Hamburg. Das viel diskutierte Projekt „freiRaum Ottensen“ ist auf der Zielgeraden. Anfang April wird der aktuelle Stand erneut vorgestellt.

Die Umsetzung des viel diskutierten und über die Grenzen Hamburgs hinaus beobachteten Verkehrsprojektes „freiRaum Ottensen“ ist ein Stück nähergerückt. Das Bezirksamt Altona hat jetzt die überarbeiteten Pläne für die Umgestaltung des Quartiers zum autoarmen Stadtteil in Hamburg-Altona veröffentlicht.

Der Umbau der Ottenser Hauptstraße und der Bahrenfelder Straße sind dabei die zwei größten Maßnahmen des im Mai 2022 beschlossenen Verkehrskonzepts: Beide Straßenzüge werden überwiegend für den motorisierten Verkehr gesperrt. Die Bahrenfelder Straße wird streckenweise zur Fahrradstraße, die Ottenser Hauptstraße hauptsächlich für Radfahrer sowie für Fußgängerinnen und Fußgänger frei gemacht. In beiden Straßenzügen fallen sämtliche öffentlichen Parkplätze weg.

„freiRaum Ottensen“: Kritik an Umgestaltungsplänen für Ottenser Kreuz

Um das Konzept zu erstellen, hatte in den Jahren 2021 und 2022 ein breit angelegtes Beteiligungsverfahren in Ottensen stattgefunden. Die Ergebnisse finden sich in den Planungen wieder. Zusätzlich flossen Erkenntnisse eines Workshops zum Ottenser Kreuz vom Februar 2023 in die Erarbeitung der ersten Pläne ein. Im Sommer 2023 hatte das Bezirksamt Altona diese ersten Pläne für den Umbau der Bahrenfelder Straße und der Ottenser Hauptstraße veröffentlicht.

Auf die sogenannte 1. Verschickung gab es sehr viele Rückmeldungen. Kritik entzündete sich vor allem an der vorgesehenen Umgestaltung des Ottenser Kreuzes – der Platz, an dem die Ottenser Hauptstraße und die Bahrenfelder Straße aufeinandertreffen. Hier war eine breite Fahrradquerung vorgesehen. Der Platz vor der Gaststätte Möller, auf dem sich auch die Bronzeplastik „Ottenser Torbogen“ befindet, sei immer Teil der Fußgängerzone gewesen, gab Marit Pedersen von der Bürgerinitiative „Ottenser gestalten“ zu bedenken. Daraus ein Fahrradkreuz zu machen sei „Irrsinn“.

Laut den überarbeiteten, jetzt veröffentlichten Plänen ist der „Irrsinn“ nicht komplett vom Tisch. Sie bevorzugen den Ausbau der derzeitigen Radverkehrsführung auf dem Ottenser Kreuz. Der Platz wird nicht – wie von Kritikern der ursprünglichen Planung gewünscht – Teil der Fußgängerzone. „Durch die zugewiesenen Verkehrsflächen ergeben sich sichere und klar ausgewiesene Verkehrsbereiche für beide Nutzergruppen“, heißt es in den aktuellen Plänen. Und weiter: Die vorherrschende Verkehrsart bleibe auf dem überwiegenden Teil des Platzes weiterhin der Fußverkehr.

Das Ottenser Kreuz im Herzen des Quartiers: Der Radweg, wie er jetzt besteht, soll ausgebaut werden.
Das Ottenser Kreuz im Herzen des Quartiers: Der Radweg, wie er jetzt besteht, soll ausgebaut werden. © Michael Rauhe / Funke Foto Services | Michael Rauhe

Überarbeitet wurden auch die Planungen für die Ottenser Hauptstraße. Hier wurden unter anderem die Fahrbahn gegenüber den ersten Plänen verengt und der Fußgängerbereich sowie der Platz für Aufenthalte auf drei Meter je Seite verbreitert.

Um Autos aus der Ottenser Hauptstraße und der Bahrenfelder Straße herauszuhalten, werden versenkbare Poller installiert. Durchfahrtsberechtigt sollen nur noch Kraftfahrzeuge mit registrierten Kennzeichen sowie zwischen 23 Uhr und 11 Uhr der Lieferverkehr sein. Zudem sollen mehr Bäume als ursprünglich vorgesehen gepflanzt werden. Teilweise wird in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt Natursteinpflaster gelegt.

Ottensen: Pläne für Umbau mit Behörden, Polizei, Feuerwehr und Co. abgestimmt

„Vor dem Hintergrund der umfangreichen Stellungnahmen, zahlreicher Beiträge von Bürgerinnen und Bürgern in einer Dialogveranstaltung im August 2023 sowie eines Beschlusses der Bezirksversammlung Altona vom September 2023 wurden die Pläne überarbeitet und angepasst und jetzt als Teil der sogenannten 2. Verschickung veröffentlicht“, so Mike Schlink, Sprecher des Bezirksamtes Altona.

