15.11.12

Urteil

Inder erstach Ex-Freundin - sechseinhalb Jahre Haft

Urteil wegen Totschlags in Hamburg gefällt. Richter: "Ein tragischer Fall von Liebe zwischen zwei, die nicht zusammenkommen durften".

Foto: © Michael Arning
Polizisten riegelten den Tatort unter der Robert-Schumann-Brücke ab
Polizisten riegelten nach der Tat die Robert Schumann Brücke in Wandsbek ab

Hamburg. Er tötete, was er liebte: Die Familie seiner Freundin war gegen die Beziehung, deshalb hat ein junger Inder in Hamburg seine Geliebte erstochen. Für die Messerattacke auf die ebenfalls aus Indien stammende 19-Jährige hat das Hamburger Landgericht den Mann am Donnerstag zu sechseinhalb Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der nach Auffassung von Gutachtern mindestens 21-jährige Angeklagte seine Ex-Freundin im März im Hamburger Stadtteil Wandsbek mit acht Messerstichen getötet hatte.

"Es ist ein tragischer Fall von der Liebe zweier junger Menschen, die nicht zusammenkommen durften", sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Backen in seiner Urteilsbegründung. Die Eltern der 19-Jährigen waren gegen die Beziehung. Backen betonte den "schrecklichen Egoismus" des 21-Jährigen, der seine Geliebte tötete, weil er sie nicht habe bekommen können.

Der Angeklagte habe zwar dieselbe Religion wie die 19-Jährige, stamme aber aus anderen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen, sagte der Richter. "Deswegen hielten die Eltern die Beziehung für unpassend." Die 19-Jährige sei von ihrem Freund schwanger gewesen, habe aber abgetrieben, weil sie zuerst eine Ausbildung machen wolle.

"Die Mutter der jungen Frau hat dann eine Ehe mit einem entfernten Verwandten aus Indien arrangiert", sagte Backen. Es sei eine Scheinehe gewesen, für die der Bräutigam Geld bezahlt habe, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Die 19-Jährige heiratete den ihr unbekannten Mann, reichte aber kurz darauf die Scheidung ein. Auf Druck der Familie nahm sie die Scheidung wieder zurück. Bei einem letzten heimlichen Treffen teilte die junge Frau dem 21-Jährigen mit, dass sie sich nun doch für ihre Familie entschieden habe. Das konnte der Zurückgewiesene nach Ansicht des Gerichts nicht ertragen und stach mit einem Messer auf sie ein.

Den Aussagen des Täters, die beiden hätten gemeinsam sterben wollen, glaubte das Gericht nicht. "Es war technisch gar nicht möglich, dass Sie sich mit einem Messer gegenseitig umbringen", sagte der Vorsitzende Richter. Vielmehr habe sich der 21-Jährige selbst in den Hals geschnitten und die Wahrheit verdrängt. "Nur so kann er mit seiner großen Schuld weiterleben", sagte Backen. "Der gesellschaftlich entwurzelte Mann hat den letzten Halt im Leben verloren, indem er getötet hat, was er liebte."

dpa
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. AuslandApokalypse in Aleppo"Wir versprechen dir, dich das nächste Mal zu töten"
  2. 2. DeutschlandEuropawahlSPD zittert schon vor dem "Katastrophen-Ergebnis"
  3. 3. DeutschlandWahlkampf-GeldAfD setzt umstrittene Kreditfinanzierung fort
  4. 4. AuslandBrasilienMann bei Straßenschlachten in Rio erschossen
  5. 5. WirtschaftMenschenrechteSo werden Dienstmädchen in Katar ausgebeutet
Top Bildergalerien mehr
Feuerwehr

Schnelsen: Reisebus brennt auf A7 aus

Feuerwehr

Osterfeuer in Eidelstedt außer Kontrolle

Bus fährt Seniorin auf Mönckebergstraße an

Herrenloses Boot in der HafenCity

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr