Stormarns Wochenmärkte

In Barsbüttel geht es noch richtig familiär zu

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Lisa Haarmeyer

Das Hamburger Abendblatt stellt zehn Wochenmärkte in Stormarn auf den Prüfstand. Ist die Auswahl groß genug? Wie ist die Atmosphäre? Auch der Dehoga-Kreisvorsitzende Axel Strehl gibt sein Urteil ab

Barsbüttel. Wenn Wochenmärkte die Menschen eines Ortes wieder näher zusammenbringen können, dann erreicht der Barsbütteler Markt dieses Ziel ganz bestimmt. Dienstags und freitags treffen sich die Kunden vor dem Obst- und Gemüsestand von Michael Oeding auf dem Stiefenhoferplatz. Zwischen Erdbeeren und Kirschen klönen Bekannte und Nachbarn miteinander. "Bei euch war es aber laut letzten Sonntag. Haben die da gebohrt?", sagt ein Mann. "Ja, ja", antwortet sein Gegenüber. "Aber das geht doch nicht. Am Sonntagnachmittag! So laut! Ich hätte fast die Polizei gerufen", beschwert sich der Erste. Die Frau des anderen Mannes schaltet sich sein: "Na, dann komm' doch nächstes Mal einfach rüber und sag' Bescheid." "Ja, sicher", ist die Antwort. Gut, dass darüber gesprochen wurde. Wieder ein Problem aus der Welt geschafft. Ganz normaler Alltag auf dem Wochenmarkt.

Aber warum kaufen Menschen ihre Gurken hier und nicht beim Discounter nebenan? Warum ist der Händler immer noch so beliebt, wenn große Ketten bis abends um zehn geöffnet haben? "Weil hier keine Anonymität wie im Supermarkt herrscht", meint Nana-Johanna Ströming. Sie ist stellvertretende Marktobfrau und steht zusammen mit ihrem Bruder Malte Ströming dienstags und freitags im eigenen Verkaufswagen. Wurst und Fleisch gehen über die Theke. "Das hat was Familiäres hier. Man kennt seine Kundschaft seit Jahrzehnten", erzählt die Kauffrau. Und es wird natürlich viel geschnackt. Am liebsten über das Wetter, aber auch über den Aufreger vom Wochenende.

Viele Händler sind schon seit Jahrzehnten dabei

14 Händler bieten freitags ihre Waren an, dienstags sind es zehn. Viele von ihnen sind Familienbetriebe und werden schon in dritter Generation geführt. Man kennt sich. Sieht die Kinder aufwachsen und Ältere sterben.

Die beiden Organisatorinnen sind Marktfrauen durch und durch. "Mit elf Jahren habe ich schon bei einem Obst- und Gemüsehändler mitgeholfen", erzählt Claudia Edel. Seit 20 Jahren steht sie mit ihrem Imbiss auf dem Platz. "Ich bin ein Barsbütteler Kind", sagt sie. "Ich bin hier aufgewachsen." Bei ihrer Kollegin ist es ähnlich. Auch sie half schon als Kind am Familienstand mit. Seit mehr als 30 Jahren gibt es diesen schon. Klar, dass die Stammkundschaft groß ist. Da werden zwischen Koteletts und Braten Rezepte ausgetauscht, Tipps zur Zubereitung gegeben - und probieren darf man natürlich auch.

Und das Wetter ist immer ein Gesprächsthema. "Wir sind deutsch", sagt Nana-Johanna Ströming lachend, "das Wetter kann immer schlecht sein." Und tatsächlich: Am Stand nebenan wedelt sich eine ältere Frau Luft zu. "Heiß?", fragt der Händler. Sie nickt: "Oh, nee du, diese Hitze, das kann ich nicht ab."

Ein paar Meter weiter bummeln Heiko und Nicola Kirschke über den Markt. Sie zogen vor zwölf Jahren nach Barsbüttel und kaufen seitdem regelmäßig auf dem Stiefenhoferplatz ein. Und gar nicht mehr im Supermarkt. Für beide ist wichtig, dass die Waren aus der Region stammen und von guter Qualität sind. Hinzu kommt die Saisonalität. "Auch wenn man nichts braucht, findet man hier was", sagt Nicola Kirschke.

