12.11.12

Marmelade Es geht ans Eingemachte

Von Christoph Rind
Genuss

Foto: pa/Arco Images G/Arco Images GmbH

Süßer Schwindel: Wie aus Industrie-Konfitüre ein Geschenk mit ganz persönlicher Note wird

Einem verlockenden Schwindel aus Werbegründen begegnen wir in jedem Supermarktregal. Was bedeuten eigentlich "beste und erlesene Zutaten", angepriesen auf Etiketten optisch edler Marmeladengläser? Oder das Versprechen "höchste Qualität"? Der "kleine Luxus im Alltag"? Das vernichtende Urteil der Lebensmittelwächter der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch: "Luxuriös sind vor allem die Preise." So entpuppte sich die angebliche "Königin der Erdbeere" als Standardsorte. Mit ähnlich vernichtenden Wertungen füllt Foodwatch etliche Internetseiten unter dem Stichwort "Legale Täuschung". Denn strafbar sind solche Mogelpackungen nicht. Da war das Mittelalter erbarmungsloser. Weinpanscher mussten damals mancherorts mit der Todesstrafe rechnen. Dennoch war unseren Vorfahren klar: Eine Welt ohne Winkelzüge gibt es nicht. "Die Welt will betrogen werden", diese Erkenntnis aus der Satire "Das Narrenschiff" des Sebastian Brant (1457-1521) machte in seiner lateinischen Übersetzung ("Mundus vult decipi") vor Jahrhunderten mit solchem Erfolg europaweit die Runde, dass die Ergänzung "... also wird sie betrogen" sprichworttauglich hinzugedichtet wurde.

In diese Tradition reiht sich die Aufforderung einer schwedischen Möbelkette ein, die in ihrem aktuellen Sonderprospekt zum winter- wie weihnachtlichen Festzauber zu einem Schwindel-Geschenk animiert. "Wer sagt, dass selbst gemachte Marmelade selbst gemacht sein muss?", heißt es dort scheinheilig. Dann die Schlussfolgerung: "Einfach eine von fünf leckeren Konfitüren" aus dem eigenen "Schwedenshop in ein Einmachglas füllen, handbeschriebenes Etikett drauf, hübsches Bändchen drum, fertig".

Bleibt nur offen, was man auf dieses Etikett dann kritzelt. Vielleicht: "Aus industrieller Produktion eigenhändig umgefüllt"? Alles zuckersüß legal. Aber ein bisschen geschmacklos.