Sewigs Tierwelt

Lothars Weibchen ist gerade einmal halb so alt wie er

Foto: Götz Berlik

Von Leopard Lothar werden einige Rekorde erwartet. In der Weibchenwahl wünscht man ihm mehr Erfolg als seinem Namensvetter "Loddar" Matthäus.

Hamburg. Der Neuzugang ist noch ein wenig schüchtern. Dabei setzt Hagenbeck alles auf den neuen Star aus Polen. Lothar heißt er, und wenn der Name Programm ist, dann werden einige Rekorde von ihm erwartet. Nur in der Weibchenwahl wünscht man ihm in Hamburg mehr Erfolg als seinem Namensvetter "Loddar" Matthäus - auch wenn die ihm zugedachte Schöne gerade einmal halb so alt ist wie er. Aber das soll nichts heißen. Bei Leoparden.

Nun aber Schluss mit diesem Vergleich. Obwohl, wo wir gerade dabei sind: Hübscher als sein Verwandter Zakumi ist Lothar allemal. Sie wissen schon, das Maskottchen der WM in Südafrika - der afrikanische Leopard mit den grünen Haaren. Da spielt Hagenbecks Lothar doch wirklich in einer anderen Liga.

"Lothar ist ein großes Tier, höher und länger als unser alter Leoparden-Mann", sagt Volker Friedrich. Seit zweieinhalb Monaten betreut der Revierleiter den neuen Kater aus Lodz, der mit Hagenbecks Leopardendame Basja für Nachwuchs sorgen soll. Bei der Ankunft Lothars Mitte März hatte sich der Tierpfleger allerdings erschrocken: "Ich habe noch nie einen so dünnen Chinesischen Leoparden gesehen!", sagt Friedrich und schüttelt den Kopf. Doch mittlerweile habe Lothar gut zugenommen: "Er frisst gut. Vielleicht gefällt ihm die Abwechslung: Während er in Polen nur Kaninchen bekam, gibt es bei uns im Wechsel Rindfleisch mit Knochen, Kaninchen, Hühner oder auch mal Pferd", so der Tierpfleger.

Der Kater, der in zwei Wochen zwölf Jahre alt wird, ist für den Hamburger Tierpark ein Glücksfall, erklärt Friedrich: "Chinesische Leoparden sind vom Aussterben bedroht. Und Lothar stammt aus einer Blutlinie, die noch nicht in der Nachzucht vorhanden ist, was ausgesprochen gut ist." In Zoos unterliegen Nordchinesische Leoparden dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, und Hagenbecks Tierarzt Dr. Michael Flügger ist der Zuchtbuchkoordinator für die Chinesischen Leoparden. Er fädelte so den Tausch von Lothar gegen den gleichaltrigen Aaron ein, das vorherige Männchen in Hamburg.

Beide Kater könnten ihre Gene jetzt mit neuen Weibchen mischen. Ein neuer Wurf kleiner Leoparden würde in Hamburg auch über den traurigen Verlust der letzten Leopardenbabys hinweghelfen. Im Juni 2009, nur drei Wochen nach der Taufe durch "Tagesschau"-Sprecherin Judith Rakers, waren Zhang Jie und Zhongni gestorben. Eine Fehlbesiedlung der Därme beider Katzen mit Bakterienstämmen, die dort normalerweise nicht oder nur in minimalen Zahlen vorkommen, war wahrscheinlich die Todesursache. Die drei Jungtiere, die Vater Aaron mit Mutter Basja (6, in Hamburg geboren und von Kultursenatorin Karin von Welck getauft) vor diesem Wurf hatte, wurden alle gesund groß.

Chinesische Leoparden, eine Unterart des Leoparden, sind im zentralen und nördlichen China beheimatet. Sie bewohnen vom Flachland bis in alpine Regionen recht karge und trockene Lebensräume. Die großen Katzen erreichen eine Körperlänge von bis zu 150 Zentimetern (plus 50 bis 60 Zentimeter Schwanzlänge), eine Schulterhöhe von bis zu 80 Zentimetern sowie ein Gewicht von 50 bis 80 Kilo. In den nördlichen Verbreitungsgebieten ist das ocker- bis goldgelbfarbene und mit schwarz-braunen, rosettenförmigen Mustern versehene Fell allgemein etwas länger und dichter. Was den Chinesischen Leoparden und die nördlichen Unterarten des Leoparden von den südlichen Unterarten unterscheidet: Sie bilden keine Schwärzlinge aus, die umgangssprachlich auch "schwarze Panther" genannt werden.

Natürliche Feinde haben die Tiere, die vorzugsweise nachts aktiv und tagsüber auf Bäumen zu finden sind, kaum. Allein durch die starke Bejagung durch den Menschen, der es auf das Fell abgesehen hat, sind Chinesische Leoparden akut bedroht. Nach Schätzungen leben in Freiheit nur noch rund 2500 Exemplare.

In Hamburg liegt die Hoffnung jetzt also auf Lothar. "Am Anfang war er noch recht ängstlich, vom Transport und durch die neuen Gerüche hier. Ich habe fast drei Wochen gebraucht, bis er abends von alleine ins Haus kam", erzählt Friedrich. Bei der Zusammenführung mit Basja habe die Katze ihm auch ordentlich die Krallen gezeigt. Doch mittlerweile hätten sich die Einzelgänger, die in freier Wildbahn nur zur Paarung zusammenkommen, gut im großen Gehege arrangiert und würden sogar nebeneinander ruhen. "Und er wird kecker", sagt Friedrich. Das klingt so, als ob er sich darüber freut. Dann mal ran, Lothar!

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