Hoch "Cooper"

Sibirische "Eistage" lassen Mitteleuropa bibbern

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Kalt, kälter, "Cooper" - die Kälte aus Sibirien hält Deutschland und Europa im Griff. Die "Eistage" reichen, um die Schifffahrt auf der Oder zu stoppen.

Offenbach. Mit eisiger Luft aus Sibirien kühlt das Hoch „Cooper“ Deutschland auf Gefrierschrank-Niveau herunter. Von Ost nach West kriecht die Kälte über das ganze Land. Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erwarten bis zum Wochenende „Eistage“ - auch tagsüber bleiben die Temperaturen dann unter null Grad. Dazu weht ein kräftiger Ostwind, der die Kältewirkung verstärkt. Nennenswerte Schneefälle gibt es nicht, höchstens im Nordosten oder am Alpenrand können ein paar Flocken fallen.

„Der Höhepunkt der Kältewelle wird vermutlich am Freitag erreicht“, sagte DWD-Meteorologe Thomas Ruppert am Montag. Dann beginnt der Tag auf den Höhen des Bayerischen Waldes und im Erzgebirge mit Werten um minus 20 Grad - bei klarem Himmel und über Schnee kann es noch kälter werden. Bis dahin sinken die Temperaturen stetig. Am Mittwoch herrscht dann überall Dauerfrost zwischen minus 1 und minus 11 Grad. Erst am Wochenende lässt die Kälte etwas nach. „Von einem Rekord ist das noch weit entfernt“, sagte Meteorologe Ruppert.

Dennoch stoppt die Eiseskälte Schiffe auf der Oder: Die Westoder und die Oder entlang der Grenze zu Polen werden von Dienstag (31. Januar) an für die Schifffahrt gesperrt. Das sagte eine Sprecherin des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde am Montag. Die Westoder ist zugefroren, auf der Oder treiben Schollen. Auch die obere Oder-Havel-Wasserstraße ist in großen Teilen gesperrt worden.

„Wir haben es mit einem Winter der Extreme zu tun, erst Mittelmeerflair mit wochenlangen frostfreien Nächten und jetzt der abrupte Wechsel zu arktischen Verhältnissen“, sagte der Meteorologe Jurik Müller vom DWD in Leipzig. „Eine derartige Wetterkonstellation kommt bei uns alle 20 bis 30 Jahre vor, letztmalig 1986 und 1956.“

Landwirte in Niedersachsen bangen wegen des harten und trockenen Frosts um ihr Wintergetreide . „Wenn es noch kälter wird, aber nicht der nötige Schnee fällt, kann das zum Problem werden“, sagte Werner Bosse vom Landesbauernverband. Die milden Temperaturen der vergangenen Wochen hätten das Wachstum von Winterroggen und Wintergerste, aber auch beim Winterraps weit vorangetrieben. „Friert es ohne Schneeabdeckung und weht dazu starker Wind, drohen die Pflanzen zu vertrocknen“, erklärte Bosse.

Sogenannte Kaltfröste ohne ausreichende Feuchtigkeit machten einigen Kollegen Angst, sagte der Experte des niedersächsischen Landvolks: „Das kann ein großes Risiko sein.“ Derzeit gebe es aber noch keine konkrete Gefahr. In Hamburg und Umgebung interessiert derzeit die Frage, ob die Alster in der Mitte der Stadt zufriert. Dann könnte ein großes Fest auf dem Eis stattfinden. „Es ist zu früh, auch nur daran zu denken“, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde. Das sei höchstens nach zwei Wochen andauernden Frosts möglich.

Das gläserne Kamelienhaus im Park von Schloss Pillnitz in Dresden wurde wegen der Kälte voraussichtlich bis zum 6. Februar geschlossen, teilte die Parkverwaltung mit. Damit kann die in diesem Jahr ungewöhnlich frühe Blütenpracht der mehr als 230 Jahre alten Pflanze nur von Außen bewundert werden.

Freude bereitet die Kälte den Berliner Kürschnern. Sie freuen sich über steigende Umsätze. Die Kälte mache sich in den Geschäften sofort positiv bemerkbar: „Es ist, als wenn ein Schalter umgelegt wird“, sagte Innungs-Obermeister Peter Hoppe.

Die eisigen Temperaturen sorgten aber auch in Polen für die bisher kältesten Tage des Winters. Am Wochenende erfroren mindestens zehn Menschen. Allein in der Nacht zu Montag kamen bei eisigen Minusgraden fünf Menschen ums Leben, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums am Montag mit. Im Dorf Stuposiany, gelegen im südostpolnischen Bieszczady-Gebirge, betrug die Temperatur am Morgen minus 27 Grad. In mehreren Städten des Landes waren angesichts der angekündigten Kältewelle bereits am Wochenende zusätzliche Übernachtungsplätze für Obdachlose eingerichtet worden.

