Achte Folge von "Germanys Next Topmodel"

"Topmodels": Mobbing wäre untertrieben

| Lesedauer: 8 Minuten
Kathrin Fichtel und Nina Schröder

Was sich mittlerweile unter den Sprösslingen von Model-Mutti Heidi Klum abspielt, dürfte die Anfeindungsattacken der vergangenen Wochen und sogar der vorigen Staffeln übertreffen. Neun gegen eine, so lautet inzwischen das Motto unter den Nachwuchsmodels. Abendblatt.de bewertet die Kandidatinnen in der Einzelkritik. Bilder von der Mutter aller Modelzöglinge, Heidi Klum. Bilder von Ex-Kandidatin Tessa in der "FHM".

Für die Mädchen ist das gegenseitige Zerfleischen der reine Psychokrieg, für den Zuschauer pure Unterhaltung. Ira und ihre Jünger gegen Austria's Next Topmodel Larissa - so könnte man es wohl beschreiben. Die Österreicherin, die anfangs auch bei den Zuschauern wenig punkten konnte, erweckt mittlerweile nur noch Mitleid.

Nicht so bei ihren Mitstreiterinnen, die Larissa nach allen Regeln der Kunst ausschließen. Niemand wollte im neuen Hotel in Miami das Zimmer mit ihr teilen, keiner hielt sie für hübsch genug für das Sonnenbrillen-Casting ("ich glaube nicht, dass ihr eine Brille steht") und kein Mädchen zeigte eine Regung von Mitleid, als sie beim Cheerleader-Training kränkelnd auf der Bank saß. Der Sieg in einer anderen Casting-Sendung scheint für den weiteren Erfolg eher hinderlich zu sein.

Schließlich ging das Sticheln der anderen sogar so weit, dass Peyman sich in der Höhle der Löwinnen einmischte. "Wir suchen hier Germanys Next Topmodel und nicht Germanys Next Mobbing Master. Merkt euch das!" Klare Worte des Modelagenten, die jedoch bei den Mädchen wenig Anklang fanden. "Die geht mir einfach nur links und rechts am Arsch vorbei", bellte Kandidatin Jessica. Und auch Ira hat ihre Anhänger bestens im Griff, versteht sich selbst als Sprachrohr der anderen und drosch verbal auf die Blondine aus dem Nachbarland ein. "Du hast es dir doch selber mit allen verbockt. Jetzt tu mal nicht so wehleidig. Du musst hier auch gar nicht so cool tun. Hau lieber ab." Doch Larissa reagierte wie gewohnt cool und blieb lässig auf dem Bett liegen.

Heidi Klum fand das Treiben amüsant. "Naja, die zicken sich halt ein bisschen an", kommentierte sie grinsend. Also, kein Grund zur Sorge, auch in den nächsten Folgen werden wir wohl wieder ein Schlachtfest der besonderen Art erleben dürfen. Bis eben wieder eine heult. Oder alle.



Lesen Sie hier die Einzelkritiken zu den verbliebenen zehn Kandidatinnen:

Ira:

Hat Potenzial, könnte sich ihren Sieg bei "Germanys Next Topmodel" durch ihr zickiges Verhalten womöglich verbocken. Bislang überzeugte sie in beinahe jedem Shooting durch ihren Mut und ihre Flexibilität, kein Fotograf fand sie jedoch bislang herausragend. Bei den Modeljüngern hat sie sich jedoch mittlerweile einen Status erkämpft. Sie spricht das aus, was viele denken.

Topmodel-Chancen: 60 %

Larissa:

Ein Fall für sich. Die Meinungen sind geteilt: Ihr Tauchlehrer hält die Österreicherin für "das Coolste, was er je gesehen hat". Da mag er recht haben Larissa begegnet den Anfeindungen der anderen Mädchen mit stoischer Gelassenheit. Wo Sarina nach eigener Aussage "den ganzen Tag nur heulen würde", beisst die Blondine die Zähne zusammen und erträgt das Gruppen-Mobbing unter dem Credo "Je mehr ihr mich unterdrückt, desto stärker werde ich und desto weniger werdet ihr mich los!" Vom ständigen Zähnezusammenbeißen hat allerdings ihr Gesichtsausdruck eine Härte angenommen, die einer 16-Jährigen nicht recht steht. So urteilen auch Heidi und Co., sie solle das Ganze nicht so verbissen angehen. Rolfs sinnvoller Rat für Larissa: "Leb dein Leben!" Genau das scheint sie zu tun, denn wie sie selbstkritisch erkennt: "Ich bin nicht hergekommen, um mir Feinde zu machen. Davon habe ich schon ziemlich viele."

