"Tag der Legenden"

Hamburgs Fußball-Fest heute live auf abendblatt.de

Beim "Tag der Legenden" wird das berüchtigte "magische Dreieck" am Millerntor spielen - abendblatt.de berichtet live ab 15.15 Uhr.

Hamburg. Krassimir Balakov bittet noch um etwas Geduld: "Entschuldigung, wir haben gleich Training." Zwei Stunden später ist er dann erreichbar - und freut sich über den Anruf aus seiner alten deutschen Wahlheimat. Der ehemalige Spielmacher des VfB Stuttgart klingt entspannt. Richtig entspannt. Der Liga-Start mit seinem Klub FC Tschernomorez Burgas in der Ersten bulgarischen Liga ist mit 13 Punkten aus den ersten fünf Spielen überaus gelungen. Zudem freut er sich wie ein "kleines Kind" auf seinen Trip nach Hamburg. Hier wird er an diesem Sonntag am Millerntor beim "Tag der Legenden" (Anpfiff 15.15 Uhr/auf abendblatt.de im Liveticker) im "Team Deutschland" antreten. "Es ist mir einen Ehre, dass ich dabei sein darf", sagt er. Er sagt es nicht mit der Koketterie eines ehemaligen Weltklassespielers. Sondern einfach in der freudigen Erwartung eines Fußball-Ereignisses, das in Deutschland seinesgleichen inzwischen vergebens sucht. 70 einstige Fußballer - von Weltmeistern wie Lothar Matthäus, Andreas Brehme oder Guido Buchwald über Hamburger Idole wie Felix Magath, Manfred Kaltz, Dieter Schlindwein oder Bernd Hollerbach - kicken am Millerntor für die Aktion "Nestwerk", die sich seit Jahren für benachteiligte Jugendliche engagiert.

Tag der Legenden: Benefiz-Kick am Millerntor

Bei der Frage, auf welches Wiedersehen er sich am meisten freut, muss Balakov, 44, nicht lange überlegen: "Natürlich auf Giovane und Fredi." Gemeinsam waren sie einst das "magische Dreieck". Balakov, der großartige Stratege. Elber, der Weltklasse-Stürmer. Und Bobic, der abgezockte Torjäger. "Mit den beiden hatte ich die beste Zeit meiner Karriere", sagt Balakov mit etwas Wehmut. Die sportive Rendite des spielerisch womöglich besten Offensiv-Trios der Bundesliga fiel zwar mit dem DFB-Pokalsieg 1997 eher mager aus. "Wir wollten oft einfach zu schön spielen, statt einfach nur zu gewinnen", erklärt Balakov im Rückblick. Mit ihrem spektakulären Fußball haben die drei dennoch Bundesliga-Geschichte geschrieben.

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Sie sind Freunde geblieben, obwohl sich ihre Wege längst getrennt haben. Während Balakov am Schwarzen Meer das ambitionierte Fußballprojekt des Ölmilliardärs Mitko Sabev vorantreibt ("unser Ziel ist die Teilnahme an der Europa League"), beobachtet Elber, 38, für seinen ehemaligen Klub FC Bayern München als Scout den südamerikanischen Spielermarkt. Bobic, 38, lernt gerade den immensen Stress des Bundesliga-Fußballs kennen, steht als neuer Manager des VfB Stuttgart nach dem Null-Punkte-Fehlstart schon unter Druck. Zuvor war er an Balakovs Seite als Sportdirektor bei Burgas tätig. Balakov bedauert den Abschied seines Freundes, sagt aber auch: "Bei einem so attraktiven Angebot konnte Fredi nicht Nein sagen."

Das "magische Dreieck" ist inzwischen Stammgast beim "Tag der Legenden" und hat erheblich zur Faszination des Benefizspiels beigetragen. In diesem Jahr sind bereits 22500 Karten verkauft. "Diese Veranstaltung ist einfach einmalig", sagt Balakov.

An seiner Fitness gibt es auch in diesem Jahr keinen Zweifel - schließlich macht der Bulgare im Training alle Übungen mit: "Für die Bundesliga würde es natürlich nicht mehr reichen. Aber für einen guten Auftritt in einem solchen Spiel allemal."

SO WAR ES 2009

Und wie sieht seine Zukunft aus? Balakov überlegt; schließlich könne sich in diesem Geschäft vieles sehr schnell ändern. Andererseits genießt er seinen Status am Schwarzen Meer. Mäzen Sabev gilt als Balakov-Fan. Als der Verein vergangene Saison kriselte und entsprechende Unruhe aufkam, verlängerte er kurzfristig den Vertrag mit seinem Trainer um weitere fünf Jahre. "Hier redet mir niemand rein. Ich kann im Rahmen meines Budgets entscheiden", sagt Balakov, der vor allem auf Nachwuchsspieler setzt. Das von ihm mit konzipierte Trainingszentrum hat schon jetzt absolutes Bundesliga-Niveau.

Bei einem Angebot aus der Bundesliga dürfte Balakov trotzdem ins Grübeln geraten. Dann wäre es auch nicht mehr so weit nach Hamburg. Zum nächsten "Tag der Legenden" am Millerntor.