10.11.12

Abendblatt-Aktion

"Lieblingsstücke unter der Lupe" - Wie man Schätze erkennt

Heute bewerten Experten Ihre Lieblingsstücke in der Axel-Springer-Passage. Wir sprachen mit Robert Ketterer vom Auktionshaus Ketterer Kunst.

Von Matthias Gretzschel
Foto: Ketterer Kunst GmbH & Co. KG
Robert Ketterer wurde 1969 geboren. Mit 22 stand er erstmalig als Auktionator am Pult. Als 25-Jähriger wurde er Geschäftsführer des traditionsreichen Münchner Familienunternehmens. Seit 1998 ist er auch für das Hamburger Haus zuständig
Robert Ketterer wurde 1969 geboren. Mit 22 stand er erstmalig als Auktionator am Pult. Als 25-Jähriger wurde er Geschäftsführer des traditionsreichen Münchner Familienunternehmens. Seit 1998 ist er auch für das Hamburger Haus zuständig

Heute wird es spannend. An diesem Sonnabend werden viele Abendblatt-Leser endlich erfahren, was die von ihnen geerbten, gekauften oder als Geschenk erhaltenen Gemälde und Grafiken wert sind und welche kunstgeschichtliche Bedeutung sie haben. Als sich die interessierten Leser am vergangenen Sonnabend für den ersten Teil der Abendblatt-Aktion "Lieblingsstücke unter der Lupe" anmelden konnten, lief unsere Hotline heiß. Innerhalb von kurzer Zeit waren die begehrten Termine restlos ausgebucht. Ab heute haben Sie noch die Chance, sich für den kommenden Sonnabend anzumelden, an dem dann Experten des Auktionshauses Lauritz.com ihre Antiquitäten, Porzellane, Silberleuchter und Schmuckstücke unter die Lupe nehmen. Für die bildende Kunst stehen Ihnen heute die Experten des renommierten Münchner Auktionshaus Ketterer Kunst zur Verfügung. Vorab sprachen wir mit dessen Geschäftsführer Robert Ketterer.

Hamburger Abendblatt: Herr Ketterer, Sie beschäftigen sich beruflich mit Kunst und Antiquitäten. Haben sie auch privat ein Lieblingsstück, ein Objekt, das Ihnen ganz besonders am Herzen liegt?

Robert Ketterer: Ich sehe einfach so viel, dass es immer wieder neue Lieblingsobjekte gibt. Man entwickelt sich ja auch in Sachen Geschmack weiter.

Manches, was Ihnen vor 20 Jahren sehr gefallen hat, liegt Ihnen heute unter Umständen nicht mehr so nahe?

Ketterer: Absolut. Viele Sammler fangen mit Chagall und Dalí an und enden dann bei Gerhard Richter. Manche beginnen auch bei den Alten Meistern und hören bei Zeitgenossen auf - oder umgekehrt. Unser Geschmack und unsere Vorlieben ändern sich.

Worin liegt der besondere Reiz eines alten Kunstwerks oder einer Antiquität?

Ketterer: Es ist einmal die Unwiederbringlichkeit. Und es ist schon etwas Besonderes, etwas zu besitzen, das einmalig ist und das kein anderer hat. Je älter der Künstler ist, desto weniger kommt von ihm auf den Markt. Das hat auch damit zu tun, dass immer wieder Museen kaufen, sodass dem Markt immer mehr Ware entzogen wird.

Auch auf dem Kunstmarkt gibt es Moden. Was jetzt besonders gefragt?

Ketterer: Deutlich gefragt ist zur Zeit Farbe. Mit Schwarz-Weiß-Arbeiten ist es schwerer. Viele Kunstliebhaber sammeln heute für die Wand. Es wird eben nicht mehr so viel für den Grafikschrank gesammelt. Man kauft keine Werkgruppen mehr, sondern hat acht Wände, für die man acht Bilder sucht. Derzeit ist internationale Kunst gefragt, und die sollte möglichst farbig und dekorativ sein.

Werden Auktionen. nur von wohlhabenden Sammlern besucht?

Ketterer: Nein, überhaupt nicht. Bei unseren Auktionen können Werke zwar durchaus mehrere Millionen Euro erzielen, aber der Großteil liegt in einer Größenordnung, die für ein sehr breites Publikum interessant und erschwinglich ist. Es geht bei etwa 500 Euro los.

Kann man als Mensch mit durchschnittlichem Einkommen überhaupt Kunst sammeln?

Ketterer: Wenn man an Sammlungen von mehreren Hundert hochkarätigen Werken denkt, natürlich nicht. Trotzdem kann man aber für wenig Geld fantastische Dinge finden, die Lust zum Sammeln machen. Wir bieten zum Beispiel Objekte bis 1000 Euro auf der Internetplattform http://www.fine-art-auctions.de an. Da sind große Namen dabei, etwa mit Druckgrafik, die oft sogar schon gerahmt ist. Manchmal sind diese Sachen auch nicht teuerer als ein Poster, das man im Möbelhaus kauft.

Als Laie stellt man sich eine Auktion ungemein spannend vor. Ist es tatsächlich so?

Ketterer: Bei uns ist das so, auch weil wir die Zahl der Nummern nicht übertreiben. Zum Beispiel gibt es bei unserer nächsten Auktion in München 100 Objekte, das ist eine überschaubare Zahl. Es ist immer voll, immer lebhaft und macht großen Spaß. Eine Auktion hat durchaus auch etwas Unterhaltsames.