Topmodel-Chancen: 50 %

Sarina:

Sie ist das Küken unter den Topmodel-Anwärterinnen und das bekommt sie auch immer wieder zu spüren. Allerdings scheint sie mit dem schnellen Erwachsenwerden so ihre Problemchen zu haben. Wird sie kritisiert, heult sie. Gibt es Streit, heult sie. Kommt sie beim Shooting nicht so gut an, heult sie. "Ich bin doch noch ein Kind" lautet dann meistens ihre Begründung. Aber dennoch: Das Infantile macht sie liebenswürdig. Zumindest ist sie die einzige, die hin und wieder ein bisschen Menschlichkeit beweist.

Topmodel-Chancen: 40 %

Marie:

Der Nimbus um die erfolgreiche Gold-Marie hat sich eingetrübt. Auch ein anderes der früheren Pech-Mädchen konnte nun glänzen. Hat ihr doch tatsächlich Maria den Sonnenbrillen-Job weggeschnappt, den Marie so "wahnsinnig gern haben" wollte. Ts. Die Schneewittchen-Schönheit hat es selbst erkannt: "Jetzt ist Konkurrenzkampf". Trotzdem bleibt sie fair, sympathisch und gelassen und auch das Votum der Jury, die sich um ihre Entwicklung sorgt, haut sie nicht um. Sie sackt ihr Foto ein, zirpt in die Kamera "Ich bin erleichtert aber nur für zehn Minuten, dann mache ich mir um die nächste Aufgabe Gedanken" und lächelt ihr perfektes Lächeln. Ist ja klar, dass die Favoritin auch mal einstecken muss. Das ist die altbekannte Jury-Logik.

Topmodel-Chancen: 100 %

Steffi:

Steffi ist der Sonnenschein unter den letzten zehn Mädchen - zumindest, wenn es um Interviews geht. Soll sie jedoch bei einem Shooting überzeugen, bekommt sie meist Allüren und ziert sich. Starfotograf Rankin regte sich bei Heidi Klum fürchterlich über ihre Einstellung auf, woraufhin ihr die Model-Mutti einen gewaschenen Einlauf verpasste. Immerhin: Beim Casting von "Apollo" kam sie immerhin in die letzte Runde, konnte jedoch am Ende nicht gewinnen.

Topmodel-Chancen: 30 %

Maria:

Eins steht fest: Dieses Mädchen wird mit Sicherheit ins Finale kommen. Mit ihrer neuen Frisur ist Maria zwar ein sehr spezieller Typ, bislang konnte sie jedoch beinahe jeden in ihren Bann ziehen. Durch ihre Natürlichkeit post sie wie eine der ganz großen Topmodel - ihre Blicke sind betörend, ihre Figur makellos und ihr Auftretten professionell.

Topmodel-Chancen: 100 %

Sara:

Hübsche Sara, liebe Sara, langweilige Sara. Keine Feinde, keine großen Schwächen, keine großen Erfolge. Dafür immer gut gelaunt und ein ruhender Pol in der "Topmodel"-Clique. Wenig Unterhaltungswert, aber ein hübscher Anblick.

Topmodel-Chancen: 60 %

Jessica:

Nach eigenen Worten "der normalste Mensch der Welt". Nach Meinung von Außenstehenden entwickelt sie sich zur Quotenzicke. Spricht kaum ein Wort Englisch, stellt sich bei Shootings nicht nur nach nach Klums Meinung "zimperlich" an und würde Larissa am liebsten an die Wand klatschen. Das zeugt von wenig Stil und Selbstbeherrschung.

Topmodel-Chancen: 30 %

Mandy:

Wer? Erst zum Ende der Sendung gelingt es dem Zuschauer, die drei Blondinen Katrina, Steffi und Mandy auseinander zu halten. Zu ähnlich sind die Gesichter, das Jammern über Kälte, Wasser und die Anstrengungen des Modeldaseins. Wenn Mandy überhaupt durch etwas auffällt, dann durch ihre Unauffälligkeit. Das spornt Castingfee Heidi Klum dazu an, ihr besonderes Potenzial zu bescheinigen. Hm. Aber die Zuschauer sind aus der letzten Staffel ja bereits gewöhnt, dass die Jury die scheuen Rehlein und grauen Mäuse schätzt und schützt. Vermutlich auch, damit sich ähnlich veranlagte Zuschauerinnen zumindest mit einigen Kandidatinnen identifizieren können. Fazit: Als graue Maus steht Mandy bei "Germany’s Next Topmodel" eine große Karriere bevor. Vielleicht reicht es sogar für einen Überraschungscoup, den Einzug ins Finale.

Topmodel-Chancen: 40 %

Katrina:

In der einen Sendung ist sie das heulende Elend, in der nächsten der Wackelkandidat. Trotz ihres hübschen Gesichts kann sie bei der Jury wenig punkten, bekommt ihr Foto dann aber doch. Aber, wie bereits die Siegerin der dritten Staffel, Jennifer Hof, bewies: Stille Wasser sind tief. Jury und Zuschauer sind gespannt, ob sie irgendwann mal ihre Mundwinkel nach oben verziehen wird.

Topmodel-Chancen: 30 %