"Tag der Legenden"

Zuschauerrekord beim legendären Klassentreffen

Fußballstars begeistern fast 25.000 Zuschauer bei der sechsten Auflage im Millerntor-Stadion. Team Hamburg bleibt erneut Sieger.

Hamburg. Es dürfte für eine längere Zeit das letzte Mal gewesen sein, dass Stars des HSV am Millerntor so begeistert empfangen wurden: Ob Trainer Armin Veh, Sportchef Bastian Reinhardt oder Kultmasseur Hermann Rieger - sie alle wurden gestern im ausverkauften Stadion des Lokalrivalen mit viel Applaus bedacht. Es ging beim sechsten " Tag der Legenden " ja schließlich auch nicht um die Vorherrschaft in der Hansestadt, sondern um den guten Zweck. Und da zog man(n) unter der Schirmherrschaft von Uwe Seeler gern an einem Strang. "Gemeinsam gewinnen", hatten die Zuschauer als Motto für den Nachmittag per Banner vorgegeben, und am Ende ging das aus ehemaligen HSV- und St.-Pauli-Profis bestehende Team Hamburg tatsächlich mit 3:2 als Sieger im Duell mit Team Deutschland hervor.

Ein Sonderlob vom HSV-Trainer gab es für St. Paulis Sportchef Helmut Schulte. Als Trainer des Teams Hamburg habe dieser bei seinen Auswechslungen besonderes Gespür bewiesen, so Veh. Dies war bei den Trainern beider Mannschaften schon deshalb gefragt, weil in diesem Jahr allein auf dem Platz mehr als 60 Profis die Aktion Reinhold Beckmanns unterstützten und mit dafür sorgten, dass der TV-Moderator in einer ersten Bilanz von rund 250 000 Euro Einnahmen für seine Jugendinitiative Nestwerk e. V. ausgehen konnte.

St. Paulis Trainer Holger Stanislawski nutzte das Spektakel, um nach Verstärkungen für seine Mannschaft Ausschau zu halten. Er fand sie in seiner eigenen Person. "Ich wüsste da jemanden für wenig Geld, wenn wir da hinten ein Problem bekommen sollten ..."

Wie es sei, gerade noch als Profi aufgelaufen zu sein und jetzt in einer Auswahl älterer Herren zu spielen, wurde Jens Lehmann gefragt. Der ehemalige Nationaltorhüter überlegte einen Moment und bestätigte ein komisches Gefühl. Schon etwas länger nicht mehr aktiv ist Ex-Nationalstürmer Karl-Heinz Riedle. Ansehen tut man ihm das nicht. "Vielleicht liegt es an der Luft im Allgäu", mutmaßte der Frauenschwarm.

Geflachst wurde auch schon im Hotel Le Meridien, wo sich die Spieler zum Aufwärmprogramm trafen. Im Fahrstuhl ging's los. "Früher hast du ihn getunnelt und die anderen danach aufm Bierdeckel schwindelig gedribbelt", sagte Guido Buchwald mit Blick auf seinen alten Kumpel Fredi Bobic. Maurizio Gaudino, Jimmy Hartwig und Michael Rummenigge hielten sich den Bauch vor Lachen. Im Gegensatz zu aktiven Glanzzeiten haben sie jetzt wenigstens was zu halten.

Bei Lachsbrötchen, Roastbeef, Weißwürstchen und knusprigen Kopenhagenern waren sich die Koryphäen von einst wieder nahe. Im Gegensatz zu früher und dem späteren Spielgeschehen stand niemand im Abseits. Auch nicht Klaus Fischer oder "kleines dickes Ailton ". Der Brasilianer schrieb Autogramme, lobte den HSV und erzählte von seinem aktuellen Einsatz für die Amateurtruppe des FC Oberneuland.

