Benzinpreise

Tanktourismus: Wo in Europa der Sprit günstiger ist

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Miguel Sanches
So will die Bundesregierung Bürgerinnen und Bürger entlasten

So will die Bundesregierung Bürgerinnen und Bürger entlasten

Zur Abfederung der immens gestiegenen Energiekosten hat die Ampel-Koalition ein zweites Maßnahmenpaket in Milliardenhöhe für die Bürgerinnen und Bürger geschnürt: So sind unter anderem eine Energiepreispauschale von 300 Euro, ein reduzierter Spritpreis, Hilfen für Familien sowie günstige Tickets für den Nahverkehr vorgesehen.

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Mit dem Ukraine-Krieg stiegen die Spritpreise. Nicht nur Frankreich senkt die Steuern auf Benzin und Diesel. Tanktourismus lohnt sich.

Berlin/Wiesbaden. Die Spritpreise an den Tankstellen sind europaweit hoch. Und: Fast überall günstiger als in Deutschland. Kommt Tanktourismus wieder in Mode? Wo der Sprit am günstigsten ist, zeigen neue Daten aus ganz Europa.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, zahlten Autofahrerinnen und -fahrer am 4. April 2022 hierzulande im Tagesdurchschnitt 2,06 Euro für einen Liter Super E5 oder Diesel. Ein Blick auf die Nachbarschaft zeigt: Teurer war Benzin nur in den Niederlanden und Dänemark.

Sprittourismus: Benzin in Polen 60 Cent billiger

In Polen kostete E5 an dem Tag 1,42 Euro und Diesel 1,61 Euro, in Österreich respektive 1,72 und 1,84 Euro, in Luxemburg 1,73 und 1,76 Euro, in Tschechien 1,81 und 1,93 Euro, in Belgien 1,81 und 2,02 Euro, in Frankreich 1,83 und 1,89 Euro. Diesel ist durchweg teurer als Benzin.

Signifikant ist vor allem der Unterschied in Polen, mehr als 60 Cent beim Benzin. Einmal voll tanken – zumindest im grenznahen Raum lohnt es sich. Für viel weniger fahren die Leute nach Frankreich, im Elsass boomt der Tanktourismus. Ein Abstecher zum Einkaufen oder Restaurant hat in der Region ohnehin Tradition. Eine niedrigere Tankrechnung nimmt man nebenbei gern mit.

Benzinpreis: In Frankreich politisch verbilligt

Wegen des Ukraine-Krieges zogen die Preise auch in Frankreich an. Wie auch andere europäische Regierungen beschloss man in Paris – für schätzungsweise drei Milliarden Euro – Benzin und Diesel vier Monate lang zu subventionieren. Das nimmt man auf der deutschen Seite der Grenze in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder im Saarland dankbar an.

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Im Norden sind die Preise höher, beispielsweise in Dänemark, Schweden oder Finnland. Den günstigsten Diesel in der EU gibt es auf Malta mit 1,21 Euro pro Liter. Wer zu Ostern mit dem Auto oder Wohnmobil in den Süden fährt, kommt überall günstiger weg: Ein Liter E5 kostet in Italien 1,79 Euro, genauso viel der Diesel. In Kroatien bezahlt man für Benzin 1,68 Euro und Diesel 1,88 Euro, in Ungarn respektive 1,30 und 1,42 Euro.

Die insgesamt hohen Preise sind eine Folge des Krieges, genauer gesagt: der Sanktionen gegen Russland, einer der weltgrößten Erdölförderer. Vielleicht sind sie aber noch mehr das Ergebnis von Krisenangst und Spekulation.

Benzinpreise: Krieg an deutschen Zapfsäulen besonders bemerkbar

Diese Stimmung verdeckt den originären Preismechanismus von Angebot und Nachfrage. Gerade erst hat die Internationale Energieagentur (IEA) 120 Millionen Barrel an Rohölreserven freigegeben, um die Folgen des Krieges von Russland gegen die Ukraine an den Märkten zu mildern.

In Asien gingen die Ölpreise am Montag mit deutlichen Abschlägen in die Handelswoche. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zunächst 100,41 US-Dollar, 2,37 Dollar weniger als am Freitag. Die Preise geben allmählich nach, aber ihr Niveau ist immer noch deutlich höher als zu Jahresbeginn.

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Insgesamt macht sich der Ukraine-Krieg an den deutschen Zapfsäulen stärker bemerkbar als in den meisten anderen EU-Ländern, wie auch aus wöchentlich veröffentlichten Daten der EU-Kommission hervorgeht. So war Diesel in Deutschland am 4. April im Schnitt 39,5 Cent teurer als vor Ausbruch des Ukraine-Krieges Ende Februar.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf abendblatt.de.

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