19.11.12

Hamburg-Hammerbrook

Alles reine Kopfsache bei der Hutmesse am Hühnerposten

35 Aussteller präsentieren bei der Ausstellung am Hühnerposten in Hammerbrook Hüte und Mützen, Extravagantes und Alltagstaugliches.

Von Geneviève Wood
Foto: Laible

Claudia Köcher aus Weimar ist Putzmacherin, wie Hutmacherinnen sich auch nennen

5 Bilder

Hamburg. Mut zum Hut hat man hier in Hammerbrook. Da ist zum Beispiel das Modell Kotflügel für 198 Euro. Der blaue Kopfschmuck mit seinen geschwungenen Linien und der Wölbung war einer der Hingucker auf der ersten Hutmesse am Hühnerposten am Sonntag.

Kotflügel! Da guckt Fotokünstler Robert Gosewinkel pikiert. So nennt sich der Kopfschmuck, den Mareike Scharmer als Werbemaßnahme durch die Gänge der Ausstellung spazieren trägt, natürlich gar nicht offiziell. Aber so völlig abwegig ist die Bezeichnung nun auch wieder nicht. Immerhin hat Robert Gosewinkel den Kotflügel eines Autos fotografiert und so verfremdet, dass auf dem Foto nichts Gegenständliches mehr zu erkennen ist. Der Betrachter sieht viel Blau, Glas und die Spiegelung des Himmels und eines Gebäudes. Diese Fotografie (sie heißt "watch this sky", guck dir diesen Himmel an) war schließlich die Vorlage für Susan Pieper, Hutmacherin aus Nienstedten, oder wie es im Fachjargon korrekt heißt: Modistin. Die 47-Jährige fertigt viele ihrer Modelle nach solchen Fotovorlagen ihres Partners und Künstlerkollegen. Ziemlich experimentell. Es gibt auch Kopfschmuck von ihr, der einer Mokkakanne nachempfunden wurde. Das dazugehörige Foto heißt passenderweise "Moccalour".

"Viele Kopfbedeckungen hier sind witzig", sagt eine Hutmacherin aus Othmarschen. Sie besucht die Ausstellung lediglich, "muss man ja, wenn man vom Fach ist." Aber für ihre Kundinnen in den Elbvororten sei das nichts. "Meine Othmarscher Damen würden das nicht kaufen. Dafür leben dort nicht genügend jüngere Leute." Auch das Publikum hier am Hühnerposten ist überwiegend jenseits der 50. Der Nachwuchs fehlt, sagt Günter Husstedt, einer der ganz wenigen Großhändler, die Deutschlands Hutmacher mit den notwendigen Materialien ausstatten. Er kennt noch die Glanzzeiten der Hutmode, "als 80 Putzmacherinnen am Ballindamm arbeiteten." Putzmacherin, noch so ein Wort für Hutmacherin. "Welche jungen Leute tragen denn noch Hut?", fragt sich Herr Husstedt.

Auch wenn Modistin Susan Pieper beim königlichen Hutmacher Frederick Fox in London gelernt hat und dort zwei eigens für die Queen angefertigte Hüte geschaffen hat: Sie und die übrigen 34 Aussteller haben verrückte, aber eben auch ganz bodenständige und alltagstaugliche Hüte, Mützen und Kopfschmuck im Sortiment. Denn: Hammerbrook ist nicht Ascot. Da gibt es gehäkelte Mützen von Anja Barth aus der Nähe von Pforzheim, mal bunt und fröhlich, mal schwarz und elegant. Sabine Falkenhagen ist vertreten. Bei ihr kaufen Udo Lindenberg, Jan Delay oder die Jungs von Fettes Brot ihre Hüte. Oder Caroline Grosskopf mit ihren lässigen Beaniestar-Mützen aus dünnem Wollwirk mit einem Stern. Die sind dann auch mal etwas für jüngere Leute.

Möglichst viele Besucher sollen hier fündig werden. Das war die Idee, die Dieter Holhorst hatte, als er diese Ausstellung organisierte. Er selbst trägt sein Haar extrem kurz und sucht nach vernünftigen Kopfbedeckungen. Häufig ohne Erfolg. Einen schönen Strohhut hat er jedenfalls auch gestern nicht gefunden.

Auf der Suche nach dem Speziellen und Ungewöhnlichen war Iris Zenker aus Eidelstedt. Um die 60 Kopfbedeckungen hat die Beraterin für Eurythmie und Tanz bereits. Apropos Tanz. Irgendwie scheint der mit dem Tragen von Hüten zusammenzuhängen. Günter Husstedt jedenfalls hat es genauso mit Hüten und mit Tanzen wie Iris Zenker. Der 79-Jährige hat in seinen besten Jahren in den höchsten Klassen Standard und Latein getanzt. Wie ist dieser Zusammenhang zu erklären? "Sowohl beim Tanzen als auch beim Tragen von Hüten ist eine gute Haltung notwendig, damit es wirkt", sagt Iris Zenker. Beides hat etwas mit Ausdruck zu tun. Männer mit Hut zum Beispiel hätten häufig eine besondere Haltung. "Und diese äußere Haltung wirkt sich wiederum auf die innere aus." Der Hut psychologisch betrachtet. Und dann muss Frau Zenker, die heute einen klassischen Hut im Stil der 1920er-Jahre trägt, ein bisschen lästern über die Messebesucher, die extravagante Hüte tragen, aber keinen Sinn für die passende Haltung haben. "Manchmal passt es eben einfach nicht."

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