03.11.12

Schausteller

Wir Kinder vom Dom - Das Leben auf dem Jahrmarkt

Wie wohnt man, wo geht man zur Schule, was für Freunde hat man, wenn die Eltern Schausteller sind? Wir stellen drei reisende Teenager vor.

Von Jenny Bauer
Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius
Die Kinder vom Dom Melissa Petter, 11; Antonia Stey, 13; Geraldine Rasch, 14
Antonia (Mitte) lebt auf dem Dom: "Dort lerne ich viele Freunde kennen!" Zum Beispiel Melissa (l.) und Geraldine

Ben, Antonia und Tim haben es gut! Sie dürfen etwas, von dem viele Kinder träumen: Wenn in Hamburg Dom ist und noch nicht so viele Besucher da sind, können sie in den Fahrgeschäften so oft fahren, wie sie wollen. Und dafür müssen sie nicht mal bezahlen. Das liegt daran, dass die Eltern der drei selbst als Schausteller auf dem Volksfest arbeiten. Aber wie ist das überhaupt, wenn man mit dem Wohnwagen immer von einer Stadt zur nächsten zieht? Wie funktioniert das mit der Schule? Und kann man so überhaupt richtige Freunde fürs Leben finden?

"Ich habe sogar mehr Freunde als andere Kinder", sagt Antonia. Sie ist 13 Jahre alt und fährt mit ihren Eltern, die einen Poffertjes-Stand haben, von Fest zu Fest - auf jedem hat sie Freunde. Ein paar Mal ging die Reise sogar bis nach Mannheim. Die Stadt ist mehr als 600 Kilometer - also etwa sechs Stunden Autofahrt - von Antonias Heimatort entfernt. Der liegt in der Nähe von Kaltenkirchen in Schleswig-Holstein. Hier lebt Antonia von Dezember bis März, wenn die Familie nicht mit ihrem Poffertjes-Stand unterwegs ist. Antonia hat hier auch ihre Stammschule. So nennt man eine Schule, in der Kinder von Schaustellern angemeldet sind und von der sie ihre Zeugnisse bekommen. Die Lehrer geben Antonia ein Schultagebuch mit und schicken ihr die Aufgaben, die ihre Klassenkameraden gerade machen, zu. So verpasst sie nichts Wichtiges. Antonia ist trotz des Herumreisens gut in der Schule. Meistens hat sie Zweien und Dreien - manchmal eine Eins. Ihr Lieblingsfach ist Englisch. Während des Doms in Hamburg geht Antonia in die St.-Pauli-Schule. Hier erwarten die Mitschüler sie bereits. "Wenn ich irgendwo hinkomme, kenne ich die Leute meistens schon", sagt Antonia.

Viele der Klassenkameraden hier freuen sich, sie zu jedem Dom wiederzusehen. Das ist leider nicht überall so. "Es haben schon mal Kinder gesagt, sie wollen keine Schaustellerkinder in ihrer Klasse haben", sagt Antonia. Manchmal gibt es auch Kinder, die gleich fragen, wann sie Antonia denn mal auf dem Volksfest besuchen können. "Dann bin ich vorsichtig", sagt sie. "Vielleicht wollen die nur gratis Süßes essen." Ihre beste Freundin hat sie das noch nie gefragt. "Daran erkennt man echte Freunde", sagt Antonia. Ihre beste Freundin kennt sie aus ihrer Stammschule. Oft vermisst sie sie. Aber zum Glück gibt es Handys. Die beiden telefonieren viel. Antonia ist besonders gerne in einer großen Stadt wie Hamburg zu Gast, denn hier gibt es viel zu unternehmen. "Wir gehen dann in die Stadt zum Shoppen oder ins Kino oder in den Park", sagt sie. So wie viele andere Mädchen in ihrem Alter. Ganz anders ist hingegen Antonias Art zu wohnen. Sie hat einen eigenen, fast sieben Meter langen Wohnanhänger mit Toilette, Dusche und einer großen Musikanlage. Am liebsten hört sie R 'n' B. Wenn Antonia groß ist, will sie nicht Schaustellerin, sondern Immobilienmaklerin werden. "Als Schausteller ist es so schwierig, Geld zu verdienen", sagt sie. Außerdem will sie mal ein Haus haben. Das Leben unterwegs mit ihren Eltern findet Antonia trotzdem toll.

Nicht alle Dom-Kinder machen es wie Antonia und wechseln ständig die Schule. Viele bleiben bei Verwandten oder im Internat, während ihre Eltern unterwegs sind. Andere werden jeden Tag dorthin zur Schule gefahren, wo sie eigentlich auch wohnen. Egal, wie weit der Weg dann ist. Zum Beispiel Tim: Er ist zehn Jahre alt, und wenn seine Familie nicht gerade unterwegs ist, wohnt er in Hummelsbüttel, einem Stadtteil von Hamburg. Je nachdem wo gerade ein Fest ist, fährt ihn seine Mutter jeden Morgen bis zu 100 Kilometer zur Schule - und holt ihn nachmittags wieder ab. Tim wohnt mit seinen Eltern in einem Wohnwagen, der fast schon so groß wie eine kleine Wohnung ist. Deshalb hat er auch ein eigenes Zimmer, in dem er schlafen und spielen kann - am liebsten Lego.

Einen eigenen Wagen will er erst später haben. "So, wie es jetzt ist, ist es prima", sagt er. "Da kann ich, wenn ich Albträume habe, zu Mama gehen und muss nicht erst nach draußen ins Dunkle." Dabei ist Tim gar kein Angsthase. Er möchte später mal eine Geisterbahn betreiben. "Ich traue mich jetzt schon in jede rein", sagt er. "Das sind ja alles nur Plastikfiguren oder verkleidete Menschen." Als Dreijähriger hat Tim sich selbst schon mal als Gespenst maskiert und die Besucher einer Geisterbahn erschreckt. "Erschrecken macht Spaß."

Die Stimmung von Ben dagegen ist zurzeit nicht so gut. Seit diesem Sommer ist der Elfjährige auf einem Internat in Rohlstorf. "Aber das wird bestimmt noch besser", sagt er. "Außerdem fahre ich ja fast jedes Wochenende nach Hause." Mit zu Hause meinte Ben immer die Stadt, in der seine Eltern mit ihrer Spielbude gerade Station machen. Gemeinsam mit seinem sieben Jahre alten Bruder hat er einen eigenen Wohnwagen. "Das ist cool", sagt Ben. Nur im Moment sehe es etwas unordentlich aus. Das erste Mal Achter- und Wildwasserbahn ist Ben mit vier Jahren gefahren. "Das Leben auf dem Dom macht einfach Spaß", sagt er. Aber manchmal spielt er doch lieber mit seinem Bruder oder Freunden in seinem rollenden Kinderzimmer Lego oder mit der Spielkonsole. "Auf die Dauer kann Volksfest auch ganz schön langweilig sein."

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