Tränen bei "Germany's Next Topmodel"

Die bittere Enttäuschung der Heidi Klum

| Lesedauer: 4 Minuten
Kathrin Fichtel

"Enttäuscht" ist das neue Lieblingswort von Castingfee und Modelmama Heidi Klum. Mundwinkel runter, Augenbraue hoch - in der neusten Folge von "Germany's Next Topmodel" wirkt Klum so, als hätte sie langsam genug gecastet. Zum Heulen! Nur eine konnte gestern glänzen: Gold-Marie. Bilder von Heidi Klum und Topmodels.

"Heute kommt ihr alle unter die Haube", verspricht Heidi Klum zu Anfang der Sendung, die mit einem Flug von Los Angeles nach Las Vegas beginnt. Grundsätzlich ein Grund zur Freude, denn (O-Ton Klum) dort "ist es total lustig, die Leute heiraten und man kann ganz viele Sachen machen".

Die "Topmodel"-Anwärterinnen aber enttäuschen ihre Jurorin beim Shooting im Hochzeitskleid auf ganzer Linie. Sichtlich genervter als in den früheren Staffeln kommentiert Klum die Anstrengungen ihrer Küken. "Bei Sara bin ich extrem enttäuscht, die war total steif", sagt die Vorzeige-Blondine schmallippig in die Kamera. Oder auch zu Dana: "Ich bin gerührt, das sind die besten Emotionen des Tages - nein, ich lüge!" Eine andere Variante: "Die stand da und das war's - da war ich schon enttäuscht."

Auch beim selbstorganisierten Live-Walk in einem Einkaufszentrum in Las Veges kommen Dieter-Bohlen-Züge bei den Juroren durch. Fast harmlos klingt Heidis "Larissa ist gelaufen wie ein Dressurpferd". Sarina hingegen sah laut Jury aus, als käme sie direkt vom Kühemelken und Rolf ließ sich zu der scharfsinnigen Beobachtung hinreißen, man sei doch nicht in Oberammergau im Skiurlaub. Wie richtig. Stattdessen ging es flugs wieder ins Pro-Sieben-Studio zur fieberhaft herbeigesehnten "Entscheidung". Mit süß-saurer Miene berichtet Heidi, soviele Tränen hätte sie schon lange nicht mehr erlebt. Tatsächlich: Sara würde am liebsten ihren Kopf abreißen und wegschmeißen, weil Heidi sie "Wackeldackel" genannt hat. Tamara weint über den biestigen Kommentar, sie sei unheimlich hübsch - "aber auch unheimlich langweilig". In schwindelnder Höhe auf einer Aussichtsplattform durfte auch die coole Maria ein paar Tränchen verdrücken, weil sie unter Höhenangst leidet - der Schulterschluss mit Rolf gab ihr dann aber die Kraft, auch eine Karusselfahrt hoch über der Stadt durchzustehen.

Die "perfekte" Marie im besten Licht

Nur einem von Heidis Küken gelingt es, die Sendung tränen- und kritiklos zu überstehen: Gold-Marie, die sich im Gegensatz zu vielen blassen Pech-Mädchen wie gewohnt im besten Licht präsentierte. "Super" war sie beim Shooting im Hochzeitskleid, "auf dem Niveau eines internationalen Topmodels" bei der Modenschau im Einkaufszentrum und eine "blendende Figur" macht sie auch auf dem Laufsteg der Entscheidung.

Das erweckt Missgunst bei den anderen, die die Kritik der Jury schlucken müssen. Marie hebe ab, findet Jessica. Und "Marie ist das typische brave Mädchen", kommentiert Ich-nehme-kein-Blatt-vor-den-Mund-Larissa. "Die ist perfekt, die hat keine Fehler." Ein Kompliment ist das wohl nicht. Ihr Foto kassiert Marie trotzdem vor allen anderen.

Zu ihrem eigenen Erstaunen kommt auch die 16-jährige Sarina weiter, der Rolf die Empfehlung mitgibt, "jetzt mal erwachsen zu werden". Sie gelobt Besserung, mault, sie könne das nicht von einem Tag auf den anderen und stellt fest: "Ich bin doch noch ein Kind!" Einzelkämpferin Larissa, ebenfalls 16, hat einen Trost für sie: "Das wird mit dem Alter...". Für ihre altkluge Art ernet die Österreicherin von ihren Konkurrentinnen das Prädikat "dahergelaufener Mensch" und beschließt, sich allein bis zum Finale durchzukämpfen.

Dana mit den lustigen Grübchen ist die Einzige der Protagonistinnen, die nun nicht mehr vor der Jury in Tränen ausbrechen darf. "Ich will nicht gehen...", schnieft die Berlinerin nach ihrem Rauswurf mit Heidis obligatorischem "Ich habe heute kein Foto für dich". Drei Sekunden später hat sie sich eine sinnvolle Alternative zum "Topmodel"-Dasein ausgedacht: "Dann fange ich halt an zu studieren!"