Berlin. Wie wurde die Corona-Pandemie ausgelöst? Das ist eine der drängendsten Fragen, die Forscher in den letzten zwei Jahren zu klären versuchen. Am naheliegendsten bleibt die These, dass das Virus von einem Tier auf den Menschen übertragen wurde.
Eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war in einem Bericht zur Herkunft des Coronavirus' zu dem Schluss gekommen, die Theorie, das Virus könne mit einem Labor-Vorfall zu tun haben und sei somit künstlichen Ursprungs, sei „extrem unwahrscheinlich“.
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Pandemie: Auch Coronavirus ist wahrscheinlich von Tier auf Menschen übertragen worden
Tatsächlich handelt es sich bei einem großen Teil der bekannten Viruserkrankungen um sogenannte Zoonosen. Die Viren gelangen entweder von Wildtieren oder über Nutztiere zum Menschen. Nicht nur das neuartige Coronavirus Sars-Cov-2 hat es so höchstwahrscheinlich in den menschlichen Organismus geschafft – sondern auch das frühere Sars-Virus und das Ebola-Virus.
Forscher warnen nun: Derartige Krankheitsübertragungen könnten in Zukunft noch viel häufiger stattfinden. Denn durch die globale Erwärmung werden viele Tierarten in neue Lebensräume vordringen – beispielsweise, weil ihr ursprüngliches Habitat, sei es der Regenwald oder eine Flusslandschaft, nicht mehr bewohnbar sein wird.
Forscher warnen: Risiko für Zoonosen wird sich durch Klimakrise stark erhöhen
In einer aktuellen Studie, die im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde, haben Wissenschaftler der Georgetown University in Washington in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungseinrichtungen simuliert, wie sich die Verbreitungsgebiete von über 3139 Tierarten durch den Klimawandel verändern werden. Die Ergebnisse sind erwartbar – aber dennoch erschreckend.
Durch die von der globalen Erwärmung provozierte Umsiedlung der Säugetierarten wird sich das Risiko für neue artenübergreifende Virusübertragungen bis 2070 um das 4000-fache erhöhen. Der Klimawandel lässt die Gefahr für neue Pandemien und resistente Krankheitserreger also binnen weniger Jahrzehnte radikal wachsen.
Angesichts dieser Projektion wurde auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf die Studie aufmerksam. „Ein besserer Schutz vor Pandemien ist dringend notwendig“, twitterte der Epidemiologe.
Neue Pandemie durch Klimawandel: Bestimmte Regionen besonders betroffen
Zwar schätzen die Forscher, dass besonders die Gegenden betroffen sein werden, in denen viele Menschen auf kleinem Raum leben, wo also die Bevölkerungsdichte hoch ist. Dies trifft vor allem auf den afrikanischen Kontinent und den Südosten Asiens zu.
Denn in diesen Teilen der Welt gibt es nicht nur eine große Artenvielfalt – sondern oft auch Regionen mit verschiedenen klimatischen Bedingungen auf kleiner Fläche. Trotzdem vermuten die Forscher, dass jede Region der Welt theoretisch von dieser Nebenwirkung des Klimawandels betroffen sein dürfte.
Zoonosen: Fledermäuse werden bei Entwicklung große Rolle spielen
Denn gefährlich wird dem Menschen insbesondere eine Tierart, die mehr oder weniger in den meisten Ländern vorkommt: Nach Angaben der Forscher dürften vor allem Fledermäuse sorgen, dass sich die Viren der Tiere verbreiten.
„Fledermäuse machen in jedem Klimaszenario fast 90 Prozent der Erstbegegnungen aus“, heißt es in der Studie. Die Wissenschaftler erklären, dass ihre Flugfähigkeit „eine wichtige und bisher nicht berücksichtigte Verbindung zwischen klimabedingten Verschiebungen des Habitats und künftigen Virenübertragungen“ sein könnte.
Entstehung neuer Krankheiten: Klimaschutz kann Prozess wohl nicht mehr aufhalten
Tatsächlich wird auch beim Coronavirus vermutet, dass das Virus von einer Fledermaus auf den Menschen übertragen wurde. Die Forscher fordern daher, dass ein Beobachtungssystem für Virenübertragung auf den Weg gebracht wird.
Aufhalten lässt sich der Prozess aber selbst mit besseren Klimaschutzmaßnahmen nicht: „Eine Erwärmung von weniger als zwei Grad Celsius innerhalb dieses Jahrhunderts wird die künftige Verbreitung von Viren nicht verringern.“ (bml)
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Dieser Artikel ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.
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