Bulgarien hat angesichts der Kälte fast im ganzen Land die zweithöchste Warnstufe orange ausgerufen. Am kältesten war es mit 24 Grad unter null in der Stadt Tschirpan, berichtete das Staatsradio am Montag. Für die mittelbulgarische Stadt sei dies ein neuer Kälterekord - der alte bestand seit 1933. Straßen und Bürgersteige wurden vielerorts zu Rutschbahnen. Dutzende Menschen mussten mit Bein- oder Armbrüchen zum Arzt.

In Lettland starben drei Menschen an Erfrierungen, berichteten lokale Medien am Montag. In Litauen erfror ein weiteres Kälteopfer. Nach Angaben der meteorologischen Institute sind in Estland, Lettland und Litauen Anfang Februar stellenweise Tiefstwerte unter minus 30 Grad in der Nacht möglich.

Starke Schneefälle und eisige Temperaturen haben auch in Serbien drei Menschen das Leben gekostet. Die Behörden erklärten, in der Mitte des Landes sei eine Frau in einem Schneesturm erfroren, ein älterer Mann sei tot im Schnee vor seinem Haus gefunden worden. Der 81-Jähriger starb in seinem Haus in derselben Region. Weiter südlich wurde nach zwei Männern gesucht, die beide über 70 Jahre alt waren. Die Behörden haben ältere Menschen aufgefordert, angesichts von Temperaturen von minus 20 Grad in einigen Landesteilen ihre Häuser nicht zu verlassen. Der Schneefall führte außerdem zu Verkehrsproblemen und Stromausfällen. Starker Wind behinderte die Räumarbeiten.

Ausläufer der Kältewelle haben auch auf Spanien übergriffen. Auf der Ferieninsel Mallorca schneite es im Bergland der Sierra de Tramuntana zum ersten Mal in diesem Jahr. Auf dem Festland herrschte in weiten Teilen Nord- und Mittelspaniens Nachtfrost.

Der Kälterekord im Messnetz des Deutschen Wetterdienstes ist unterdessen aber noch in weiter Ferne. Er liegt bei minus 37,8 Grad, gemessen am 12. Februar 1929 im bayerischen Wolnzach-Hüll nördlich von München.

Österreich wartet unter blauem Himmel auf die Kältewelle

In Österreich herrschte trotz der heranrückenden Kältewelle zum Wochenbeginn noch weitgehend Normalität. Zwar verzeichnete der Autofahrerclub ÖAMTC am Wochenende ein „Einsatzhoch“ und musste allein in Wien 1740 Mal ausrücken. In mehr als 90 Prozent der Fälle kamen die Pannenhelfer den Fahrern wegen Batterieproblemen zu Hilfe, hieß es am Montag in einer Mitteilung. Für die erwartete Kälte werde die Einsatztruppe weiter aufgestockt.

Allerdings starb ein 72-jähriger Mann, als er am Montagmorgen 20 Kilometer westlich von Wien mit seinem Auto in einen Bach rutschte und bei dem Versuch, sich zu befreien, von der Strömung erfasst wurde. Er konnte sich noch aus dem Wasser retten, erfror aber am Ufer.

In der Wiener Innenstadt genossen viele Menschen den sonnigen Montag. Am Naschmarkt saßen mittags zahlreiche junge Touristen mit Sonnenbrillen draußen - häufig unter Heizstrahlern. Im Lauf der Woche soll es wie in ganz Mitteleuropa eisig werden.

Italiens Nordwesten unter dicker Schneedecke - Schulen geschlossen

Nach starken Schneefällen liegt der Nordwesten Italiens unter einer dicken weißen Decke. Weil auch in der piemontesischen Metropole Turin knapp 20 Zentimeter Schnee gefallen sind und Gefahr durch Eisglätte drohte, blieben die Turiner Schulen am Montag geschlossen, wie Medien berichteten. Kinder bauten stattdessen auf den Plätzen der Stadt Schneemänner. Zeitweise ohne Strom waren am Wochenende etwa 9000 Menschen vor allem in Alessandria und Asti. Hunderte Techniker waren im Einsatz, um die Schäden - vor allem Leitungsbrüche durch das Gewicht des Schnees - zu beheben. Die Meteorologen erwarteten, dass sich die Wetterfront im Laufe des Tages nach Süden verlagert und dann von Dienstag an sibirische Kälte folgt.