Serie: Die Jobsuche (Teil 3) - Sein Ziel finden

Ziehen Sie die Lust-Frust-Bilanz

Nur wer weiß, wofür er "brennt", findet auch seinen Platz in der Berufswelt - Anerkennung, Erfolg und Spaß inklusive.

Wo will ich eigentlich hin? Diese Frage stellen sich viele, die nicht einfach nur in den nächsten, erstbesten Job reinrutschen möchten. Aber wie entdeckt man, was eigentlich das eigene Ziel ist?

"Man sollte etwas finden, wofür man brennt", sagt Personalberaterin Kathrin Paul aus Hamburg. "Denn wenn man Spaß an seiner Aufgabe hat, kommt auch der Erfolg von alleine." Von der Befriedigung ganz zu schweigen. Also blickt man erst einmal auf seine bisherigen Arbeitsstellen zurück und stellt eine ehrliche Lust-Frust-Bilanz auf, rät Paul. "Schriftlich! Wenn man sich solche Überlegungen nur durch den Kopf gehen lässt, bleiben sie oft zu schwammig." Im Rahmen der Bilanz solle man sich fragen, was einem bislang Freude bereitet hat und was einen gelangweilt oder aus irgendeinem Grund abgestoßen hat. Emotionen, die man mit seinem Job verbindet, nimmt Kathrin Paul sehr wichtig: "Schließlich verbringt man die meiste Zeit seines Tages bei der Arbeit." Mithilfe der Lust-Frust-Bilanz wird deutlich, von welchen Aufgaben oder Anforderungen man im zukünftigen Job gern mehr hätte. Sie hilft einzugrenzen, welche Stellenanzeigen überhaupt infrage kommen - und später im Jobinterview, das Gespräch auf die Themen zu bringen, die für die Entscheidung pro oder kontra dieses Jobs entscheidend sind.

Bewerbungscoach Jörg Bretschneider aus Uelzen empfiehlt, die Zielfindung immer mit professioneller Unterstützung anzugehen. "Sonst fehlt die Übersicht." Schon die eigenen Stärken herauszufinden, werde ohne Fremdeinschätzung schwierig. Man müsse immer mehrere Leute befragen, um "ein Bild, möglichst nah an der Realität" zu erhalten. Wer dennoch auf eigene Faust den Weg zum nächsten Job antreten will (oder muss), dem rät der Trainer, zumindest das Buch "Durchstarten zum Traumjob" von Richard Nelson Bolles (Campus Verlag 2007) zur Hand zu nehmen.

Bolles geht davon aus, dass die berufliche Neuorientierung die Antwort auf folgende drei Fragen ist: 1. Was? Das heißt: Welche Ihrer Fähigkeiten setzen Sie am liebsten ein? 2. Wo? Meint: Wo würden Sie diese Fähigkeiten am liebsten einsetzen? Welche Wünsche haben Sie bezüglich der Arbeitsbedingungen, Kollegen, Produkte, mit denen Sie zu tun haben? 3. Wie? Das fragt danach, wie Sie die Jobs finden, bei denen Sie Ihre Lieblingsfähigkeiten und -kenntnisse einsetzen können. Fragen Sie andere Menschen, recherchieren Sie in Firmenverzeichnissen, Zeitungen und im Internet, welche Arbeitgeber Jobs nach Ihrem Gusto anbieten und mit wem Sie dort in Kontakt treten müssen, um an so einen Job zu kommen. Soweit Bolles.

Aber was halten die norddeutschen Experten eigentlich von einem Branchenwechsel? "Querbewegungen sind üblich", sagt Jörg Bretschneider. Und auch nicht so schwierig, wenn man über "transferfähige Stärken" verfüge. Dazu gehörten: Kommunikations- und Teamfähigkeit, stark im Analysieren zu sein und vor allem über eine Grundhaltung zu verfügen, sich neues Wissen aneignen zu wollen.

Personalberaterin Kathrin Paul spricht sich allerdings gegen einen Branchenwechsel aus: "Das ist unklug. In seiner eigenen Branche hat man immer einen Heimvorteil." Einen roten Faden zu verfolgen, zeuge außerdem von Geradlinigkeit. Anpassungen könne man natürlich dennoch vornehmen: "Bankkaufleute zum Beispiel, die über Bilanzen oder Unternehmensstrukturen Bescheid wissen, sind auch in Industrie-Unternehmen gefragt." Aber: "Ich würde niemandem empfehlen, sich auf eine Stelle zu bewerben, von der er nicht mindestens 80 Prozent erfüllen kann", sagt Kathrin Paul. "Viele Bewerber sagen: Ich bin doch lernfähig! Aber das reicht nicht, sondern es wirkt vielmehr nach einer willkürlichen Bewerbung."

Auf der Suche nach Alternativen für seine bisherige Tätigkeit, kann man auch mal über eine Selbstständigkeit nachdenken. Wer viel Pioniergeist habe und vor allem ein gutes Konzept, für das auch Bedarf bestehe, für den komme dieser Weg durchaus infrage, sagt Beraterin Paul. "Aber als letzte Lösung, weil sonst nichts klappt, ist es definitiv der falsche Weg", warnt sie.

Übrigens: Wer Probleme mit der Berufsplanung oder der Jobsuche hat, sollte sich auch trauen, gesetzte Ziele noch einmal zu überdenken. "Wenn es aussichtslos ist, dann hilft auch die Hundertste Bewerbung nicht weiter", sagt der Psychologe Martin Tomasik von der Uni Jena. "Denn wenn meine beruflichen Ziele illusorisch sind, ernte ich nur noch mehr Misserfolge, je mehr ich mich engagiere." Dann sei ein Perspektivwechsel nötig, betont er. In der derzeitigen Krise hält der Psychologe es für wenig realistisch, nur dem einen Wunschberuf hinterher zu jagen.

Lesen Sie am nächsten Wochenende: Teil 4 - Jobsuche über Stellenanzeigen