Zwischenruf Nacht des Schreckens

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Eine Glosse von Alexander Schuller

Die Süßigkeitenregale in den Supermärkten sind leer gefegt, und sogar die Kleingeldbestände der Hamburger Geldinstitute tendieren gegen null. Grund ist der irisch-amerikanische Feiertag "Halloween", der sich hierzulande von Jahr zu Jahr jeweils am Tag vor Allerheiligen einer immer größeren Beliebtheit erfreut. Doch aus den einst harmlosen, geisterhaften Gruppierungen, die mit kindlich-verbaler Gewalt ("Süßes oder Saures ...") kariesfördernde Gaben erpressten, sind inzwischen gut organisierte Kinderbettelbanden entstanden, die von Müttern wie Drückerkolonnen von Haustür zu Haustür chauffiert werden.

Wie das Abendblatt aus Polizeikreisen erfuhr, wird in diesem Jahr daher erstmals die Soko "Kürbis" zum Einsatz kommen. Ziel sei es, so ein Polizeisprecher auf Nachfrage, der zunehmenden Gewaltbereitschaft der enthemmten Vorschülerinnen und Vorschüler entgegenzuwirken. Denn Zucker mache bekanntlich aggressiv und könne so manches Kleinkind in ein hals- und haltloses Monster verwandeln. So wurden im vergangenen Jahr vor allem in Blankenese, Othmarschen, Nienstedten und den ganzen -bütteln im Norden der Stadt mehr als 350 verwüstete Vorgärten registriert, deren Besitzer sich nicht erpressen lassen wollten. Allerdings will die Stadt auf die Erhebung einer Halloween-Abgabe vorerst verzichten. Denn die Einsatzkosten für die Soko "Kürbis" liegen weit unterhalb der Tarifnorm, da es sich ausnahmslos um Zeitarbeitskräfte handelt, die aufgrund ihrer geringen Körpergröße für den Polizeidienst abgelehnt wurden.