DFB-Elf vor dem Polen-Spiel

Podolski und Klose – Pendler zwischen zwei Welten

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Die deutschen Nationalspieler Miroslav Klose und Lukas Podolski spielen am Dienstag erstmals in Danzig gegen ihr Geburtsland Polen.

Düsseldorf. Miroslav Klose und Lukas Podolski haben ein kleines Problem. Nicht nur privat, auch während ihrer Länderspieleinsätze kommunizieren die deutschen Fußball-Nationalspieler bevorzugt auf Polnisch. Da die DFB-Auswahl aber am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in Danzig auf Polen trifft, muss ein Sprachenwechsel her: "Wir werden wohl auf Englisch ausweichen müssen", kündigte Klose gestern an und bekam dabei fast einen Lachanfall, was wiederum nicht gerade für die Englischkenntnisse Podolskis sprach.

Eine beliebte Worthülse musste in diesem Zusammenhang einfach fallen. Und in diesem Fall stimmt sie auch. Natürlich sei es "etwas Besonderes", das erste Mal in Polen zu spielen, erklärten sowohl Klose als auch Podolski nach dem 6:2-Erfolg gegen Österreich. Beide kamen als Kinder von schlesischen Spätaussiedlern in die Bundesrepublik und hatten Anspruch auf einen deutschen Pass, da die Großeltern vor dem Zweiten Weltkrieg Reichsbürger gewesen waren. Podolski, 1985 in Gliwice (Gleiwitz) geboren, lebt seit 1987 in Deutschland und unterhält sich noch heute mit seinen Eltern auf Polnisch. Seiner Frau Monika gab er 2011 in einer polnischen Kirche das Ja-Wort. Klose, 1978 in Opole (Oppeln) geboren, landete im Alter von acht Jahren in der Pfalz.

Ihre Wurzeln haben beide Fußballer nie geleugnet, im Gegenteil. Unvergessen bleibt der Auftritt nach Podolskis zweitem Länderspiel gegen Tschechien bei der EM 2004. Während sich der Stürmer in der Mixed-Zone gegenüber deutschen Reportern auf den verbalen Kurzpass konzentrierte, brachte er ein paar Meter weiter die polnischen Journalisten mit ausschweifenden Erzählungen zum Lachen. Bei der EM 2008 verzichtete er auf den Torjubel bei seinen beiden Treffern gegen seine Heimat, was ihn nur noch populärer in Polen machte. Wenn Klose über Polen spricht, erwähnt er, dass er schon fünf Jahre nicht mehr zu Hause war und wie schade das doch sei: "Wir veranstalten häufiger mal Familienfeiern, aber leider zuletzt immer in Deutschland."

+++ Überflieger Mesut Özil +++

+++ Vorne hui, hinten pfui +++

Polen ist die eine Welt des Duos, eine eher emotionale, Deutschland die zweite Heimat. Klose wird am Dienstag sein 112. Länderspiel seit seiner Premiere 2001 bestreiten, Podolski bringt es mit seinen 26 Jahren auch schon auf 92 seit 2004. In Danzig wird er sein 50. Länderspiel in der Löw-Ära bestreiten. Mehr hat keiner. Podolski und Klose sind zwei Namen, die entscheidend für den Sympathieaufschwung, für Stolz und Identifikation mit der DFB-Elf sorgten, was vordergründig an den vielen erzielten Toren liegen mag. Klose fehlen nur noch sechs Treffer, um den legendären Rekord von Gerd Müller (68 Tore) einzustellen, während Podolski mit seinem 43. Treffer im Österreich-Spiel zu Uwe Seeler aufschloss.

Die hohen Sympathiewerte der Vorzeige-Deutschen haben Podolski und auch Klose aber auch dem Umstand zu verdanken, dass ihre Karrieren nicht linear nach oben zeigten. Wer sich Schwächen leistet und diese nicht versteckt, mit dem leidet man gerne mit und wünscht ihm den erfolgreichen Weg aus der Krise. Ein Beispiel: Nachdem Podolski in Köln die Kapitänsbinde verlor und auch im Nationaltrikot schwächelte, wurde bereits über den Verlust seines Stammplatzes diskutiert. Schließlich hatte sogar sein Förderer Löw gemahnt, dass mehr kommen müsse. "Vielleicht haben der Start beim FC und verschiedene Themen, die einzelne Personen betrafen, eine Rolle gespielt, dass ich mein Potenzial nicht so abrufen konnte", sinnierte Podolski, der seine Kritiker mit einer starken Leistung verstummen und die Fans jubeln ließ. "Ich habe immer wieder betont, dass man mir vertrauen kann und dass ich, wenn ich gut spiele, auch ein Teil der Mannschaft bin."

Dass Klose auch mit 33 Jahren ("Ich nehme keine Creme, die mich fit hält") inmitten von Götze, Özil und Co. noch immer als unverzichtbar gilt und inzwischen gefragt wird, ob er sich vorstellen könne, über die EM 2012 hinaus weiter für das DFB-Team zu spielen, ist noch ungewöhnlicher. Mehr als einmal wurde Klose abgeschrieben, wie vor der WM 2010 in Südafrika, als er beim FC Bayern nur zu Kurzeinsätzen kam. Sein unaufgeregt-unzerstörbarer Glaube in die eigene Stärke ist es, der den Torjäger, jetzt in Diensten von Lazio Rom, zu einem beliebten und akzeptierten Vorbild im Nationalteam aufsteigen ließ. "Nach Verletzungen oder längeren Phasen ohne Tor ist es wichtig, ruhig zu bleiben und im Training an seinen Schwächen zu arbeiten. Mich zeichnet aber vor allem aus, dass ich im Kopf sehr stark bin", beschreibt Klose sein Erfolgsrezept. "Ich kann mich sehr gut auf ein besonderes Spiel fokussieren. Da ist es fast logisch, dass der Ball dann reingeht. Und dann geht's wieder los."

Trotz des hohen Einkommens und dem grellen Leben in der Öffentlichkeit entsprechen weder Podolski noch Klose dem Klischee des abgehobenen Profis. Als Klose am Sonntag betonte, die Bestmarke des "Bombers" (die von Gerd Müller) werde auf ewig die Nummer eins sein, klang eine Charaktereigenschaft durch, die selten geworden ist im Fußball und in der Gesellschaft: Bescheidenheit. Vielleicht ist es aber genau das, was einen wie Klose zum Führungsspieler macht.