Wie wird eine Auktion vorbereitet?

Ketterer: Wir haben ein halbes Jahr Vorlaufzeit. Man besucht sehr viele Sammler und spricht über Kunstwerke, die eventuell verkauft werden sollen. Wenn wir uns einigen, kommen die Objekte zu uns ins Haus. Es folgt eine aufwendige Recherche, es müssen Echtheitszertifikate erstellt werden. Schließlich wird vier Wochen vor der Auktion ein Katalog gedruckt und verschickt. Dann gibt es vorab in verschiedenen Städten, zum Beispiel in Hamburg, Ausstellungen zur Vorbesichtigung. Die eigentliche Auktion dauert dann manchmal nur eine oder zwei Stunden. In dieser relativ kurzen Zeit entscheidet sich für das Auktionshaus der wirtschaftliche Erfolg eines halben Jahres.

Wie wird man eigentlich Auktionator? Gibt es für diesen Beruf eine richtige Ausbildung?

Ketterer: Man kann bei der Industrie- und Handelskammer eine Auktionatorenprüfung ablegen. Damit wird man öffentlich bestellter Auktionator. Nach weiteren Jahren kann man auch eine Prüfung zum öffentlich bestellten vereidigten Auktionator machen. Natürlich sollte man über die Fähigkeit verfügen, Menschen zu interessieren und mitzureißen.

Welche Bedeutung hat Kunst als Geldanlage?

Ketterer: In den letzten drei Jahren hat sich die Anzahl der angebotenen Objekte um ein Drittel verringert. Gleichzeitig steigen unsere Jahresumsätze. Daran können Sie erkennen, dass Kunst und Antiquitäten nicht nur wertbeständig sind, sondern im Wert steigen. Wenn man annimmt, dass eine Inflation bevorsteht, kann man trotzdem davon ausgehen, dass Kunst ihren Wert behält. Das zeigen auch die geschichtlichen Erfahrungen des letzten Jahrhunderts. Sicher gilt das nicht für jedes einzelne Kunstwerke, im Großen und Ganzen aber auf jeden Fall.

Kann man heutzutage auch auf Flohmärkten tatsächlich noch echte Schätze finden?

Ketterer: Ja, dafür muss man sich aber schon sehr gut auskennen. Auf jeden Fall muss man mehr wissen als der jeweilige Flohmarkthändler. Unter dieser Voraussetzung kann man noch immer tolle Schnäppchen machen.

Kennen Sie ein konkretes Beispiel?

Ketterer: Ja, es handelt sich um einen kleinen Ausstellungskatalog der expressionistischen Künstlergruppe "Brücke". Den hat jemand auf einem Flohmarkt für ein paar Euro gekauft. Wir bieten ihn in unserer Auktion am 19./20. November in Hamburg für 18 000 Euro an, bringen wird er wahrscheinlich deutlich mehr.

Gehen Sie selbst auf Flohmärkte?

Ketterer: Ja, aber nicht professionell. Mir macht es großen Spaß, mich umzusehen und mit Leuten zu reden.

Antiquitäten haben ihre Schicksale, sie werden über Generationen weitergegeben. Erfahren Sie manchmal Geschichten, die Sie persönlich bewegen?

Ketterer: Wenn man bedenkt, dass allein während der Zeit des Nationalsozialismus vom Deutschen Reich 1,5 Millionen Güterwagen mit geraubter Kunst und Antiquitäten aus ganz Europa in die Zentrallager gefahren worden sind, kann man sich vorstellen, welches Leid und welche Schicksale sich mit diesen Dingen verbinden. Aber ich erlebe auch im Alltag manchmal Situationen, die mich beschäftigen. Zum Beispiel wenn ich zu einer Familie gerufen werde, für die ich ein Kunstwerk verkaufen soll. Manchmal spüre ich dann, dass die Menschen eigentlich daran hängen und sich nur aufgrund einer Zwangssituation davon trennen müssen. Wenn ich dann ein Bild, das über dem Sofa hängt, abhängen soll, finde ich meinen Beruf doch schwierig. Das tut mir dann sehr leid, andererseits habe ich den Auftrag, für diese Menschen ein maximales Ergebnis zu erzielen. Wenn ich das gut schaffe, freue ich mich doppelt.

Ketterer Kunst hat auch eine Niederlassung in Hamburg. Wie wichtig ist die Hansestadt für Ihr Haus?

Ketterer: Der deutsche Norden ist für uns extrem wichtig. Hier gibt es einige sehr interessante Sammlungen. Diese stehen oft nicht so in der Öffentlichkeit, trotzdem kennt man natürlich die Namen. Mit unserer Filiale in Hamburg erreichen wir auch den Nordosten, von wo aus uns immer wieder sehr interessante Objekte angeboten werden.

Heute werden Ihre Experten die Lieblingsstücke der Abendblatt-Leser begutachten und bewerten. Sind Sie gespannt auf die Ergebnisse dieses Tages?

Ketterer: Der Spaß an unserem Beruf besteht nicht zuletzt darin, dass man morgens nie weiß, was über den Tag alles passiert. Und auch bei solchen Begutachtungs-Aktionen, wie wir sie jetzt mit dem Hamburger Abendblatt veranstalten, sind immer wieder höchst interessante Objekte aufgetaucht, die wir manchmal auch später verkaufen durften. Ich bin also sehr gespannt.

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