06.12.12

Neustadt

Neue Zimmer mit Aussicht am Stintfang

Investor plant 50 Wohnungen an der Wallanlage. Anwohner protestieren bereits gegen das Vorhaben an den Landungsbrücken.

Von Friederike Ulrich
Foto: Architekten DSF DinseFeestZurl
Stintfang
Wohnen, wo jetzt eine Brache ist - so wurde das Projekt den Anwohnern präsentiert. Der Eingang zum S-Bahnhof Landungsbrücken soll in den Neubau integriert werden

Neustadt. Der Stintfang bietet eine erstklassige Aussicht auf den Hafen und ist bekannt für den Wein, der an seinem Südhang angebaut wird. Die Anhöhe oberhalb der Landungsbrücken hat aber auch eine kulturgeschichtliche Bedeutung: Schließlich liegt hier das Endstück der historischen Wallanlage, die von der Alster bis zur Elbe reichte.

Städtebaulich ist das Gelände ebenfalls von Interesse. Der Hamburger Immobilienentwickler Euroland will am östlichen Rand, entlang der Straße Hafentor, ein teilweise sechsstöckiges, rund 70 Meter langes Gebäude errichten. 50 Mietwohnungen sind dort geplant, darunter 36 geförderte für behinderten- und altengerechtes Wohnen. Ins Erdgeschoss des Baus soll ein Bio-Discounter ziehen, außerdem wird der S-Bahn-Eingang Hafentor/ Eichholz in das Gebäude integriert und mit Wohnungen überbaut.

Das Projekt ist nicht unumstritten. Mehr als 50 Anwohner haben sich zu der Initiative Hafentor zusammengeschlossen. Sie wollen den Bau in der jetzigen Form und damit den Eingriff in den Baum bewachsenen Hang verhindern. Das zuständige Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung gibt zu, dass die Entwicklung des Geländes problematisch sei, unter anderem wegen der vielfältigen Sichtbeziehungen, beispielsweise der Aussichtsplattform Stintfang. "Lieber als die Fläche bebauen zu lassen hätten wir hier eine gepflegte Grünanlage hergestellt", sagt auch Michael Osterburg, Stadtentwicklungsexperte und Fraktionsvorsitzender der Grünen in Hamburg-Mitte. Doch dafür fehle das Geld - und die Fläche sei von der Stadt nun mal mit der Zusage für Wohnungsbau verkauft worden. Außerdem habe der Investor Anregungen und Kritik der Anwohner aufgenommen und nachgebessert, unter anderem werde ein Geschoss weniger gebaut als ursprünglich geplant.

Allerdings wird das Gebäude immer noch mehr als 21 Meter hoch. "Für uns ist nicht nur die Höhe des Gebäudes entscheidend, sondern vor allem seine Massivität", sagt allerdings Anwohner Muck Giovanett. Um das teilweise rund 30 Meter tiefe Gebäude realisieren zu können, möchte Euroland weitere 1000 Quadratmeter von der Stadt kaufen. Die aber müssten von dem historischen Stintfang abgezwackt werden, so Giovanett. An manchen Stellen werde der Baukörper weit in den Hang hineinreichen. "Der Stintfang hat eine Bedeutung als Denkmal", sagt Marc Schröder, ebenfalls von der Initiative Hafentor. "Er ist die letzte Bastion der Befestigungsanlagen aus dem 17. Jahrhundert, die noch in Höhe und Ausdehnung erhalten ist." Durch den geplanten Bau würde der Ort seine "Sichtbarkeit" verlieren. Zudem würde durch den Neubau ein Teil des Parks verloren gehen. Mindestens 15 Bäume müssten gefällt werden, die aus Platzmangel nicht alle ersetzt werden könnten. Einziger Vorteil der Neubebauung sei, dass dann eine von Wildpinklern frequentierte Schmuddelecke verschwinden würde. "Wir fordern jedoch, dass Euroland nur das 600 Quadratmeter große Grundstück bebaut. Der Stintfang darf nicht angetastet werden", so Giovanett.

Das soll nach Angaben von Euroland-Geschäftsführer Kasten Horx auch nicht geschehen. Nur für Stützmaßnahmen müssten ein paar Meter des Hangs abgetragen werden. Der Nutzen für den Park durch die Baumaßnahme sei dagegen groß. "Wir übernehmen für einen Teil des Hanges die Pflege", sagt er. Dadurch werde auch die Zuwegung zur Aussichtsplattform wieder attraktiv. Die Kritik an den Plänen kann er nicht nachvollziehen. "Wir haben viele Anregungen aufgenommen. Die verschachtelte Bauweise etwa ist eine Maßnahme, Sichtachsen zu erhalten." Zudem sei es ein Inklusionsprojekt.

Noch läuft das Bebauungsplanverfahren. Am 12. Dezember tagt der Bauausschuss des Bezirks Hamburg-Mitte erneut zu dem Thema. Die Anwohner befürchten, dass daraus ein weiterer Schritt zu einer endgültigen Bebauung resultiert. 2003 sollte der Stintfang übrigens schon einmal bebaut werden. Die Körber-Stiftung wollte dort ein 34-Meter-Hochhaus errichten. Der Protest war groß - die Stiftung gab das Projekt komplett auf und zog in die HafenCity.

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