Kleine Fluchten: Hotel "Seinsche am Meer" in Steinhude

Gut gebettet in Pirat, Korsar und Laser

Alle sieben Zimmer haben Seeblick. Unschlagbar ist der aus der Suite - da baumeln die Füße quasi im Wasser.

Die Uferpromenade am Steinhuder Meer: Ganz am Ende, unmittelbar hinter der hölzernen Brücke, die Ort und Flaniermeile verbindet, steht ein Bau, der so ganz anders ist als alle anderen. Kein Spitzgiebel, sondern Runddach. Kein roter Backstein, sondern Holz, sibirische Lärche, unbehandelt. Der erste Eindruck: ein bisschen Segelschiff, ein bisschen Bootsanleger. Hartmut Seinsche freut sich, wenn man ihm das sagt. Denn genau diese Assoziationen will der 68-Jährige hervorrufen. Vor gut einem Jahr hat er das "Hotel Seinsche am Meer" eröffnet. Ein kleines Haus, "familiengeführt" von ihm und seiner Frau Inka. Manche Dinge sind allerdings noch nicht ganz so, wie Hartmut Seinsche sich das vorstellt. So empfängt er seine Gäste an einer Mini-Rezeption - mitten in einem Restaurant. Das Erdgeschoss hat Seinsche an einen Gastronomen vermietet.

Sieben Zimmer hat das Hotel, alle liegen sie im ersten Stock, alle haben sie Meerblick. Unschlagbar ist der aus der Suite, da baumeln die Füße quasi im Wasser. Die Zimmer tragen Namen: Optimist, Pirat, Korsar oder Laser - der Hotelchef ist passionierter Segler. Im Zimmer selbst dominieren Brauntöne. Sehr angenehm: der dunkle Fußboden. Aus Holz, denken wir, erinnert irgendwie an Schiffsbohlen. Doch Seinsche räumt ein: kein Holz, sondern "Designer-PVC". Und das Ergebnis einer langen Suche. Weil darauf auch ein Metallkoffer keine Spuren hinterlässt. Das Haus ist schließlich bei Geschäftsleuten gefragt. Die suchen hier vor allem eines: Ruhe. Und verzichten dafür sogar auf Wellnessbereich und Aufenthaltsraum.

Nur an Wochenenden kann es unruhiger werden, weil dann in Steinhude einfach viel los ist. Das allerdings ist spätestens am nächsten Morgen vergessen, wenn Inka Seinsche im Penthouse das Frühstück serviert, sozusagen auf dem Sonnendeck des Hauses. Um halb fünf ist sie aufgestanden, sagt sie. Meist schaut sie zunächst eine Weile auf das Steinhuder Meer hinaus. Dann rückt sie die 14 Stühle für die Gäste zurecht. Die sitzen entweder an einem großen schweren Eichentisch, der mit einem Kran in das fast rundum verglaste Penthouse befördert wurde, oder aber unter dem blauen Sonnenschirm auf der Dachterrasse und knüpfen neue Bekanntschaften, um dann, je nach Gusto, miteinander zu plauschen oder einfach nur auf das Steinhuder Meer hinauszuschauen.

Private Motorboote sind auf dem größten Binnensee Nordwestdeutschlands verboten, nur Jollen kreuzen den Blick. Und die "Auswanderer", historische Segelboote, mit denen man früher von einem Ufer zum anderen fuhr, also von Schaumburg-Lippe ins Hannoversche, um seine Heimat zu verlassen. Sie fahren rüber nach Wilhelmstein, eine künstliche Insel mitsamt Festung, die sich auch heute noch im Besitz des Fürsten Alexander zu Schaumburg-Lippe befindet.

Kurzum: Viel schöner kann so ein Sommertag kaum beginnen. Der Wind streicht einem sanft über die Haut, man greift zu Heringshäppchen und Mozarellakugeln und beginnt zu verstehen, warum Inka Seinsche so gern hier oben steht. "Ich bekomme hier alles mit", sagt sie.

Und während sie das so sagt, steigt beim Gast die Gewissheit: Mit ihrem Hotel haben sich die Seinsches wirklich einen Lebenstraum verwirklicht.