Die Ottenser Hauptstraße soll autoarm werden. Die Gehwege und Aufenthaltsräume an beiden Seiten werden deutlich verbreitert. Die Fahrbahn wird schmaler und nur nachts und morgens für Pkw- und Lieferverkehr freigegeben.
Die Ottenser Hauptstraße soll autoarm werden. Die Gehwege und Aufenthaltsräume an beiden Seiten werden deutlich verbreitert. Die Fahrbahn wird schmaler und nur nachts und morgens für Pkw- und Lieferverkehr freigegeben. © Michael Rauhe / Funke Foto Services | Michael Rauhe

„Auch bei der 2. Verschickung werden die angeschriebenen Akteure ihre Stellungnahmen zu den überarbeiteten Plänen abgeben.“ Die Stellungnahmen fließen dann gemeinsam mit den Anmerkungen der Bürgerinnen und Bürger und der Bezirkspolitik Altona in die Erarbeitung der voraussichtlich finalen Entwürfe ein. Diese werden in einer Schlussverschickung veröffentlicht. Zum Verständnis: In Hamburg ist eine Verschickung der übliche fachliche Abstimmungsprozess für Verkehrsplanungen. So werden die Pläne mit Behörden und Trägern öffentlicher Belange, darunter Polizei, Feuerwehr oder Leitungsträger für Gas, Wasser und Telekommunikation, abgestimmt.

„freiRaum Ottensen“: Motorisierte Fahrzeuge können Quartier nicht mehr queren

„Damit geht es dann erst richtig los“, so Schlink. „Die Straßenplanung ist nur ein Baustein im Projekt ,freiRaum Ottensen‘. Aufbauend auf der Straßenplanung werden die geschaffenen Freiräume mit einer dieser Planung nachgelagerten Freiraumgestaltung definiert.“ Im Umfeld der beiden Straßenzüge würden zahlreiche weitere Maßnahmen des Verkehrskonzeptes umgesetzt. „Außerdem wird ein übergreifendes Konzept für die Liefer- und Wirtschaftsverkehre im gesamten Projektgebiet erarbeitet.“

Ziel der künftigen Verkehrsführung im Quartier: Motorisierte Fahrzeuge sollen Ottensen nicht mehr durchqueren können, sie werden um den Stadtteil herumgeleitet. Fahrräder und Busse können dagegen weiterhin das Quartier queren.

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Am 2. April wird es eine öffentliche Anhörung zum Umbau Ottenser Hauptstraße / Bahrenfelder Straße geben. Von 19 Uhr an wird im Kollegiensaal im Rathaus Altona die 2. Verschickung zur Planung vorgestellt. Die Planung ist schon jetzt unter www.freiraumottensen.de einsehbar.

Ottensen: So viel soll die Umgestaltung des autoarmen Quartiers kosten

Die Kostenschätzung der ersten Verschickung beläuft sich bislang laut Bezirksamt Altona auf rund 1,6 Millionen Euro für die Ottenser Hauptstraße sowie 2,7 Millionen Euro für die Bahrenfelder Straße. „Diese werden sich im Detail noch einmal verändern und sind aktuell eher als Richtwert anzusehen“, so Schlink. Hinzu kämen rund eine Million Euro laut Kostenschätzung im Verkehrskonzept für die Maßnahmen im umliegenden Projektgebiet. „Das ergibt derzeit veranschlagte Gesamtkosten für das Projekt ,freiRaum Ottensen – Das autoarme Quartier‘ in Höhe von knapp 5,37 Millionen Euro.“

„freiRaum Ottensen – Das autoarme Quartier“ ist aus dem Pilotprojekt „Ottensen macht Platz“ entstanden, das zwischen September 2019 und Februar 2020 einige Straßen im Kern von Ottensen als verkehrsberuhigten Raum erprobt hatte.

Ottensen: Das autoarme Quartier hat bereits eine sehr lange Vorgeschichte

Das im Februar 2022 von der Bezirksversammlung Altona beschlossene Verkehrskonzept hatte sich aus insgesamt vier Varianten herauskristallisiert, die im Zuge des Projekts „freiRaum Ottensen – Das autoarme Quartier“ erarbeitet worden waren. Alle vier waren öffentlich präsentiert worden. Vor der endgültigen Entscheidung hatte es im Quartier noch eine groß angelegte Bürgerbeteiligung gegeben. Dabei waren die Bürgerinnen und Bürger zum Beispiel gefragt worden: Was sind ihre Bedarfe in einem autoarmen Ottensen? Oder: Wo sollen Freiräume entstehen?

Darüber hinaus gab es eine Befragung von Gewerbetreibenden. Außerdem hat im August 2021 der „freiRaum Ottensen“-Beirat seine Arbeit aufgenommen. Vertreten sind darin Anwohnerinnen und Anwohner aller Altersgruppen, lokale Gewerbetreibende, Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen und Initiativen. Auch die Bürgerinitiative „Ottenser gestalten“ ist darin mit einer Stimme vertreten. Der Beirat tagt bis zur Umsetzung des Projekts viermal im Jahr.