Diskussions-Tipp

Das Gespräch mit Migranten suchen und finden

sabel Bogdan will zusammen mit Kristine Bilkau mit Zugezogenen ins Gespräch kommen

Foto: Roland Magunia

sabel Bogdan will zusammen mit Kristine Bilkau mit Zugezogenen ins Gespräch kommen

2015 in Berlin gegründet, hat die Initiative "Wir machen das" mittlerweile 1100 Unterstützer und Unterstützerinnen, viele von ­ihnen aus Kunst und Kultur. Zentralfigur der Initiative ist die Schriftstellerin Annika Reich, ihr geht es wie ihren Mitstreitern um das Ankommen von Migranten in der deutschen Gesellschaft.

Man wolle "der Herausforderung weltweiter Migration mit Menschlichkeit und Sachverstand zu begegnen", heißt es auf der Internetseite der Unternehmung. Sachverstand heißt in dem Zusammenhang, als Einmischer den Zugezogenen praktisch zu helfen, ob bei Behördengängen, bei der Sprachvermittlung oder der Rechts­beratung – der Bereich also, der der deutschen Zivilgesellschaft in der jüngsten Vergangenheit durchaus zur Ehre gereicht hat.

Weil das Aktionsbündnis vor allem aber auch ein Sprachrohr für alle sein will, die mit den Neuankömmlingen ­gedeihlich zusammenleben wollen in einer neuen, offenen Gesellschaft, geht es um das Gespräch miteinander. Weshalb sich die Hamburger Schriftstellerinnen Isabel Bogdan ("Der Pfau") und Kristine Bilkau ("Die Glücklichen") nun im Büchereck Niendorf Nord mit einem nach Deutschland gekommenen Syrer und drei nach Deutschland gekommenen afghanischen Jugendlichen austauchen wollen.

Getreu dem Motto "Wir reden nicht über Flüchtlinge, sondern mit ihnen" sind Buchläden in ganz Deutschland aufgrund der Initiative von "Wir machen das" derzeit dabei, zu Orten zu werden, an denen sich Menschen voneinander erzählen: die von hier und die von woanders.

Dass dieses Aufeinandertreffen unterschiedlicher Geschichten, Lebensumstände, Erwartungen und Hoffnungen nicht immer einfach ist, ist durch die lange Historie der Immigration in westliche Länder belegt. Auf einfache Weise äußert es sich an Abenden wie diesem: Für die Gastgeberinnen Bilkau und Bogdan sowie die Einwanderer sind die anwesenden Übersetzer Julia Nikschick und Marc Röhlig unerlässlich. Was ein Beweis für die sicherlich richtige, aber irgendwie abgenudelte Feststellung ist, dass Sprachkenntnisse für Integration unerlässlich sind, sein kann. Vor allem aber einfach bedeutet, dass nicht alle Menschen eine Sprache sprechen – was ja wiederum andererseits den Reichtum der Menschheit bezeugt.

Wie geht es den Menschen, die zu uns fliehen? Welche Hintergründe und Sehnsüchte haben sie, welche Erfahrungen machen sie mit dem Ankommen und dem Leben in unserer Nachbarschaft? Das wollen Bogdan und Bilkau im Gespräch herausfinden.

Der Abend ist eine gemeinsame Veranstaltung von der Lesesaalbuchhandlung und von Büchereck Niendorf-Nord.

Wir machen das – Begegnungsort Buchhandlung Mi 22.6., 19 Uhr, Büchereck Niendorf Nord, Nordalbinger Weg 15, Eintritt frei

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