07.11.12

Festakt in der Speicherstadt

Ende einer Ära: Hamburger Tafel verabschiedet Gründerin Dose

"Danke" war das meistgehörte Wort, als Annemarie Dose Adieu sagte. In 18 Jahren hat die 84-Jährige zahllose Bedürftige unterstützt.

Foto: dpa

Die Hamburger Tafel-Gründerin Annemarie Dose (r.) bei ihrer Abschiedsfeier im Internationalen Maritimen Museum an der Seite des Hamburger Weihbischofs Hans-Jochen Jaschke

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Hamburg. Die "Mutter der Tafeln" sagt Adieu. Annemarie Dose, die Gründerin und langjährige Vorsitzende der Hamburger Tafel, ist am Mittwochabend in den "Ruhestand" verabschiedet worden. "Die 18 Jahre waren die turbulentesten Jahre meines Lebens", sagte die 84-Jährige rückblickend über ihr Wirken als emsige Helferin. Bei dem Festakt im Internationalen Maritimen Museum würdigte Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) die Volksdorferin vor mehreren hundert Gästen als "Vorbild" und wandte sich direkt an die 84-Jährige: "Liebe Frau Dose, vielen Dank für alles, was sie für arme Menschen in dieser Stadt getan haben."

Dose selbst verwies bescheiden auf die zahlreichen Helfer, mit denen sie in den vergangenen Jahren die Tafel aufgebaut hat: "Alleine ist man überhaupt nichts. Es ist enorm, wie viele Menschen sich dafür anstrengen", sagte die 84-Jährige, für die die Zeit bei der Hamburger Tafel wie im Flug vergangen ist: "Man fühlt sich, als habe man eben erst angefangen", berichtete die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes inmitten des Trubels bei der Abschiedsfeier.

Dose kümmerte sich seit 1994 um einen gedeckten Tisch für Bedürftige – und trug entscheidend dazu bei, dass sich der Tafel-Gedanke bundesweit durchsetzte. Ende Oktober hat sie sich aus dem Vorstand der Hamburger Tafel zurückgezogen. Allerdings bleibt "Ami", wie sie für ihre Freunde heißt, der Einrichtung mit ihrer Erfahrung und ihren Kontakten erhalten – als Ehrenvorsitzende. Als Nachfolger wählten die Mitglieder des Vereins Achim Müller (68).

1994 gründete Dose die Hamburger Tafel. Das Projekt begann in einem kleinen Raum mit wenigen Helfern. Inzwischen sind mehr als 100 ehrenamtliche Mitarbeiter dabei – als Fahrer, als Beifahrer, im Büro oder im Lager. Sie sammeln nicht mehr verkaufsfähige, aber noch essbare Lebensmittel ein und versorgen damit Dutzende sozialer Einrichtungen sowie Lebensmittel-Ausgabestellen. Heute profitieren rund 20 000 hilfsbedürftige Hamburger von der Arbeit der Tafel.

Die Idee, Lebensmittel der Überschussproduktion an die Armen zu verteilen, hatten 1993 Berliner Frauen mit der ersten Armen-Tafel in Deutschland umgesetzt. Aber erst die Hamburger Initiative der charmanten und resoluten Annemarie Dose brachte ein Jahr später den Durchbruch. Inzwischen gibt es in Deutschland fast 900 Tafeln. "Bundesweit versorgen sie regelmäßig über 1,5 Millionen bedürftige Personen mit Lebensmitteln", so der Bundesverband Deutsche Tafel.

dpa
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