Kleine Fluchten: "Villa Sturmvogel" in Binz auf Rügen

Beste Strandlage - und doch ganz ruhig

Wo einst ein Admiral wohnte, fühlen sich heute die Urlauber wohl - mit der Ostsee vor der Haustür.

Mondäne Hotels an der Strandpromenade von Binz erinnern an eine glanzvolle Epoche, manche Logierhäuser und Luxusherbergen leuchten wieder im Jugendstil, andere lassen mit maurischen Elementen an eine noble, teilweise schwülstige Badekultur von der vorletzten Jahrhundertwende denken. Am stillen Ostende allerdings, wo die Promenade in die Granitzer Buchenwälder ausläuft, schmücken andere, eher zurückhaltend-vornehme Villen Rügens bekanntestes Bad. Es sind stilvolle Häuser, ohne Pomp und Protz, die ihre Stammgäste gefunden haben: Urlauber, die es ruhig mögen und doch alle Annehmlichkeiten des großen Seebades und seiner reizvollen Umgebung in Fußnähe wissen.

So ein Juwel ist die "Villa Sturmvogel", um 1900 gebaut und, wie alle Häuser dieser Art auf Rügen oder Usedom, mit bewegter Vergangenheit. Ein Admiral im Ruhestand, ein Schöngeist, so erzählt man sich, hat hier einst residiert, Kurgäste aus Berlin und Hamburg reisten in den 1920er-Jahren mit Personal an. Während der grauen DDR-Jahre und noch über die Wende hinaus war das noble Haus zu einem schäbigen Wohnquartier mit verrotteten Leitungen und Toiletten auf dem Flur verkommen. Erst 1995, als das Ehepaar Gisa und Hans-Peter Reimann die Villa übernahm, zog neues, buntes Leben ein.

Behutsam, mit viel Liebe zum Detail, haben die beiden Hamburger dem "Sturmvogel" wieder seinen Glanz zurückgegeben. Wer heute für ein paar Urlaubstage sein Appartement bezieht wird von Adelheid Bernhagen, der guten Seele des Hauses, in Empfang genommen. Betty, ihr kleiner Hund, unterstützt sie dabei schwanzwedelnd. Frische Blumen auf jedem Zimmer gehören zur Begrüßung. Schon im Flur macht ein Wandbild, gemalt von der Reimann-Tochter Wiebke, auf den Kunstsinn und die Lebensfreude der Hamburger Besitzerfamilie aufmerksam.

In anderen Räumen hängen Werke der renommierten Rügener Künstlerin Gudrun Arnold. Die Einrichtung der neun Zimmer orientiert sich an nordischen Vorbildern, strahlt aber gleichzeitig einen südlichen Charme aus: Gustav II. von Schweden hatte sich Ende des 18. Jahrhunderts die Leichtigkeit mancher Möbel in Italien abgeguckt und sie mit Elementen seiner Heimat zum sogenannten gustavianischen Stil verknüpft. Gisa Reimann hat ein sicheres Händchen bei der Innengestaltung bewiesen. Zusätzliche Farbe bringen bunte Kelims in die Räume, die sich in Blickrichtung und Farbgebung unterscheiden.

Da gibt es das Hochzeitszimmer mit Baldachin, ein Zimmer, das ganz in einem rötlichen Braun gehalten ist, und ein kleineres, wo alles so blau leuchtet wie das Meer vor der Tür. Sechs Appartements bieten einen schönen Weitwinkelblick auf die Ostsee. Ein Kamin macht die Eigner-Suite, den größten und schönsten Raum, besonders kuschelig. In der großen Sauna im Keller lassen sich nach langen Wanderungen - etwa auf dem Hochuferweg nach Sellin - die steifen Glieder lockern.

Wer mal nicht die hochwertig ausgestatteten Küchen im Appartement nutzen mag, geht direkt nach nebenan. In der "Strandhalle" tischt Toni Münsterteicher lokale Spezialitäten auf, zum Beispiel Dorschfilet auf mecklenburgischen Stampfkartoffeln oder die fast schon legendäre Poseritzer Pfanne mit einer Bauernwurst, auf die sich Stammgäste schon lange vor dem Urlaub freuen. Und zum Abschluss muss es natürlich ein Windbeutel mit blauer Grütze sein, ein "Binzer Sturmsack", der gut zum "Sturmvogel" passt.