Horst Eckel, Weltmeister von 1954 und mit 78 Jahren immer noch enorm in Form, war mit Ehefrau Hannelore angereist. Nur das Knie macht ihm ein wenig zu schaffen. Nach einer Operation im Winterhalbjahr, so seine Hoffnung, wolle er im Frühjahr wieder zu Tennis- und Tischtennisschläger greifen. Professionelle Goalgetter a. D. wie Sergej Barbarez, Klaus Ottens, Sonny Wenzel, Giovane Elber oder Andreas Thom klönten mit Eckel über die Ausgangslage nach der WM und vor der EM. Dieter Eilts scherzte mit Uwe Bein, Jan Kocian mit Olaf Thon, Seppo Eichkorn mit Veh, Schulte mit allen.

Stefan Beinlich plauschte mit Otto Addo, Bernd "Fummel" Wehmeyer mit Dixi Dörner, Lehmann mit Stefan Schnoor. So viel zum Erzählen gab es, dass zwei Stunden Vorspiel bis zur Abfahrt gen Millerntor kaum ausreichten. Viele hatten sich seit Jahren nicht gesehen. So wie der in Ehren ergraute Masseur-Guru Rieger, der beglückt Valdas Ivanauskas in die Arme schloss.

Wie in alten Zeiten spielte William "Jimmy" Hartwig Doppelpass. Er berichtete von seinem Wohnsitz München, von seiner Schauspielkarriere und dem bevorstehenden Engagement als Othello in Nürnberg. Parallel achtete er auf die achtjährige Tochter Julia sowie auf Nesthäkchen July, 13 Monate alt. Letztere war erstmals in ihrem Leben geflogen - und dann noch zu ihrer Hamburg-Premiere. "Muss Glück bringen", befand Hartwig und ließ sich auf Knien von Grundschülerin Lilly, 8, für einen Internetdienst interviewen.

Werder Bremens Haudegen Max Lorenz sorgte mit verbalem Offensivspiel für klare Verhältnisse: "Am Saisonende landen die Grün-Weißen doch wieder vor dem HSV." Gattin Hildegard nickte zustimmend. Gemeinsam mit Beckmann, dessen Ehefrau Kerstin sowie Jan Foertsch und Christian Hinzpeter, seinen Partnern des jetzt schon legendären Legendentages, wurde launig debattiert. "Es ist ein Klassentreffen der schönsten Art", sagte Hinzpeter, "alle kommen immer wieder gerne."

Herzlich war auch das Willkommen für Lothar Matthäus. Erst hielt ihn das Handy gefangen, dann legte er in bewährter Rhetorik los: "Diese Unterstützung für Menschen auf der Schattenseite des Lebens ist eine wunderbare Sache." Es sei ein herrlicher Tag, an dem man helfen und gleichzeitig alte Weggefährten treffen könne. Dann vibrierte es wieder, und Matthäus, der seine sportliche Zukunft nicht kommentieren wollte, flitzte in den freien Raum.

Team Hamburg: Golz, Thomforde - Demuth, Hollerbach, Hoogma, Kaltz, Kocian, Reinhardt, Rosenfeld, Schlindwein, Schnoor, Stanislawski, Trulsen - Addo, Beinlich, Cardoso, Gronau, Hartwig, Magath, Mazingu-Dinzey, Meggle, Oenning, Studer, Töfting, Wehmeyer, Zander - Barbarez, Driller, Golke, Ivanauskas, Mackensen, Marin, Ottens, Präger, Wenzel. Team Deutschland: Lehmann, Reitmaier - Andersson, Babbel, Buchwald, Dörner, Helmer, Nowotny, Rehmer, Schulz - Balakov, Bein, Eilts, Gaudino, Heldt, Matthäus, Möller, Ramelow, M. Rummenigge, Scholl, Thon, Wuttke - Ailton, Bobic, Chapuisat, Elber, Fischer, Mill, Riedle, Rufer, Thom. Tore: 1:0 Mazingu-Dinzey (3.), 2:0 Driller (5.), 2:1 Ailton (20.), 2:2 Gaudino (62.), 3:2 Barbarez (65.).