Kleine Fluchten: "Hotel am Hoken" in Quedlinburg

Altes Gebälk am lebendigen Marktplatz

Sisalteppiche und ökologische Farben sorgen dafür, dass sich auch Allergiker wohlfühlen können.

Das kleine, fast unscheinbare Hotel ist leicht zu finden, liegt es doch am lebendigen Markplatz von Quedlinburg. Die in Altrosa gestrichene Fachwerkfassade mit ihren an die Renaissance erinnernden Formen unter dem steilen Dach macht schon von außen einen urgemütlichen Eindruck. Leider weiß man nur wenig über Entstehung und Geschichte des Gebäudes. Erbaut wurde es vor circa 300 Jahren, wohl als Speicher, wie man aus der Seilwinde schließen kann. Später nutzte man es als Wohn- und Geschäftshaus. Das Wort Hoken bezeichnete die Gasse der Krämer und Kleinhändler, die dort mit ihren Waren "hökerten".

Herzlich begrüßt werden wir von Ines Sander-Löbel. Gemeinsam mit Schwägerin Sylke Löbel und vier weiteren Mitarbeitern betreibt sie dieses hübsche Hotel. Die Leipzigerin hat in der DDR-Zeit erfolgreich ein Studium der Papier- und Verpackungstechnik absolviert. Nach der Wende ging sie dann in den Westen, doch ihren aus Quedlinburg stammenden Ehemann zog es schon sehr bald wieder in seine Heimat.

"Ein Hotel zu besitzen war ein Jugendtraum von uns beiden", erzählt sie. Die Chance zur Verwirklichung ergab sich im Jahre 2002, als dieses 300 Jahre alte Haus zum Verkauf stand. Da Sylke Elektromechanikerin und ihr Mann gelernter Tischler ist, konnten sie die umfangreichen Umbauten größtenteils selbstständig durchführen. "Gott sei Dank war die Grundsubstanz erhalten", erinnert die Hotelfrau sich. Zwei Jahre dauerte es, bis alles fertig war.

Im unteren Bereich des Hauses befindet sich die gemütliche Stube, in welcher der Gast am Morgen durch ein fürstliches Frühstücksbüfett verwöhnt wird. "Immer ein bisschen mehr, als notwendig" lautet dabei das Motto der engagierten Ines. Tagsüber dient der mit viel Holz ausgestattete Raum den Hausgästen auch als Kaffee- und Teestube, zum Getränk gibt es leckeren selbstgebackenen Kuchen. Immer mit einem Lächeln auf den Lippen wird der Gast bedient. Und Gäste, die ein Arrangement gebucht haben, erhalten kleine Aufmerksamkeiten, wie zum Beispiel Kuchen in Weckgläsern.

Um in die sieben Zimmer und zwei Apartments zu gelangen, muss man enge Treppen steigen. Dabei heißt es den Kopf einziehen, sonst stößt man sich an den alten Balken. "Wir haben hier zwar keinen Lift im Haus, dafür aber das mittelalterliche Flair", erklärt die Hausherrin.

Die Zimmer sind im schlichten "Shaker-Stil" nur mit Holzmöbeln eingerichtet. Ines: "Dieser Stil ist unaufdringlich, wirkt modern und passt auch zu einem alten Haus wie diesem." Die Wände sind in Braun und Ocker gehalten. Besonders schön renoviert wurde der Dielenfußboden. Bemerkenswert sind die an alte Stalltüren erinnernden originalen Schlösser. Das ganze Haus ist allergikerfreundlich. Dafür sorgen Sisalteppiche, lehmverputzte Decken und Wände sowie die Verwendung ökologischer Farben. Es gibt zwar keine Terrasse und kein Restaurant, aber da man sich am Marktplatz befindet, ist alles direkt vor der Tür.