Zugunglück bei Hordorf

Fahrtenschreiber ausgewertet: Zugführer fuhr in erster Lok

Der Verdacht, dass der Lokführer des Güterzuges die Haltesignale auf der eingleisigen Strecke ignoriert hat, bestätigte sich.

Magdeburg. Nach dem Zugunglück bei Hordorf vor wenigen Wochen sind nach Angaben des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) die Fahrtenschreiber und Diagnosegeräte grob ausgewertet worden. Bisherigen Erkenntnissen zufolge habe sich der Lokführer des Güterzuges zum Zeitpunkt der Katastrophe auf der ersten Lok befunden, sagte ein Behördensprecher der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Donnerstag). Das EBA wies damit Spekulationen zurück, wonach sich der Lokführer auf der zweiten Lok befunden und möglicherweise deswegen zwei Haltesignale übersehen habe.

EBA-Sprecher Moritz Huckebrink betonte aber gleichzeitig, dass die Untersuchungen noch nicht endgültig abgeschlossen seien. Nach den ersten Ermittlungen hatte der Lokführer des Güterzuges die Haltesignale auf der eingleisigen Strecke ignoriert und dadurch die Katastrophe ausgelöst. Dieser Verdacht habe sich nun bestätigt, sagte Huckebrink der Zeitung. Gegen den Mann hatte die Staatsanwaltschaft Magdeburg bereits Ermittlungen eingeleitet - unter anderem wegen des Verdachtes der fahrlässigen Tötung

Beim Zusammenstoß des Güterzuges mit einem Personenzug waren am 29. Januar in der Nähe des Bahnhofes Hordorf in der Magdeburger Börde ein Güterzug und ein Zug des Privatunternehmens Harz-Elbe-Express frontal zusammengestoßen. Zehn Menschen starben, 23 wurden teils schwer verletzt .

Unterdessen will die Deutsche Bahn AG die Strecke bei Hordorf schnellstmöglich mit einem automatischen Bremssystem ausstatten, mit dem derartige Unfälle womöglich zu vermeiden wären. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) sagte Radio Brocken: “Sobald das Wetter mitspielt und die Baumaterialien da sind, geht es los.“ Er hatte sich am Vortag mit Bahnchef Rüdiger Grube getroffen. Die Bahn hatte kurz nach dem Unglück erklärt, die Bauarbeiten seien ohnehin schon geplant gewesen und hätten im März beginnen sollen. Bis zum Jahresende soll das zusätzliche Sicherungssystem in Betrieb gehen.