Di, 26.03.13, 13.41

Reha im Rentenalter 22. März 2013 | test 4/2013 Zu neuen Ufern

Spezielle Rehas können vielen Senioren nützen: Nur: Kaum einer kennt sie.

Ältere Menschen können in Deutschland zwei Formen von Reha nutzen. Die klassische Form, im Fachjargon "indikationsspezifische Reha", nimmt ein spezielles Gesundheitsproblem ins Visier. Sie findet zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, Schlaganfall, Knochenbruch oder einer Gelenkoperation statt und ist in Deutschland der Regelfall.

Die zweite Form, die "geriatrische Reha", zielt dagegen auf Menschen ab etwa 70 Jahren mit mehreren altersbedingten Beschwerden und Einschränkungen. Zusätzlich zur Versorgung konkreter Gesundheitsprobleme werden Patienten umfassend betreut, geschult, trainiert, auch Angehörige einbezogen und Hilfen für die Zeit nach der Entlassung organisiert. All diese Maßnahmen dienen einem wichtigen Ziel: das alltägliche Leben selbstständig meistern, am liebsten zuhause und mit möglichst wenig Pflege. Geriatrische Reha ist also für viele Ältere eine Riesenchance. Aber längst nicht jeder kommt in den Genuss.

Problem Nummer eins: Kaum einer kennt die geriatrische Reha. Dabei gibt es seit 2007 einen Rechtsanspruch darauf. Problem Nummer zwei: Die Versorgungsform ist in manchen Bundesländern wenig oder gar nicht verbreitet. Problem Nummer drei: Sie ist relativ teuer. Entsprechend lehnen die Krankenkassen immer wieder Anträge ab oder lenken Versicherte in die günstigere indikationsspezifische Reha um. Problem Nummer vier: Leider vermitteln auch Ärzte Patienten in die klassische Reha – ganz unabhängig von Alter und Vorerkrankungen.

Wie die Stiftung Warentest in der Zeitschrift test berichtet, braucht es für eine geriatrische Reha oft Eigeninitiative und langen Atem. Viele alte Menschen überfordert das. Es kommt auf engagierte Angehörige an.

Tipp: Chronische altersbedingte Einschränkungen und Beschwerden können als Begründung reichen – ohne akuten Anlass. Bitten Sie Experten um ihre Einschätzung – ambulant etwa Hausärzte, niedergelassene Geriater oder Pflegestufen-Begutachter, in der Klinik Stationsärzte oder den Sozialdienst. Im Antrag an die Krankenkasse sollte "geriatrische Reha" stehen, genau wie alle altersbedingten Beschwerden. Wenn die Kasse mauert, hilft vielleicht ein Anruf beim Sachbearbeiter. Sonst können Sie formal Widerspruch einlegen. Suchen Sie spätestens dann Unterstützung. Die gewählte Reha-Einrichtung sollte im Antrag stehen.

Patienten dürfen die Einrichtung zur geriatrischen Reha frei wählen. Sie sollte möglichst nah am Wohnort liegen. Zudem gilt der Grundsatz: "Ambulant vor stationär". Das klappt aber nicht immer. Die Versorgung ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. In manchen gibt es kaum oder keine Einrichtungen für geriatrische Reha. Dort ist dann aber oft eine "geriatrische Behandlung" möglich. Sie umfasst vor allem die akute medizinische Versorgung, aber auch Reha-Maßnahmen. Oft findet sie in Tageskliniken von Akutkrankenhäusern statt. Patienten brauchen dafür keinen Reha-Antrag, sondern eine ärztliche Überweisung.

Tipp: Eine Liste mit allen Einrichtungen für geriatrische Reha und Behandlung steht im Internet unter www.test.de/reha.