04.12.12

Windanlagenbauer

Hamburger Nordex baut Personal in China ab

Der Windanlagenbauer stoppt zum Jahresende die Produktion von Rotorblättern in China und streicht Stellen. Auch Probleme auf dem US-Markt.

Von Martin Kopp
Foto: Roland Magunia
Nordex Vorstandsvorsitzender Juergen Zeschky
Stürmische Zeiten: Jürgen Zeschky ist seit diesem Jahr Vorstandsvorsitzender von Nordex. Zuvor war er Finanzvorstand des Unternehmens

Hamburg. Der Windanlagenbauer Nordex streicht zum Jahresende 130 Stellen in seiner Rotorblattproduktion in China. Damit zieht der Turbinenhersteller die Konsequenzen aus der rückläufigen Auslastung und dem in China erwirtschafteten Verlust. "Mit dem Abbau von Strukturkosten wollen wir unsere Aktivitäten in China noch in diesem Jahr auf ein nachhaltig profitables Fundament stellen", sagte Nordex-Vorstandschef Jürgen Zeschky gestern.

Es ist zwar nur ein Werk und im weit entfernten China. Dennoch ist die Meldung beispielhaft für die Probleme einer ganzen Branche. Nach der tiefen Krise der Solaranlagenbauer kämpfen seit einiger Zeit auch die Hersteller von Windenergieanlagen mit Überkapazitäten und einem massivem Kostendruck, der einige Unternehmen in Nöte bringt. Der weltgrößte Turbinenhersteller Vestas schrieb im ersten Halbjahr 2012 mit einem Minus von umgerechnet 170 Millionen Euro tiefrote Zahlen. Der dänische Konzern reagierte mit einem deutlichen Stellenabbau. Bis Jahresende wird die Belegschaft um 16 Prozent gegenüber 2011 schrumpfen. Nordex selbst hat sechs Prozent der Belegschaft abgebaut und in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Verlust von 15,6 Millionen Euro eingefahren.

Das war nicht immer so. In der Startphase der recht jungen Branche konnte den europäischen Windanlagenbauern die Welt nicht groß genug sein. Neben den gut laufenden Geschäften in Europa wurden Asien und die USA die Hauptmärkte für Unternehmen wie Vestas und Nordex. Diese freuten sich über zweistellige Zuwachsraten. Doch mit der Zeit drängten immer mehr Anbieter auf den Markt. Zum einen waren das große Hersteller wie Siemens und General Electric (GE), die sich bereits über ihre bisherigen Geschäfte gute Vertriebsstrukturen und geschäftliche Kontakte weltweit erarbeitet hatten. Zum anderen sind vor allem in Indien und China zahlreiche Konkurrenzunternehmen aufgebaut worden, welche deutlich billiger produzieren, damit zunächst die heimischen Märkte eroberten und nun auch in Europa Fuß gefasst haben. Das setzt die klassischen Windkraftanlagenbauer unter Druck. Angesichts weltweiter Produktionsüberkapazitäten von rund 30 Prozent sehen sie sich gezwungen, die eigenen Kosten zu senken. "In den letzten Jahren sind die Preise für Windkraftanlagen um gut 25 Prozent gesunken", sagte Zeschky schon im Sommer.

Nordex hat 1998 ein Joint Venture für Großanlagen in Xi'an gegründet und in Dongying eine Produktionsstätte für Rotorblätter aufgebaut. Doch sehr schnell stellte das Unternehmen fest: In China bekommen ausländische Windturbinenbauer kaum ein Bein auf die Erde. "99,9 Prozent der Aufträge dort gehen an chinesische Hersteller", sagte Nordex-Sprecher Ralf Peters. Zudem werde der Markt staatlich kontrolliert. Sowohl bei den Herstellern von Windrädern wie auch bei den Windparkbetreibern handele es sich um staatliche Unternehmen. Bereits seit Längerem habe sich Nordex deshalb nach einem starken chinesischen Partner umgeschaut. "Wir haben zwei Jahre lang mit einem Staatskonzern verhandelt", so Peters. "Doch mit dem Wechsel der chinesischen Regierung vor wenigen Wochen sind auch die Verhandlungspartner ausgewechselt worden." Inzwischen ging die Auslastung der Rotorblattfertigung in China gegen null.

Deshalb zieht das Unternehmen nun die Reißleine und schließt die chinesische Produktion, obgleich Nordex hier die Aufträge für das gesamte Asiengeschäft abgewickelt hat, unter anderem auch für Pakistan: "Anstatt drei Werke nur zum Teil auslasten zu können, ist es wirtschaftlicher, zwei voll zu betreiben, auch wenn man weitere Transportwege in Kauf nehmen muss", so Peters. Neben China produziert Nordex in Deutschland und den USA.

Aber auch auf dem amerikanischen Markt läuft nicht alles rund. Zum Jahresende will Nordex in den USA mit einer schwarzen Null abschließen. " Aber die Strompreise sind durch das massive Angebot an billig gewonnenem Schiefergas stark verfallen", sagte Peters. Das schlage sich auch in der Auftragslage nieder. So ist die Zukunft für das Werk in Jonesboro (Arkansas) auch nicht gesichert. "Es gibt keine Entscheidung", sagte Peters. Zudem ist unklar, ob das amerikanische Fördermodell für erneuerbare Energien mit Steuergutschriften pro erzeugter Kilowattstunde auch 2013 noch fortgesetzt wird.

Ein Großteil des Geschäfts werde Nordex deshalb auch im kommenden Jahr in Europa erwirtschaften, kündigte der Nordex-Sprecher an. Zwar leide die Branche in Südeuropa wegen der Staatsschuldenkrise unter einer Auftragsflaute: "Aber in Osteuropa, Skandinavien und Deutschland sieht die Lage gut aus", sagte Peters. Außerdem wird Südafrika für den Windenergieanlagenbauer zu einem immer wichtigeren Absatzmarkt. Erst kürzlich haben die Hamburger hier Lieferverträge für zwei Windparks mit einer Gesamtleistung von 180 Megawatt unterschrieben. Nordex beschäftigt weltweit mehr als 2500 Mitarbeiter.

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