphase neuer Quartiere, Wohnblocks und Viertel in die Gestaltung einfließen, fordert der Chef des Hamburger Landeskriminalamts (LKA), Thomas Menzel.

Die Hamburger Kripo verfüge bereits über umfangreiche Erfahrungen in diesem Bereich der Vorsorge, so Menzel. Künftig solle das Engagement der Ermittler ausgeweitet werden. "Die Stadt, die Metropolregion, wächst weiter. Also wird gebaut. Das ist erklärtes Programm des Senats. 6000 Wohnungen, ganz neue Stadtteile, sollen entstehen. Wir haben jetzt die Chance, Hamburg schon in einem sehr frühen Stadium sicherer zu machen."

Der Bezirk Altona kooperiert bereits mit dem Landeskriminalamt. Bei allen städtebaulichen Projekten werden Polizeiexperten einbezogen. In anderen Bezirken beschränkt sich die Zusammenarbeit bisher weitgehend auf die Anhörung von Bürgernahen Beamten oder den Kommissariaten vor Ort.

Dabei könnte sich auch dort die vorbeugende Verbrechensbekämpfung lohnen, vor allem bei Einbruchsdelikten. Technische Prävention sei beim Schutz vor Einbrechern "sehr erfolgreich", sagte Menzel. "Der Anteil der Taten, bei denen die Eindringlinge nicht ins Haus oder in die Wohnung gelangen, steigt seit Jahren. Das liegt vor allem an der besseren Sicherung von Türen und Fenstern." Was im Kleinen funktioniere, sei im Großen erst recht sinnvoll. "Wir wollen darauf hinwirken, dass keine dunklen Ecken eingeplant werden, dass Hecken nur eine bestimmte Höhe haben, dass eine gute Beleuchtung installiert wird, dass die öffentlich zugänglichen Bereiche hell und ansprechend sind."

Bei der Planung von Straßen werde die Polizei schon jetzt wie selbstverständlich befragt, sagte Menzel. Diese Praxis könne man auf die städtebauliche Kriminalprävention ausweiten. "Wir können dies den Bezirken anbieten, aber auch privaten Bauherren, die sich ja schon jetzt in der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle an der Caffamacherreihe zeigen lassen können, was sinnvoll und möglich ist."

Bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt stößt die Initiative der Kripo auf offene Ohren. Sprecherin Kerstin Graupner sagte, soziale Kontrolle sei oft wirksamer als jede Überwachungskamera. Wenn die Gestaltung öffentlicher Räume gut durchdacht werde, könnten Straftaten verhindert werden. Dazu gehöre, dass Architekten freundliche, helle Wohnanlagen schaffen, mit Hauseingängen, die gut einsehbar und beleuchtet sind.

Graupner verwies auf das Beispiel HafenCity. Hier sei bereits beim städtebaulichen Konzept darauf geachtet worden, dass bei den meisten Gebäuden das Erdgeschoss belebt ist, etwa durch Geschäfte oder Cafés. Die Erfahrung zeige, dass in Häusern mit einem belebten Erdgeschoss seltener eingebrochen werde. Dasselbe gelte für Grün- und Parkanlagen. Graupner: "Wenn es keinen Busch gibt, hinter dem sich ein potenzieller Täter verstecken kann, ist ein Überfall schwieriger." Unter dieser Prämisse sei auch die Grünanlage vor dem Drogenkonsumraum Drob In in St. Georg umgestaltet worden. Statt vieler Büsche gibt es dort jetzt eine Freifläche.

Auch die Beleuchtung unter der Bahnunterführung an der Schanzenstraße (Sternschanze) wurde nach kriminalpräventiven Gesichtspunkten geändert. Nach Ansicht der Planer macht das dezent weiße Licht mit Blauschimmer die Unterführung sowohl ansehnlicher als auch sicherer.

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