Zwischenruf Die App, die veräppelt

Foto: AFP

Eine Glosse von Elisabeth Jessen

Mein iPhone hat jetzt eine Nostalgie-App, ehrlicherweise handelt es sich eher um Nostalgie-Nepp. Seit zehn Jahren lebe ich nun schon am Stadtrand - in einem Stadtteil, der sich bislang so gar nicht durch eine lebhafte Gastronomieszene ausgewiesen hat. Dachte ich jedenfalls. Bis ich das neue Betriebssystem iOS6 mit einer neuen Karten-App auf meinem iPad installiert habe. Und seither wohne ich im lukullischen Eldorado. Abends kann ich mich nur schwer entscheiden, ob ich chinesisch essen soll im China-Restaurant Dynastie oder italienisch im Mamma Italia oder auf eine Frikadelle im rustikalen Birkenstübchen einkehren. Und falls es etwas feiner sein soll, wäre da auch noch das Lutz & König. Theoretisch, jedenfalls. Praktisch steht man überall vor verschlossenen Türen.

Vom Mamma Italia gab es schon vor zehn Jahren nur mehr das Restaurant-Schild. Von der China-Dynastie waren damals schon jegliche Lebenszeichen verschwunden. An den anderen beiden Adressen wird sicher noch gekocht - Hausmannskost, aber schon lange nicht mehr für Gäste.

Mein Vertrauen in die moderne Apfel-Welt ist schwer erschüttert. Das stylishe Unternehmen bietet seinen Kunden uraltes Kartenmaterial. Glücklicherweise ist der Kühlschrank bei uns zu Hause immer gut gefüllt. Dafür sorgt der regelmäßige Gang zum nahe gelegenen Supermarkt. Der ist zwar auf der Map-App nicht verzeichnet, aber den gibt es wenigstens.