Blaue Polizei-Uniformen: Immer mehr folgen Hamburg

Als der damalige Innensenator Ronald Schill vor drei Jahren die Idee aufbrachte, neue, blaue Uniformen für die Hamburger Polizei zu entwerfen, glaubten nur wenige, daß das Projekt mehr als ein Spleen des Senators werden könnte. Mittlerweile ist die neue Dienstkleidung von der Elbe Trendsetter: Nicht nur alle 5500 Schutzpolizisten der Hansestadt werden im Mai auf einen Schlag umgekleidet. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bestätigte Ende der vergangenen Woche auf der Innenministerkonferenz (IMK), daß auch die Uniformen der 38 000 Bundesgrenzschutzbeamten schon bald blau sein werden. Immer mehr Bundesländer prüfen jetzt, ob und wann sie dem Beispiel Hamburg folgen. So war die "wichtigste Nebensache der Welt" (Innensenator Udo Nagel) bei der IMK auch Thema des "Kamingesprächs" im Lübecker Rathaus. Senator Nagel (parteilos) hatte seine "Lieblingspolizisten" mitgebracht: Zwei Beamte, die in den bequemeren und praktischeren Modellen Präsenz zum Anfassen zeigten. Klar scheint: Mindestens in Norddeutschland ist die Polizei bald ganz in Blau. Niedersachsen und Bremen wollen ihren Beamten nach und nach die Hamburger Uniformen geben - ohne den Haushalt zu belasten. Schleswig-Holstein gibt sich offiziell noch bedeckt, wohl vor allem, weil Innenminister Klaus Buß (SPD) derzeit IMK-Chef ist und nicht vorpreschen möchte. Hessen und Baden-Württemberg zeigen wie Nordrhein-Westfalen starkes Interesse am Abschied vom häßlichen Grünbeige. Dabei dürfte es auch darum gehen, ob die Länder ähnliche Finanzierungsmodelle wie Hamburg finden, wo die Wirtschaft der Hansestadt einen zinslosen Kredit finanziert, so daß die Beamten auf einmal neu eingekleidet werden können. Mecklenburg-Vorpommern will so lange an der in den 70er Jahren eingeführten grünen Polizeikleidung festhalten, bis eine bundesweite Neuregelung gefunden wurde - so auch Bayern und Berlin, die hohe Entwicklungskosten und ein Farben-Kuddelmuddel fürchten. Innensenator Nagel bot in Lübeck seinen Kollegen an, kostenlos die Hamburger Schnittmuster für ihre Uniformen zu nutzen - und so etwa 500 000 Euro Entwicklungskosten zu sparen.