Inzestprozess

Willmersbacher Inzest-Fall: Opfer ist glaubwürdig

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Brigitte Caspary

Foto: dpa

Das Opfer Renate B. hat ihr langes Martyrium dem Gericht bereits persönlich geschildert. Jetzt hat die Bewährungshelferin des Opfers ausgesagt.

Nürnberg/Willmersbach. Im Prozess um den jahrzehntelangen Inzest im fränkischen Willmersbach hat am Freitag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth die Bewährungshelferin des Opfers ausgesagt. Sie berichtete, wie ihr die heute 46-jährige Renate B. ihre häuslichen Verhältnisse schilderte und sich Anfang März 2011 zur Anzeige gegen ihren Vater Adolf B. durchrang. Dieser muss sich seit Ende November vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, seine Tochter seit mehr als 34 Jahren regelmäßig vergewaltigt zu haben. Renate B. bekam drei behinderte Söhne von ihm, zwei davon starben früh.

Die Bewährungshelferin sagte, sie sei Renate B. Ende 2009 zur Seite gestellt worden, nachdem diese für die schwere räuberische Erpressung der Ehefrau eines Arztes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Renate B. hatte den Arzt für den Tod ihres jüngsten Sohnes verantwortlich gemacht und Schmerzensgeld gefordert.

Erstmals besucht habe sie Renate B. im Januar 2010 in Willmersbach. Bei dem Gespräch seien ihre Eltern und einer ihrer vier Brüder dabei gewesen. „Alle haben mich angestarrt und zugehört, was ich mit ihr besprochen habe“, schilderte sie. Spätere Treffen hätten daher in ihrem Büro stattgefunden, meist im Abstand von einem Monat.

+++ Tochter schildert Martyrium im Willmersbacher Inzest-Fall +++

Die 46-Jährige habe der Bewährungshelferin über häusliche Gewaltdurch ihren trinkenden Vater berichtet, der alle in der Familie geschlagen habe. Sie habe auch über gesundheitliche Probleme geklagt, vor allem im Unterleib. „Sie hat auf mich total verhärmt gewirkt“, beschrieb die 52-Jährige. „Man hat ihr angesehen, dass sie ein sehr schweres Leben hinter sich hat.“ Trotzdem habe Renate B. aber nicht ausziehen wollen, um für ihre Mutter da zu sein.

Dies habe sich Ende 2010 geändert. Damals habe Renate B. von ihren Eltern erfahren, dass sie das gemeinsame Wohnhaus anders als bisher ausgemacht nicht alleine erben würde, sondern mit ihren Brüdern teilen müsse. „Sie war darüber enttäuscht und fühlte sich ausgenutzt und verarscht“, sagte die 52-Jährige. Im Februar 2011 habe sie ihr dann unvermittelt offenbart, dass sie von ihrem Vater „seit langem“ sexuell missbraucht werde und Kinder von ihm habe, aber aus Angst vor ihm nichts unternommen habe. „Ich habe ihr das auf jeden Fall geglaubt“, sagte die 52-Jährige. Bei ihrer Aussage habe Renate B. gezittert.

Am 4. März zog Renate B. - begleitet von zwei Polizeistreifen - aus Willmersbach aus, wenig später erstattete sie Anzeige. Ihr Vater sitzt seither in Untersuchungshaft. Er hatte zum Prozessauftakt Sex mit seiner Tochter zugegeben, aber von stets einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gesprochen. Ein Urteil wird für den 19. Dezember erwartet.