Kleine Fluchten: Der "Richardshof" in St. Peter-Ording

Im Haubarg der Gemütlichkeit

Beim Betreten des Hotels spürt der Gast sofort die Behaglichkeit eines alten friesischen Hauses.

"Das ist ja romantisch hier", ist der erste spontane Eindruck. Das schöne alte Haus mit seinem Reetdach, auf dem sich viel Moos gebildet hat, strahlt eine heimelige Atmosphäre aus. Und dieser Eindruck gilt auch für das Innere.

Es ist, wie viele Bauernhöfe auf Eiderstedt, ein Vierständer-Haubarg und liegt im Ortsteil Wittendün am Rande von St. Peter-Ording, umgeben von Ponyweiden und einem meist prächtig blühenden Bauerngarten. 1696 lautet das Gründungsjahr über dem früheren Scheunentor. Jahrhundertelang war es der Bauernhof der Familie Richardsen. Mitte der 1950er Jahre erwarb der Maler Hubert Meiforth den Hof, den er allmählich zum Kulturhof mit Atelier und Galerie für seine spätimpressionistischen Bilder umwandelte und mit dem sensiblen Blick des Künstlers restaurierte.

Nach seinem Tod übernahm 1995 seine Schwiegertochter Ulrike Henning, gelernte Physiotherapeutin aus Recklinghausen, den Richardshof. Mit viel Elan und wechselnden Ausstellungen brachte sie ein reges Kunstleben auf den Hof. Unter dem Reetdach baute sie fünf unterschiedlich große Wohnungen ein. Als "Haus Godewind" war der Richardshof 1997 Schauplatz für die Fernsehserie "Gegen den Wind".

Beim Betreten des Hauses spürt der Gast sofort die Behaglichkeit eines alten friesischen Hauses. In der Eingangshalle fällt der Fußboden mit seinen florentinischen Kacheln auf, die für diese Gegend eher ungewöhnlich sind. Bäuerliche Reminiszenzen wie eine alte Kuhglocke, Pferdesattel und -geschirr zieren die Wände. Das Grammophon, der wuchtige Schrank mit seinen Säulen sowie die Schiffsfigur und die vielen alten Gemälde runden das sympathische Gesamtbild ab.

Das klassizistische Treppengeländer führt in die obere Etage mit den Apartments. Dem Flair des Hauses entsprechend sind sie individuell eingerichtet im attraktiven Zusammenspiel moderner Möbel und schöner Antiquitäten. An den Wänden hängen Bilder von Hubert Meiforth, aber auch meditative Fotografien von Edgar Henning. Der aus Hamburg stammende Fotograf lebt seit vielen Jahren auf Eiderstedt und betreibt die "Seegartengalerie". Außer seinen interessanten Fotos von Eiderstedt gibt es hier auch verschiedene Produkte einheimischer Künstler zu erwerben.

Die niedrigen Holzdecken in den Räumlichkeiten sorgen für eine urgemütliche Atmosphäre. Die Ferienwohnungen sind zwischen 50 und 125 qm groß und mit zwei bis drei Schlafzimmern versehen. Sie verfügen entweder über eine separate Küche oder eine geschickt integrierte Küchenzeile. Die zum Teil verwinkelten Räume sind mit vielen dekorativen Elementen versehen, wie etwa langstielige Rosen auf Messingfüßen oder schmiedeeiserne Kerzenständer mit Herzen, die fast alle aus dem persönlichen Besitz von Ulrike Henning stammen. Auch die Schlafzimmer sind alle unterschiedlich ausgestattet, mal mit dänischen Bauernmöbeln, mal modern und mal antiquarisch. Korbsessel und Rattanmöbel geben den Räumen eine leichte, mediterrane Note. Zu jedem Apartement gehört auch ein Gartenplatz mit einem Strandkorb.

Im Hause befindet sich auch ein schönes Cafe, ab 14 Uhr geöffnet. Die Pächterin Teresa Bienas backt täglich leckere Blechkuchen. Eine Spezialität: das originelle Fruchtgebäck "Qualle".

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