Theater-Tipp

Molière mitten im Römischen Garten am Elbhang

Foto: Carmen Romantowski

Das Vorbild kommt mit dem Picknicktheater aus England, der Protagonist des Stücks mitsamt Künstlernamen aus Frankreich, die Atmosphäre aber hat etwas typisch Hamburgisches. Denn wo sonst lassen sich theatrale und gastronomische Genüsse, das unberechenbare hanseatische Hochsommerwetter und der Blick auf die Elbe so schön kombinieren wie im Amphitheater des Römischen Gartens in Blankenese?

Seit 2005 gastiert – nur unterbrochen von einer behördlich bedingten Zwangspause 2012 – das Theater N.N. alljährlich im Juli und August auf dem grünen Rasen. Von diesem Donnerstag an heißt es erneut "Molière, wach auf!" Nachdem das Schauspiel von Bettina Katalin dort 2014 seine erfolgreiche Uraufführung erlebt hatte, steht Dieter Seidels Inszenierung in leicht veränderter Besetzung auf dem Plan. Carsten Dworak als Molière und Marc Laade als Narr bereichern das Ensemble (Miltos Karanastassis, Miriam Hensel, Ariane de Melo). "Eine Umbesetzung bedeutet immer neues Spiel und neues Glück.", sagt Seidel, Leiter des Theaters N.N.

Das musste zwar vor gut zwei Jahren am Hellkamp in Eimsbüttel schließen, hat aber mit seinem Fundus und einer Probebühne in Pinneberg Unterschlupf gefunden. Und es braucht die frische Luft sowie Neugierige fürs Open-Air-Theater.

Im Verbund mit Dramaturg Hans-Peter Kurr hat Seidel die Geschichte über und von Molière zur Bühnen-, in diesem Fall Rasenreife gebracht. Die Komödie mit fiktiven biografischen Elementen erzählt vom Dichter, Regisseur, Schauspieler und Direktor einer Wanderbühne, Jean Baptiste Poquelin alias Molière, der im 17. Jahrhundert seine künstlerische Seele als unterhaltender Hofdichter an den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. verkauft hat. Der Tod kommt zu Molière, um ihn auf seiner letzten Wegstrecke zu begleiten. Zuvor aber soll der Tod vom Dichter und Theatermacher Molière noch lernen, wie man in den großen Momenten des Lebens agiert.

Nicht alles ist bei Molière glatt gelaufen, weder privat noch künstlerisch. Nachdem er sein Leben ausgehaucht hat, begegnet er dem Tod und ersucht ihn um eine kurze Rückkehr ins Leben. Der Gefürchtete erweist sich als ausgesprochen menschlich und obendrein als eingefleischter Molière-Fan.

Apropos: Bereits seine erste Inszenierung vor zehn Jahren im Römischen Garten widmete das Theater N.N. dem französischen Dichter. Danach folgten etwa Georg Büchners Lustspiel "Leonce und Lena" oder eine Inszenierung nach William Shakespeare: Beim "Sturm" war es zwar einigen Blankeneser Anwohnern zeitweise zu laut, aber die Wogen haben sich geglättet. Musikinstrumente sind inzwischen tabu, ein Picknickkorb, eine Decke und eine Taschenlampe für den Rückweg auch 2015 bei diesem ungewöhnlichen Hamburger Theatererlebnis fast schon obligatorisch. Zur Not auch ein Schirm.

"Molière, wach auf!" WA-Premiere Do 16.7., bis 6.8., jeweils Do, Fr, Sa + So 26.7., 19.30 Uhr, Römischer Garten, Falkensteiner Ufer 45 (Anreise hier), Karten zu 20 (Rondell) bis 25 Euro (Barockterrasse Tischen) unter T. 38 61 66 68

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