19.11.12

Bahnhof Altona

Schonfrist für fliegende Händler bis Ende des Jahres

Die Unterführung des S-Bahnhof Altona wird neu gestaltet. Wann die fliegenden Händler endgültig ihre Zelte abbrechen müssen, ist unklar.

Von Christina Lachnitt
Foto: Christina Lachnitt
Mitarbeiter Michael Jaindl sitzt in seinem Nachfülltinten-Shop in der Unterführung des Bahnhof Altona. Wann genau er den Laden räumen muss, weiß er nicht. Ende des Jahres läuft der Pachtvertrag aus.
Mitarbeiter Michael Jaindl sitzt in seinem Nachfülltinten-Shop in der Unterführung des Bahnhof Altona. Wann genau er den Laden räumen muss, weiß er nicht. Ende des Jahres läuft der Pachtvertrag aus.

Hamburg. Eigentlich sollten die Händler, die in der Fußgängerunterführung unter der Max-Brauer-Allee am Bahnhof Altona ihre Waren verkaufen, bereits im Herbst ihre Stände abgebaut haben. Doch noch stehen sie da und verkaufen Obst, Gemüse, Schmuck und Kleidung. Bis Ende des Jahres, so heißt es, dürfen die Händler mit ihrem "Markt im Tunnel" noch bleiben, dann laufen ihre Pachtverträge aus.

Denn der Tunnel soll modernisiert werden- das ist beschlossene Sache. Mitte vergangenen Jahres lobte das Bezirksamt einen Wettbewerb zur Umgestaltung des Tunnelgebiets aus. Hintergrund war die "schlechte Situation rund um die Unterführung", so eine Sprecherin des Bezirksamts. In der offiziellen Broschüre zum "Gutachterverfahrung Fußgängerunterführung Max-Brauer-Allee" heißt es unter anderem, man strebe eine Optimierung des beengten, besonders durch die Verkaufsstände beeinträchtigten Unterführungsbereichs an. Ausgewählt wurde der Entwurf der Landschaftsarchitekten arbos, der die Modernisierung sowohl des Tunnels als auch der daran anschließenden Treppen- und Rampenflächen vorsieht.

Was allerdings Ende des Jahres passiert, wenn die Pachtverträge der Händler auslaufen, wissen die Standbetreiber noch nicht. "Für mich ist die Schließung erst fix, wenn hier die Bagger anrollen", sagt Michael Jaindl, Mitarbeiter des Nachfülltinten-Shops Qräx. Das Geschäft befindet sich seit fast zehn Jahren in der Unterführung, wo es danach hin soll, ist ungewiss. "Es wurden von meinem Chef schon Ausweichflächen beantragt, die sich am Bruno-Tesch-Platz, ganz am Ende der Großen Bergstraße, befinden sollen", sagt Jaindl. Doch das Problem sei, dass dort weniger Passanten vorbeikämen, folglich auch der Umsatz sinke.

Wilfried Schmanns ist der Inhaber des Nachfülltinten-Shops und gleichzeitig Sprecher der Gewerbetreibenden des "Markt im Tunnel". Seiner Meinung nach wurden die Marktbetreiber bei der Planung komplett vergessen und ignoriert. Er richtete sich in mehreren Anträgen an diverse Planungsausschüsse und an die Bezirksversammlung Altona, damit für den Zeitraum des Umbaus des Tunnels eine Ausweichfläche im weiteren Umfeld des Tunnels im Wege der Sondernutzung gesucht und zur Verfügung gestellt werde. "Die Ausweichfläche am Bruno-Tesch-Platz, die uns für die Zeit des Umbaus angeboten wurde, ist als Marktstandort nicht ansatzweise so gut wie unser jetziger", sagt Schmanns. In einem Antrag an die Bezirksversammlung Altona plädierte er zudem für die Erhaltung der Stände- auch nach der Umbauphase: "Die eingeschworene Gemeinschaft der verschiedenen Händler ist ein Stück Altona, weil hier die unterschiedlichen Nationalitäten zusammen leben und arbeiten. Durch Fleiß und Beharrlichkeit ist aus dem "Markt im Tunnel" ein interessanter Mikrokosmos entstanden, der es verdient hat, beachtet zu werden". Angeblich sollen nach der Umbauphase drei Läden in der neuen Unterführung vermietet werden- doch welche Geschäfte dort hinein kommen und ob überhaupt eines der jetzigen Geschäfte dort einziehen kann, sei ungewiss. Dies werde in einer Ausschreibung durch den Betreiber Sprinkenhof AG vergeben werden.

Während der Nachfülltinten-Laden noch weitere Verkaufsstandorte in Hamburg besitzt, ist der "Markt im Tunnel" für viele Händler die einzige Verkaufsfläche. Auch Hafize Keskindir, Inhaberin von Socks Fashion, bangt um ihre Zukunft. Wo sie nach der Schließung ihre Waren verkaufen soll, weiß sie noch nicht. "Die Mieten in der Großen Bergstraße sind viel zu hoch für mich", sagt Keskindir. Aktuell zahle sie für ihren Stand 1000 Euro im Monat. Diesen Mietpreis in vergleichbarer Lage werde sie wohl nirgendwo anders finden, befürchtet sie.

Kerstin Godenschwege, Sprecherin des Bezirksamtes Altona, kann jedoch noch keinen genauen Termin für den Baubeginn bekannt geben. "Es ist geplant, im Frühjahr, bzw. Sommer 2013 mit den Bauarbeiten zu beginnen, so dass die Baumaßnahme Dezember 2013 bis Frühjahr 2014 beendet ist", so Godenschwege. Ziel sei es, bis zur Ikea-Eröffnung fertig zu sein. "Wir sind gerade in der Prüfung, ob der Vertrag mit den fliegenden Händlern entsprechend dem geplanten Baubeginn verlängert werden kann", sagte Godenschwege.

Bis Ende des Jahres haben die Pächter noch Schonfrist. Dennoch geben sie die Hoffnung nicht auf. "Wir werden bis zum Schluss hierbleiben. Erst wenn unsere Hütte hier abgerissen wird, dann wissen wir, dass es vorbei ist", sagt Michael Jaindl. Und auch Wilfried Schmanns will sich noch nicht geschlagen geben, denn der "Markt im Tunnel" sei für viele Händler Haupterwerbsquelle, an der teilweise die ganze Familie beteiligt sei.

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