Fukushima

Rücktritt: Tepco-Chef hinterlässt 10,7 Milliarden Euro Miese

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abendblatt.de

Im Zuge der Atom-Krise in Fukushima war der bisherige Tepco-Chef Masataka Shimizu massiv in die Kritik geraten. Jetzt ist er zurückgetreten.

Tokio/Berlin. Die Zahlen sind auf den Tisch gekommen: Über zwei Monate nach dem Tsunami sowie dem verheernden Erdbeben in Japan und der damit verbundenen Havarie des Atomkraftwerkes Fukushima hat dessen Betreiber eine bittere Bilanz vorgelegt. Mit einem Nettoverlust von 1,25 Billionen Yen (rund 10,7 Milliarden Euro) musste Vorstandschef Masataka Shimizu den höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte bekannt geben. Shimizu zog Konsequenzen aus den zahlen und trat zurück. Der Tepco-Verlust ist gleichzeitig das größte Minus, das jemals eine japanische Firma außerhalb des Finanzsektors verbuchen musste.

Shimizu, der auf dem Höhepunkt der Krise über Wochen abgetaucht war, übernahm die Verantwortung für den Absturz. Im Vorjahr hatte die Tokyo Electric Power Company (Tepco) noch rund eine Milliarde Euro Gewinn gemacht.

Das Minus aus dem Ende März abgelaufenen Finanzjahr ist für Tepco erst der Anfang: Der Konzern muss sich unter anderem auf Schadenersatzforderungen in noch unbekannter Höhe einstellen, die Opfer stellen dürften. Rund 426 Milliarden Yen (3,65 Milliarden Euro) wird es das Unternehmen eigenen Angaben zufolge außerdem kosten, die Fukushima-Anlage zu stabilisieren und die Freisetzung radioaktiver Substanzen einzudämmen. Als Sparmaßnahme hatte das Unternehmen seinen Mitarbeitern bereits die Gehälter gekürzt.

Die diversen Probleme sind künftig Sache von Tepco-Manager Toshio Nishizawa – er löst Shimizu als Vorstandschef ab. Aufsichtsratschef Tsunehisa Katsumata bleibt dagegen im Amt. Ob die Maßnahmen des Konzerns ausreichten, werde eine unabhängige Expertengruppe der Regierung gründlich prüfen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag.

Bis zum Tsunami war Tepco auf dem Weg zum Erfolg gewesen – beim Umsatz legte der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr zu. In seiner Bilanz bezifferte der Konzern als erste Kosten aus der Atom-Krise 1 Billion Yen (8,5 Milliarden Euro). Das Abschalten der vier zerstörten Fukushima-Blöcke verursache Verluste in Höhe von 207 Milliarden Yen (176 Millionen Euro), erklärte das Unternehmen. Zwei weitere geplante Reaktoren will der Konzern jetzt nicht mehr bauen.

Die Kritik am Verhalten der Tepco-Verantwortlichen reißt seit dem Unglück am 11. März nicht ab. Die Internationale Atomenergiebehörde kritisierte, rückblickend betrachtet seien Tepcos Maßnahmen nicht ausreichend gewesen, um den Unfall zu verhindern. Dass in Fukushima mehrmals falsche Strahlenwerte gemessen wurden, werteten viele als Schlamperei. Auch für ihre Informationspolitik bekamen die Verantwortlichen viel Schelte. Einer der Vorwürfe: Tepco habe nur in Scheibchen über die Vorgänge in den havarierten Reaktoren informiert.

Der bisherige Tepco-Chef war nach einer einzigen Pressekonferenz kurz nach dem Tsunami für Wochen von der Bildfläche verschwunden. Immer wieder gehen in Japan Menschen auf die Straße und protestierten – wenn auch verhalten – gegen das Unternehmen.

Tepco ist wegen der Krise nahe am Zusammenbruch. Die japanische Regierung sicherte dem Konzern bereits finanzielle Hilfe bei der Bewältigung der Entschädigungszahlungen zu. Dafür soll eine staatliche Finanzierungsgesellschaft gegründet werden. Im Gegenzug akzeptierte Tepco die Bedingung der Regierung, harte Sparmaßnahmen zu ergreifen. (dpa)