Das Ehepaar kauft unter anderem beim Stand der Familie Deißelberg ein. Dietrich Deißelberg und Sohn Christian bieten unter anderem eigene Tomaten, Gurken, Salate, Kohlsorten und Kartoffeln an. Ihre Blumen und Topfpflanzen kommen die meiste Zeit des Jahres aus eigener Produktion. Die Nachfrage nach regionalen Produkten und der Wille, die Händler aus der Umgebung zu unterstützen, seien groß, meint Nana-Johanna Ströming. Die Kunden wollten wissen, woher die Waren kommen und was enthalten ist. Claudia Edel bestätigt das: "Wir wissen, wo unsere Waren herkommen. Wir wissen, was drin ist und wie sie hergestellt werden." Der Barsbütteler Wochenmarkt sei zwar klein, aber die Qualität sehr hoch.

Einer, der von kleinauf mit ganzem Herzen dabei ist, ist Olaf Lenz. Schon als Kind war er auf Märkten unterwegs. Den Handel mit dem Fisch hat er von seinem Vater gelernt und sich 1999 mit Fisch Lenz selbstständig gemacht. Freitags steht der Senior häufig noch mit hinter dem Tresen, packt Matjes, Räucherlachs und hausgemachte Salate ab.

Nächstes Jahr ist der Umzug zum neuen Einkaufszentrum geplant

Seit 1974 - seit es den Wochenmarkt in Barsbüttel gibt - sind die Lenzens dabei. Der Betrieb ist immer noch in Familienhand. Olaf und seine Frau Birte stehen mit ihrem Wagen nicht nur in Barsbüttel, sondern auch in Geesthacht, Schenefeld und Fünfhausen. Bruder Timo beschickt derweil Lohbrügge, Nettelnburg und den Hamburger Fischmarkt.

In Barsbüttel hat sich Kundin Catherine Raupach für Seelachs entschieden. Zusammen mit frischem Gemüse und Obst landet er in ihrem Einkaufskorb. Am Wochenende kommt die ganze Familie zu Besuch, und Raupach wird den Seelachs zusammen mit Kräutern, Gemüsefond und Sahne in den Ofen schieben. "Man kriegt den Geschmack schon durch die Augen", sagt die sechsfache Mutter mit dem leichten Akzent ihrer französischen Heimat. Dass die Familie gesundes und frisches Essen bekommt, ist ihr sehr wichtig. Dass sie dafür ein bisschen mehr Geld als im Supermarkt ausgibt, nimmt sie in Kauf.

Im kommenden Jahr wird der Wochenmarkt 40-jähriges Bestehen feiern. Wahrscheinlich steht damit auch eine Veränderung an. Zwei Straßen weiter, Am Akku, wird ein Nahversorgungszentrum gebaut. Das Grundstück ist schon eingezäunt, die Bauarbeiten sollten eigentlich schon begonnen haben. "Haben sie aber noch nicht", sagt Barsbüttels Bürgermeister Thomas Schreitmüller. Der Wochenmarkt wird, sobald das Zentrum fertig ist, vor das neue Gebäude ziehen. Wann genau das passiert, ist aber noch nicht sicher.

Am Akku, liegen die Supermärkte in unmittelbarer Nähe. Die Händler finden das sogar gut. Das könne auch eine Chance sein, die Kunden der Läden für sich zu gewinnen, meint Olaf Lenz. Und: "Dann haben wir wieder mehr Laufkundschaft." Claudia Edel meint: "Das ist ein Ansporn für uns, noch besser zu werden." Angst, dass Kühltruhe und Supermarktkasse sie verdrängen, haben die Händler nicht.

Alle Folgen der Wochenmarkt-Serie finden Sie auf www.abendblatt.de/stormarn-markt

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