Kultläden

Wo es in Hamburg Whisky für mehrere Tausend Euro gibt

Bei Uwe Lühmann und Sohn Jens an der Lübecker Straße finden Kunden eine große Auswahl an Spirituosen und andere Alkoholika.

Bei Uwe Lühmann und Sohn Jens an der Lübecker Straße finden Kunden eine große Auswahl an Spirituosen und andere Alkoholika.

Foto: Michael Rauhe

Die Weinquelle Lühmann ist Hamburgs Nummer eins im Spirituosenhandel. Zugeben würde das der hanseatisch-zurückhaltende Chef nie.

Hamburg.  Rum aus Guatemala, von Trinidad und Jamaika, Whisky aus Kleinstbrennereien auf abgelegenen schottischen Inseln, aus Taiwan, Dänemark oder Bayern, Gin aus England, Kümmel aus Hamburg – und Wein und Sekt aus so gut wie allen Ländern, in denen sie in Flaschen gefüllt werden. In dem kleinen Geschäft an der Ecke Lübecker Straße/Wartenau lässt sich an den Regalen entlang eine Weltreise unternehmen. Eine Reise in die Welt der Spirituosen sowie anderen alkoholischen Getränken und zugleich eine Fantasiereise in die Herkunftsländer der Brände, Liköre und Weine, die da aufgereiht stehen.

Gerade einmal 80 Quadratmeter misst der Laden, aber in der Weinquelle Lühmann reichen die Regale bis unter die Decke und jeder Quadratmeter wird genutzt. Doch erst wenn die Lühmanns – Vater und Inhaber Uwe, Tochter und Filialchefin Katrin, Sohn und Onlinehandelsexperte Jens – zum Rundgang durch die 400 Quadratmeter Lagerfläche auf drei Etagen bitten, wird klar: So viele Alkoholika auf so wenig Raum finden sich nirgendwo sonst in Hamburg. „Gut 7000 Sorten, 3000 im Laden, weitere 4000 im Lager“, nennt Uwe Lühmann die nüchternen Zahlen.

Dass die Weinquelle das Fachgeschäft mit dem umfangreichsten Spirituosen-Sortiment in der Stadt ist, würde der 62-Jährige von sich aus nicht behaupten. Er ist da hanseatisch-zurückhaltend. Aber Lühmann widerspricht nicht der Einschätzung, dass er die Nummer eins ist in Hamburg. Vor Spirituosen Wolf an der Schanzenstraße.

Geschichte begann am 1. April 1919

Das alles begann am 1. April 1919 gleich um die Ecke in der Güntherstraße in Hohenfelde, als Lühmanns Großeltern dort einen Kolonialwarenladen eröffneten. „Sie führten auch ein bisschen Wein und Spirituosen“, weiß der Enkel. Mitte der 1950er-Jahre verlegten seine Eltern das Geschäft in einen größeren Laden an den heutigen Standort, konzentrierten sich mehr und mehr auf Weine und führten bald ein kleines Fachhandelsimperium mit Filialen am Schlump, an der Hermannstraße in der Innenstadt und in Poppenbüttel. Bis ein Investor mit großen Plänen die Hamburger Fachhändler Ende der 1970er-Jahre binnen kurzer Zeit aufkaufte. „Nur vom Herz der Firma haben sich meine Eltern damals nicht getrennt“, sagt Lühmann.

Der Laden wurde zur Keimzelle und zum Aushängeschild eines Familienunternehmens mit heute 20 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz im „höheren einstelligen Millionenbereich“. Hinter der fast betulich wirkenden Ladenfassade steht eine Firma, die stationärer wie auch Onlinehändler ist – und in beiden Segmenten, die jeweils etwa die Hälfte des Umsatzes beisteuern, auf der Höhe der Zeit. Im Laden geleiten Fachverkäufer unentschlossene Kunden durch das Angebot, das längst von Hochprozentern dominiert wird: 1800 Whiskys, mehr als 850 Sorten Rum, 400 Gins. Außerdem 800 Weine und um die 150 Schaumweine. Es gibt einen Weinquelle-Club, dessen Mitglieder Rabatt bekommen, zweimal monatlich einen Newsletter, Tastingabende und Hausmessen.

