Bundesliga HSV gegen Wolfsburg

Klassisch ausgekontert - HSV verliert zweites Nordderby

Beim 1:3 gegen den VfL Wolfsburg kassiert der HSV nach gutem Start die erste Saisonniederlage. Choupo-Motings Treffer zum 1:1 reichte nicht.

Hamburg. In acht Profi-Jahren hat Heiko Westermann, 27, viel erlebt. An ein Spiel wie das gestrige 1:3 (1:1) gegen den VfL Wolfsburg kann sich der HSV-Kapitän indes nicht erinnern. "Dieses Spiel darf man doch nie und nimmer verlieren. Wir hatten bestimmt 30 Torchancen. Dagegen war jeder Schuss der Wolfsburger drin", klagte Westermann nach dem Abpfiff.

Seine Worte waren sinnbildlich für die Stimmung in der Arena. Passabel gespielt - und doch verloren. Der nächste Rückschlag nach den Remis-Spielen gegen Nürnberg und St. Pauli. Vor dem Spiel am Sonnabend bei Werder Bremen steht der HSV damit unter Druck. "Dieses Spiel müssen wir unbedingt gewinnen", forderte Zé Roberto.

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Für einen Spieler war die Niederlage besonders bitter. Maxim Choupo-Moting hatte in bis dato 15 Bundesliga-Partien für die Hamburger noch nie getroffen. Gestern gelang es ihm: Der 21-Jährige konnte nach 27 Minuten die frühe Führung von Edin Dzeko (15.) egalisieren. Sein Premierentor wird Choupo-Moting jedoch nur begrenzt in guter Erinnerung bleiben. Weil Grafite in der zweiten Hälfte noch zweimal traf, verlor der HSV sein erstes Saisonspiel

Mit der Nominierung von Choupo-Moting hatte Armin Veh gegen seinen ehemaligen Klub die Ankündigung einer personellen Überraschung wahr gemacht. Weil Paolo Guerrero nicht fit wurde - außerdem droht dem Peruaner nach seinem Flaschenwurf nun doch eine Gerichtsverhandlung (siehe S. 15) - und der angeschlagene Eljero Elia allenfalls für die Jokerrolle infrage kam, baute der Trainer mit der Hereinnahme des Talents zum fünften Mal in Folge seine Offensivabteilung um. Während Mladen Petric erwartungsgemäß als hängende Spitze agierte - dort allerdings ohne große Bindung blieb - und Choupo-Moting mit seinen (technisch anspruchsvollen) Darbietungen die HSV-Fans zunächst erfreute, durfte sich Piotr Trochowski allerdings seine Gedanken machen - auf der Bank.

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Veh sah sich in seinen Einschätzungen lange Zeit bestätigt. Von der ersten Minute an berannten seine Spieler das Tor von Diego Benaglio und hatten schon nach 13 Minuten häufiger auf das Wolfsburger Tor geschossen als in 90 Derby-Minuten am Sonntag gegen den FC St. Pauli. In einer insgesamt sehr engagierten HSV-Mannschaft neben Choupo-Moting war vor allem die Spiel- und Einsatzfreude von Zé Roberto und Jonathan Pitroipa spürbar. Es waren jedoch die Niedersachsen, die den ersten Treffer erzielten, obwohl der HSV die "beste erste Halbzeit dieser Saison" (Trainer Veh) zeigte. Nach einem schweren Fehler von Marcell Jansen, der den Ball schlampig zu Choupo-Moting passen wollte, spritzte Peter Pekarik dazwischen und demonstrierte, was ein effektiver Konter ist: Seine von Mathijsen leicht abgefälschte Flanke nutzte Edin Dzeko eiskalt zum 0:1 - Heiko Westermann schaute tatenlos zu.

Doch der erneute Rückstand - schon gegen Schalke, Frankfurt und St. Pauli bewies der HSV nach Gegentreffern Moral - konnte die Hamburger nicht irritieren. Lohn war der Ausgleichstreffer durch Choupo-Moting.

Wer glaubte, dass sich der enorme Aufwand in der zweiten Hälfte negativ beim Energiehaushalt der Gastgeber bemerkbar machen würde, wurde erst einmal getäuscht. Mit Macht zogen die HSV-Profis unbeirrt ihr Powerplay auf. Die gefürchtete Offensive der Wolfsburger mit dem ganz schwachen Diego sowie Grafite und Dzeko kam kaum zur Entfaltung. Nur die Dzekos Extraklasse zeigte sich in einigen Szenen.

Was die Chancenverwertung betraf, war Wolfsburg jedoch mindestens eine Klasse besser. Als der HSV einmal kurz Luft holte und in der Defensive ungeordnet stand, konnte Marcel Schäfer unbedrängt von Guy Demel flanken und Grafite zur erneuten Führung einschieben (71). Jetzt schwanden die Kräfte zunehmend. Als Grafite eine weitere Kontersituation zum 1:3 abschließen konnte, machte sich Katerstimmung breit. Der so verheißungsvoll begonnene Sturmlauf endete ohne Happy End. Und Trainer Armin Veh gab zu: "In der zweiten Halbzeit sind wir eingeschlafen."

Die Statistik

Hamburg: Rost - Demel, Westermann, Mathijsen, Jansen - Jarolim (75. Elia), Ze Roberto - Pitroipa, Petric, Choupo- Moting (75. Trochowski) - van Nistelrooy. - Trainer: Veh

Wolfsburg: Benaglio - Pekarik, Kjaer, Barzagli, Schäfer - Josue (76. Madlung) - Hasebe, Kahlenberg (90.+1 Johnson) - Diego (88. Dejagah) - Grafite, Dzeko. - Trainer: McClaren

Schiedsrichter: Günter Perl (Pullach)

Tore: 0:1 Dzeko (15.), 1:1 Choupo-Moting (27.), 1:2 Grafite (71. ), 1:3 Grafite (78.)

Zuschauer: 50.231

Torschüsse: 21:8

Ecken: 15:1

Ballbesitz: 64:36 %

Fouls: 10:14