Nordwestlich von Moskau stürzte ein Jet ab. An Bord war ein Eishockeyteam, zu dem auch der deutsche Nationalspieler Dietrich gehört.

Moskau. Das deutsche Eishockey trauert um Nationalspieler Robert Dietrich. Der Leistungsträger der Nationalmannschaft ist am späten Mittwochmittag als einer von mehr als 40 Menschen bei einem Flugzeugabsturz in Russland im Alter von nur 25 Jahren gestorben. Das bestätigte das Zivilschutzministerium in Moskau. "Das ist eine tiefe Tragödie für das gesamte deutsche Eishockey“, sagte Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), nachdem er über den Tod des 38-maligen Nationalspielers informiert worden war.

Der gesamte Kader von Dietrichs Team Lokomotive Jaroslawl soll ebenfalls an Bord gewesen sein. Stundenlang hatte der DEB nach Bekanntwerden der Flugzeug-Tragödie am versucht, über die Familie Dietrichs an Informationen zu kommen. Reindl stand in engem Kontakt zu den Angehörigen des im kasachischen Ordschonikidse geborenen Spielers. "Wir konnten dann nur noch unser tiefes Mitgefühl aussprechen“, sagte Reindl. "Es tut weh, Robert zu verlieren“, ergänzte Reindl bei Sport1. Ex-Bundestrainer Uwe Krupp sagte dem TV-Sender: "Ich finde dafür einfach keine Worte. Meine Gedanken sind bei seiner Familie.

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Bei der Jak-42 handelte es sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Interfax um eine seit 1993 genutzte Maschine der Leasing-Gesellschaft „Jak Service“. Die Fluglizenz dieser Maschine, die für Promiflüge mit maximal 73 Passagieren ausgelegt war, wäre in wenigen Wochen – am 1. Oktober – abgelaufen, hieß es. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen die Firma ein.

+++ Eishockey-Klub von Robert Dietrich mit Flugzeug abgestürzt +++

Das Flugzeug sei in zwei Stücke gebrochen und teilweise in die Wolga gestürzt, hieß es. Das Eröffnungsspiel der Kontinentalen Eishockey-Liga (KHL) zwischen Ufa und Mytischtschi wurde abgebrochen. Fans von Lokomotive Jaroslawl legten an der Geschäftsstelle Blumen nieder.

Außenminister Guido Westerwelle reagierte bestürzt auf das tödliche Flugzeugunglück in Russland. Der Minister spreche der russischen Regierung sein Beileid aus, hieß es am Mittwoch aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Präsident Dmitri Medwedew kündigte bereits zuvor an, alte, noch aus Sowjetzeiten stammende Flugzeuge von Beginn des kommenden Jahres an aus dem Verkehr zu ziehen. Die Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge vom Typ Jak-42 sind seit 1980 im Einsatz, und Dutzende dieser Maschinen sind noch vor allem für russische Fluglinien unterwegs.

Im Juni stürzte in der Stadt Petrosawodsk ein Flugzeug vom Typ Tupolew TU-134 ab . Dabei kamen 47 Menschen ums Leben. Dieser Absturz wurde auf einen Pilotenfehler zurückgeführt.

Robert Dietrich - ein Nachruf von Jörg Mebus

Robert Dietrich war kein Freund großer Worte. Der Eishockey-Profi wirkte mit seiner zurückhaltenden, introvertierten Art in seiner ruppigen Sportart mitunter seltsam deplatziert. „Robert war ein ausgezeichneter und ein ganz feinfühliger Profi“, sagte DEB-Sportdirektor Franz Reindl und rang wie alle Vertreter des deutschen Eishockeys am Mittwoch um Fassung.

Erst im Juni war der 25-Jährige in die russische Eliteklasse Kontinental Hockey League (KHL) gewechselt, um sich dort mit den Besten zu messen. Weltstars wie Sergej Fedorow oder Dominik Hasek spielen mittlerweile dort, einige Experten halten die KHL für die beste Liga nach der nordamerikanischen Profiliga NHL. Die Adler Mannheim, wo er bis zum Sommer aktiv war, genügten Robert Dietrich nicht mehr. Seinen bis 2013 gültigen Vertrag löste er auf. Im zweiten Versuch wollte er den Durchbruch in einer ganz großen Liga schaffen. Der erste, bei den Nashville Predators in der NHL, war fehlgeschlagen.

Die Aussichten standen gut, auch weil er sich in seiner neuen sportlichen Heimat perfekt verständigen konnte. Robert Dietrich ist im kasachischen Ordschonikidse geboren, seinen größten Auftritt im Trikot einer Nationalmannschaft hatte er aber in Deutschland - und für Deutschland. Er absolvierte bei der Weltmeisterschaft 2010 in Gelsenkirchen, Köln und Mannheim neun Spiele für die Gastgeber.

„Robert hat sich in Jaroslawl sehr wohlgefühlt. Er war den Sommer über in Düsseldorf. Wir haben uns ab und zu auf der DEG-Geschäftsstelle noch gesehen“, sagte Teamleiter Walter Köberle von der Düsseldorfer EG, bei der Dietrich zwischen 2006 und 2008 gespielt hatte, der Rheinischen Post. Wenige Stunden vor dem Absturz hatte der Ex-Nationalspieler noch mit Köberle telefoniert: „Er hat mir gesagt, dass er gleich losfliegen würde. Das ist brutal und unglaublich.“

Dietrich hatte die Jugendabteilungen bei seinem Heimatverein ESV Kaufbeuren durchlaufen, im Allgäu stand er im Alter von fünf Jahren erstmals mit einem Schläger auf dem Eis. Sein Talent blieb nicht lange verborgen, 2002 wechselte er zu den Junioren der Adler Mannheim. Über die Stationen EC Peiting, ETC Crimmitschau und Straubing Tigers landete er 2006 in Düsseldorf, wo ihm unter Trainer Don Jackson der Durchbruch gelang. Er zeigte derart beeindruckende Leistungen, dass auch die Scouts aus der nordamerikanischen Profiliga NHL auf ihn aufmerksam wurden.

2008 wechselte Dietrich nach Nashville, schaffte dort aber nicht den Sprung in die erste Mannschaft, sondern nur ins Farmteam - zu wenig für den ehrgeizigen Verteidiger. Im Sommer 2010 kehrte Dietrich deshalb nach Deutschland zurück und wurde Leistungsträger in Mannheim. In 48 Spielen sammelte er 20 Punkte (3 Tore, 17 Vorlagen). Wahrscheinlich waren die Adler für ihn von Beginn an nur eine Durchgangsstation. Das Russland-Abenteuer war noch einmal ein Versuch, ganz groß rauszukommen. Er endete tragisch.