Firmenzentrale ist in Siek

Die allerdings finden in der Firmenzentrale in Siek (Kreis Stormarn) statt. Dort hat das Unternehmen seit 2014 seinen Sitz, das Hauptlager und ebenfalls Verkaufsräume. Pläne für eine Millioneninvestition nahe dem Stammhaus an der Lübecker Straße hätten sich zuvor nach jahrelangen Verhandlungen mit der Stadt zerschlagen, sagt Uwe Lühmann. „In Schleswig-Holstein ging es dann ganz schnell.“

Spirituosen bis 60 Euro pro Flasche und Weine für 5 bis 15 Euro sind das Brot-und-Butter-Geschäft. Liebhaber, Kenner und Sammler, die bedenkenlos einen drei- oder vierstelligen Eurobetrag für einen besonderen Tropfen zahlen, sind aber keine Seltenheit im Tagesgeschäft. „Neulich war ein Schwede da, der eine Flasche Cognac für 1500 Euro mitgenommen hat. Eine für 1400 gleich auch noch“, sagt Junior Jens. Und wenn Delegationen ausländischer Airlines auf Finkenwerder einen neuen Airbus übernehmen, schießt bei Lühmann der Tagesumsatz bisweilen schnell und deutlich in die Höhe.

Das hat einen einfachen Grund: Spirituosen sind in Deutschland im internationalen Vergleich noch durchaus günstig. Auch wegen der wachsenden Online-Konkurrenz. „Durch Anbieter wie Amazon dreht sich die Preisschraube immer weiter nach unten“, sagt Uwe Lühmann. Das Familienunternehmen muss da trotz der höheren Kosten für Personal und Ladengeschäft mithalten – und gegenhalten.

Deutsche entdecken mittlerweile den Rum

„Wir versuchen, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein und Sorten anzubieten, die es woanders gar nicht gibt“, sagt Jens Lühmann. Das Zauberwort lautet: Exklusivität. Der meistverkaufte Schaumwein ist ein Cremant, den Supermärkte nicht führen, Zum 100-jährigen Bestehen gönnte das Unternehmen sich und seinen Kunden eine Sonderabfüllung („exklusively for Weinquelle Lühmann“) aus der Whisky-Destillerie Kilchoman von der schottischen Insel Islay. Nur 232 Flaschen. Preis pro Stück: immerhin 109 Euro. Echte Fans schreckt das nicht.

Wobei: Mit dem Whisky ist es so eine Sache. Viele Hersteller haben in jüngster Zeit die Preise kräftig angehoben. „Der Absatz wächst nicht mehr, er geht in die Breite. Jahr für Jahr kommen mehr neue Abfüllungen auf den Markt“, sagt Uwe Lühmann. Beim Gin, der Mode-Spirituose der vergangenen Jahre, gibt es eine ganz ähnliche Entwicklung. Stattdessen entdecken die Deutschen jetzt den Rum. Das belegen die jüngsten Marktdaten. Demnach stagniert der Spirituosenverbrauch in Deutschland seit geraumer Zeit bei knapp 5,5 Litern pro Kopf und Jahr, der Marktanteil des Zuckerrohr-Schnapses aus der Karibik aber wächst.

Bedeutende Veränderungen

„Beim Rum ist das Preisniveau auch noch nicht so abgehoben.“ Auf den Trend haben die Lühmanns beim jüngsten Ladenumbau reagiert. Direkt hinter dem Verkaufstresen stehen jetzt die Rumflaschen. Das ist ganz nach dem Geschmack der Lühmänner. Was wäre das, wenn sie nur eine einzige Flasche mitnehmen dürften auf eine einsame Insel? „Ein kräftiger Jamaika-Rum“, sagt Uwe Lühmann. Sohn Jens entscheidet nach dem Preis-/Leistungs-Verhältnis: „Den zwölf Jahre alten El Dorado-Rum aus Guyana.“ Der kostet im Laden keine 30 Euro.

Nach den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen im April, zeichnen sich noch für das Jubiläumsjahr bedeutende Veränderungen ab. Das Sortiment gewinnt weiter an Exklusivität „In einigen Monaten wird es die ersten Produkte unserer künftigen Eigenmarke Weinquelle Lühmann geben“, kündigt Junior Jens an. Erst mal Spirituosen, die Details sind allerdings noch Betriebsgeheimnis. Klar ist hingegen: Uwe Lühmann zieht sich nach fast drei Jahrzehnten auf dem Chefsessel zurück. Er übergibt das Familienunternehmen Ende des Jahres an die vierte Generation.