Sport in Coronazeiten

Hamburgs Gewässer locken auch Anfänger

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Kajakfahren auf Hamburger Gewässern ist nicht nur erlaubt, sondern macht auch allein Spaß.

Kajakfahren auf Hamburger Gewässern ist nicht nur erlaubt, sondern macht auch allein Spaß.

Foto: Sven Jürgensen

In diesem Teil unserer Corona-Fitness-Serie geht es um die Sportarten Kanu, Rudern und Stand-up-Paddling.

Hamburg. Kommen Sie den Schwänen im Uferbereich nicht zu nahe, gerade in der Brutzeit. Die sind schon sehr wehrhaft, und ihren Nachwuchs, den verteidigen sie wirklich energisch. Also aufpassen! Und natürlich auf die Alsterdampfer achten, die haben immer Vorfahrt auf Hamburgs Gewässern, jedenfalls vor all den Wassersportlern, die Alster und die umliegenden Kanäle auch bevölkern. Und dies auch in Coronazeiten können und dürfen, wenn sie denn einen öffentlichen Zugang zum Wasser gefunden haben. Oder gar einen privaten im Garten besitzen. Denn die Stege von Ruder- und Segelclubs sind als Sportanlagen noch mindestens bis 4. Mai geschlossen, ebenso wie kommerzielle Bootsverleiher.

Allein 23 Kanäle gibt es in Hamburg. Dazu kommen die Alsterzuflüsse, die Wasserwege rund um die Bille und Nebenarme der Elbe. Da ist es auch wunderschön, aber Arne Bandholz, der Trainer von Parakanutin Edina Müller, rät Anfängern und Ortsunkundigen dennoch davon ab, dort mit dem vielleicht neuen Hobby Wassersport zu beginnen: „Das ist sehr unübersichtlich, wie ein Labyrinth. Und wenn man nicht aufpasst, ist man ganz schnell im Hafenbereich.“ Und nein, das will man nicht. Zu viel los, zu große Schiffe, da gehören – insbesondere noch ungeübte – Freizeitsportler nicht hin.

Aber Wasser und das schöne Wetter locken. Es gibt in unserer Stadt kaum ein schöneres Sportvergnügen, als sich über die Alster und ihre Nebenflüsse und Kanäle zu bewegen. Dabei bieten sich in diesen Zeiten insbesondere drei „Wasserfahrzeuge“ an: Stand-up-Paddel-Boards, Kanus und Ruderboote.

Stand-up-Paddling: SUP ist mittlerweile längst mehr als eine Trendsportart. Überall sieht man die Bretter über das Wasser gleiten. „Mit etwas Körperspannung, aber trotzdem locker bleiben, leicht in die Knie gehen und nie daran denken, dass man eventuell ins Wasser fallen könnte“, empfiehlt die Hamburgerin Bettina Kohl Anfängern. Die 52-Jährige gehört zur deutschen SUP-Elite, vor allem an der Küste und in den Wellen. Aber natürlich ist sie regelmäßig auch auf der Alster unterwegs. „Neulinge sollten nach einer Einführung ein Board nehmen, das lang und vor allem breit ist“, sagt sie, „schulterbreit in der Mitte stehen und versuchen, kraftvoll und dynamisch zu paddeln.“

Es ist wie bei allen Gleichgewichtssportarten: Wenn man eine zügige Vorwärtsbewegung hat, dann ist es einfacher, das Gleichgewicht zu halten. Möglichst weit vor dem Körper mit dem Paddel einstechen, dynamisch durchziehen, aber nur bis Körperhöhe. Weiter nach hinten bringt nichts. Fünf- bis zehnmal auf einer Seite, dann auf die andere wechseln. Sonst dreht man sich im Kreis. Einen wichtigen Tipp hat Kohl noch, deren Dokumentarfilm „Betty Would Go – Ride waves, surf life, save the ocean“ beim Cosmic Cine Filmfestival vom 22. bis 26. April Onlinepremiere hat (www.cosmic-cine.de): „Vermeiden Sie als Anfänger die Außenalster. Die Dampfer verursachen tückische Wellen, Ruderer sind schnell, es ist viel los, die Winde sind auf der offenen Fläche oft unberechenbar. Besser ist es, sich einen ruhigen Kanal zu suchen.“

Kanu: Auch Arne Bandholz rät Anfängern von der Außenalster ab: „Nutzen Sie zuerst die Kanäle“, sagt der Parakanu-Bundestrainer. Sicherheit ist das Allerwichtigste. „Bevor jemand einfach losfährt, würde ich dazu raten, sich eine Einführung geben zu lassen. Außerdem empfehle ich, eine Schwimmweste zu tragen.“ Sollte doch ein Malheur passieren und es zu einem Kentern kommen, ist eines ganz wichtig, sagt Bandholz: „Immer sofort das Boot so drehen, dass die Sitzluke oben ist.“ Der Trainer vom Hamburger Kanu Club, der auch noch nicht die eigenen Anlagen nutzen darf, rät Freizeitpaddlern zu Wanderkajaks oder Seekajaks, die einfacher zu beherrschen sind als die schmalen Rennkajaks. Eine Alternative ist ein Canadier mit dem Stechpaddel.

„Wichtig ist, das Paddel symmetrisch anzufassen und gleichmäßig links und rechts abwechselnd durchzuziehen“, sagt Bandholz zur Kajaktechnik: „Den richtigen Griffabstand findet man, wenn man den Paddelschaft mit rechtwinkelig gehaltenen Ellbogen greift. Durch leichte Veränderung der Griffweite kann man einseitige Muskelbelastung während des Paddelns vermeiden.“ Steuern ist einfach: Rechts einstechen, dann fährt das Boot nach links. Und umgekehrt. „Wenn man praktisch rückwärts paddelt, dann kommt man schnell zum Halt“, sagt Bandholz.

Rudern: „Je breiter das Boot, desto weniger akribisch muss man rudern“, sagt Stefanie Kluge (51), „das ist für Anfänger dann einfacher.“ Die pharmazeutisch-technische Assistentin ist Trainerin auch von Anfängergruppen und hat im Winter mit drei Mitstreiterinnen in einem Ruderboot als „Wellenbrecherin“ den Atlantik überquert. „Man kann in jedem Alter rudern, sollte aber Spaß an der Bewegung haben“, sagt sie, „Die Technik fordert Kopf und Körper. Es ist eine sehr komplexe Bewegung, die die gesamte Muskulatur trainiert.“

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Absolute Anfänger sollten jedoch immer mit Trainerin oder Trainer am Steuer unterwegs sein. Das geht im Augenblick natürlich nicht. Im Einer oder Zweier aber kann man auch jetzt Hamburgs Gewässer genießen – wenn man einen öffentlichen Steg kennt. „Ich fahre gerne auf der Außenalster“, sagt Stefanie Kluge, „da ist mehr Platz.“ Das ist verständlich, wenn man 42 Tage im Ruderboot auf dem Atlantik unterwegs war. Eines ist ihr aber noch wichtig, für alle, die den Wassersport in Hamburg genießen wollen: „Man sollte schwimmen können.“

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