Konzert-Tipp

"Drum The World" im Knust: Trommeln und hörbar mehr

„Drum The World“:  Christian von Richthofen und Obed Kafri

Foto: Grand Montagne

„Drum The World“: Christian von Richthofen und Obed Kafri

Musik verbindet, auch auf der Straße. Und dort, genauer am Jungfernstieg, haben Oded Kafri und Christian von Richthofen an einem der letzten schönen Septembertage auch getrommelt, was das Zeug hielt. Der recht spontane Auftritt in der Abendsonne war gewissermaßen das Warm-up für ihre neue Konzertshow Drum The World III. Zum dritten Mal bereits spielen der Schlagzeuger und Streetperformer Kafri sowie der Percussionist und Sänger von Richthofen an diesem Freitag im Knust.

Das ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert und war nicht absehbar, als sie sich 2014 erstmals trafen – ebenfalls auf der Straße, auf der Kirchenallee. "Warum trittst du nicht im Fernsehen auf?", fragte von Richthofen damals Obed Kafri, der vor dem Hauptbahnhof sein großes Schlagzeug aufgebaut hatte. Doch der Israeli blieb in Hamburg, feilte an seinem Projekt Drum The World und bat von Richthofen immer wieder um technische Hilfe – ohne lange Zeit zu wissen, dass er den Erfinder der populären Vocal-Percussion-Comedy-Show "AutoAuto!" neben sich hatte. In jener Sinfonie hatte von Richthofen seit dem Jahr 2000 mit Partnern wie Hamburgs herutigem Soul-Man Stefan Gwildis mehr als 1000-mal alte Autos endgültig schrottreif gespielt

Zwar gibt von Richthofen "Auto Auto" außerhalb der Hansestadt immer noch – jetzt mit dem virtuosen Latin-Jazz-Pianisten Bruno Böhmer Camacho –, der Hamburger Allround- und Klangkünstler widmet sich aber längst neuen Projekten: Nachdem der 60-Jährige im Vorjahr auf der Expo in Mailand als Verantwortlicher für das Showkonzept im deutschen Pavillon erfolgreich sein Hamburger Workshop-Projekt Meet The Beat mit Beatboxern und Geräuschemachern anreicherte, arbeitet er seit einigen Monaten verstärkt mit Obed Kafri zusammen.

In der Collage "Mix the City Hamburg", die jüngst beim Filmfest Hamburg einen Teil der hiesigen Musikszene zeigte, hat der israelische Videokünstler Kutiman auch Drum The World einige Passagen gewidmet. Interessant: Kafri hat seine Wurzeln eigentlich im Drum 'n' Bass und Techno und arbeitete schon öfter mit afrikanischen Trommlern zusammen. "Drum The World ist Odeds Projekt", wiegelt von Richthofen ab. Er kommt eigentlich vom Jazz, mag jedoch auch die brasilianische und die indische Musik.

Wenn Oded Kafri heute im Knust sein Schlagzeug aufbaut und von Richthofen wieder mal auf allem trommelt, was wie Schrott aussieht (Plastikfässer, Metalltonnen und mehr), ist das längst nicht alles: Kafri hat Playbacks mit Bass und Keyboards vorproduziert und singt die Eigenkompositionen auf Englisch ebenso live wie von Richthofen, der auch mit Loop-Station anrückt. "Wir spielen eine Mischung aus Hip-Hop, Drum 'n' Bass bis hin zu World Music", erläutert von Richthofen. Apropos Weltmusik: Dafür stehen der Senegalese Bouba Fall (mit Djembé) und der Österreicher Bernhrad Schimpelsberger, die Drum The World heute zeitweise zum Quartett wachsen lassen.

Mitreißend und für die Musiker bis an die Leistungsgrenze gehend ist die Mischung so oder so. Wer auch als Besucher trotz dieser Power-Jam ein Warm-up braucht: Die Musiker bieten vor ihrer Konzertshow noch einen einstündigen Workshop an.

Drum The World Fr 14.10., 21.15, Knust (U Feldstr.), Neuer Kamp 30, Karten zu 13,60 im Vvk, Ak. 15,-; Trommel-Workshop 19.00-20.00, Kosten 10,-; www.knusthamburg.de

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