23.12.12

Tiere in Not

Angefahrenen Erpel gerettet - doch es gab kein Happy Ent

In Othmarschen kümmerte sich eine Frau um einen Erpel, der von einem Auto angefahren worden war. Doch am Ente war nicht alles gut...

Foto: dpa
Winter im Park von Sanssouci
Enten leben mitunter gefährlich (Symbolbild)

Leserin Katrin S. schickte Abendblatt.de einen Brief, in dem sie einen Notfall schildert: Ein Erpel wurde angefahren, die Tierrettung nahm sich seiner an. Jedoch mit ungewünschtem Ende...

Verhinderte Weihnachtsgeschichte

Auf der Heinrich-Plett-Straße im Stadtteil Othmarschen fahrend, unweit des Elbe-Einkaufs- Zentrums, wo alle in vorweihnachtlichem Wahn kaufen und kaufen, sehe ich gestern nach 18 Uhr ein Entenpaar ungeachtet des rasenden Verkehrs um sie herum im Marsch über die Straße watscheln. Statt auszuweichen fährt der Wagen vor mir unbeirrt geradeaus und erwischt den Erpel. Es fliegen ein paar Federn, die Ente flüchtet auf den Gehsteig, wo sie ungeduldig auf ihren Liebsten wartet, während dieser erhobenen Hauptes den Mittelstreifen zu bebrüten scheint. Sein Bein ist verletzt. Schon rauschen wieder in beiden Richtungen Autos an ihm vorbei, doch er lässt sich nichts anmerken. Ich fahre an den Straßenrand, laufe in die Mitte der Fahrbahn und stelle mich ihm zur Seite. Der Verkehr verlangsamt sich daraufhin, bis er zum Stehen kommt. Das gibt dem Erpel mit meiner Hilfe Gelegenheit, sich auf den Grünstreifen am Straßenrand zu schleppen.

Die Autofahrer rasen ohne jede Rücksicht weiter, knapp an dem ausgelieferten Tier vorbei, niemand hält. Ich schäme mich, dazuzugehören. Hilflos stehe ich mit dem Entenpaar in der Kälte. Die Ente erwartet Hilfe von mir - wenn ich ihnen schon so nahe bin. Ich denke an Konrad Lorenz - Gans oder Ente, diese Tiere haben etwas Freundliches, fast Familiäres. Schließlich rufe ich eine Freundin mit Herz an, die mir rät, 110 zu wählen. Die Polizei gibt mir die Rufnummer der "Hamburger Tierrettung" vom Hamburger Tierschutzbund: 2222 77, das kann selbst ich mir merken. Eine freundliche Stimme sagt "Nottelefon Hamburger Tierschutzverein". Ich erkläre den Sachverhalt, beschreibe, dass es dem Erpel abgesehen von einer vermeintlichen Beinfraktur gut zu gehen scheint, gebe meinen Standort an und bin sehr erleichtert, zu erfahren, dass ein Rettungswagen losfährt. Man werde ihn ärztlich versorgen, wenn es sich nur um die Fraktur handele. Ich werde gebeten, das Tier zu sichern, d.h. bei ihm zu bleiben, bis die Rettung eintrifft.

In den 40 Minuten Wartezeit erkläre ich den Tieren wiederholt mit beruhigender Stimme, dass gleich jemand komme, der hilft. Alles wird gut. Meine größte Sorge ist, dass ein Hund sich an mir vorbei auf den wehrlosen Erpel stürzen könnte. Ich fühle mich verantwortlich. Zudem friere ich erbärmlich. Meine Bekleidung war nur für eine kurze Autofahrt ausgelegt. Das vorbeirauschende Mofa schlägt die Ente in die Flucht. Sie flattert schwerfällig über die Straße und verschwindet in die Dunkelheit. Nun bist du alleine, tapferer Erpel. "Aber gleich wird dir geholfen", denke und sage ich.

Endlich kommt der Rettungswagen, befrachtet mit jeder Art und Größe von Tierbehältnissen. Der Mann mit Lederhandschuhen und osteuropäischem Akzent, der ihm entsteigt, greift sich den Erpel, fühlt das gebrochene Bein und tröstet mich, das könne man schienen. Hauptsache, es gäbe keine weiteren inneren Verletzungen. Ich versichere, dass der Wagen nur das Bein erwischt habe und ein paar Federn, aber nicht über das Tier gefahren sei. Er platziert meinen Schützling in einen passenden Behälter und schließt unberührt den Deckel. Dunkel muss es dort sein, mein tapferer Erpel. "Soll ich mitfahren? Tun Sie bitte alles, um ihm zu helfen. Rufen Sie mich an, wenn ich etwas tun kann." "Ich nicht helfen kann. Aber in Station man wird alles machen." "Ich würde den Erpel gern abholen, wenn er wieder fit ist, um ihn hier in der Nähe auszusetzen. So hat er eine Chance, seine Partnerin wiederzufinden." Selbst partnerlos, habe ich Respekt vor funktionierenden Beziehungen. "Enten sind nicht so. Die haben es gut auf großem schönen Grundstück in Nähe von Station." "Soll ich mitfahren?" "Nein, Sie können nicht helfen mehr. Jetzt wird alles für ihn getan." "Ich werde morgen anrufen, um zu erfahren, wie es ihm geht." "Ja, besser Sie rufen nachmittags an, dann kann man schon Bericht haben." Der freundliche Mann notiert eine neue Rufnummer für mich.

Um die Mittagszeit des nächsten Tages wähle ich die Nummer. Ich bin freudig gespannt zu hören, wie es dem Erpel, dessen Bein inzwischen medizinisch fachgerecht versorgt wurde, geht und habe innerlich schon entschieden, ihn am Nachmittag in seinem Asyl zu besuchen. "Wir haben leider schlechte Nachrichten für Sie. Der Erpel hatte eine Beinfraktur. Wir haben ihn eingeschläfert." "Das kann nicht sein. Der Fahrer und die Telefondame sagten mir Hilfe zu. Hatte er denn weitere Verletzungen, die nicht behandelbar waren?" "Nein, nur die Beinfraktur. Aber es war ja ein Wildtier."

(HA)
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