Berlin. Deutschland ist eines der wirtschaftsstärksten und auch reichsten Länder der Welt. Und trotzdem sind hierzulande mehr als eine Viertelmillion Menschen wohnungslos. Oft ist die Not nicht sichtbar. Wer von Couch zu Couch wandert bei Freunden oder Verwandten, weil er oder sie die eigene Wohnung verloren hat, fällt kaum auf. Und um die Plätze, an denen Obdachlosigkeit in ihrem ganzen Elend sichtbar ist, machen die meisten lieber einen großen Bogen.
Bundespolitisch fristete das Thema lange Zeit nur ein Nischendasein. Das Signal, das Bundesbauministerin Klara Geywitz nun setzte, indem sie ihre erste Auslandsreise als Ministerin nach Finnland antrat, ist daher umso wichtiger: Obdachlosigkeit lässt sich nicht lösen, indem man wegschaut. Man muss sich dem Problem annehmen.
Obdachlosigkeit: Bundesregierung wird ihr Ziel wohl verfehlen
Gleichwohl wird die Bundesregierung sehr wahrscheinlich mit ihrem Ziel, die Obdachlosigkeit bis 2030 zu überwinden, scheitern. Finnland zeigt: Es braucht Jahrzehnte der Kontinuität beim sozialen Wohnungsbau und bei der Förderung von Maßnahmen gegen Obdachlosigkeit.
Deutschland hinkt dagegen hinterher, das Problem droht sich mit Blick auf die einbrechenden Neubauzahlen zu verschärfen. Manch einer, der sich angesichts horrender Nebenkosten oder der jüngsten Mietsteigerung fragt, wie er das eigentlich alles bezahlen soll, hat womöglich wenig Verständnis dafür, dass die Bauministerin nun Obdachlosigkeit in den Vordergrund stellt, während alle gesteckten Ziele um sie herum zusammenbrechen.
Aber: Es wird immer Probleme geben, die vielen in ihrer aktuellen Lebenslage relevanter als die Obdachlosigkeit erscheinen. Das vergrößert das Problem. Man sollte sich daran erinnern: Wohnen ist ein Menschenrecht.
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