Norderstedt

"Gejubelt haben wir nicht"

Wenn Ernst Berg (76) an die Zeit des Kriegsendes denkt, dann denkt er in erster Linie an eine Zeit, in der es wenig Sinn machte, über seine Gedanken und Gefühle zu sinnieren. Am allerwenigsten über die Angst vor dem Krieg selbst. "Wir waren damals alle recht abgehärtet, sonst hätten wir das vermutlich nicht überstanden", sagt der Norderstedter. Berg war gerade 15 Jahre alt, als er 1944 die Schule verließ und eine Lehre als Maurer begann. Zugleich mußte er sich entscheiden, ob er sich zum Dienst bei der Feuerwehr oder im Volkssturm meldete. Berg entschied sich für die Garstedter Feuerwehr. Bei jedem Fliegeralarm fuhr Ernst Berg fortan mit seinem Fahrrad zur Bereitschaft in die Wache. "Alle haben gewußt, daß die Niederlage nicht mehr weit sein würde. Aber gesprochen haben wir darüber nie", berichtet Berg. Rund ein Jahr später, im Mai 1945, war der mittlerweile 16 Jahre alte Garstedter gerade bei der Arbeit an der Ochsenzoller Straße zu Gange, als die Nachricht vom Ende des Krieges eintraf: Kapitulation! Ernst Berg und sein Kollege taten einfach, was jetzt zu tun war: "Wir haben unsere Arbeit beendet, die Sachen weggeräumt, und dann bin ich zurück nach Hause. Gejubelt haben wir nicht." Selbst zu Hause hat die Familie kaum über das historische Ereignis gesprochen. "Meine Mutter hatte es schon im Radio gehört", erzählt Berg. Statt zu reden, hat er deshalb gehandelt: "Noch am selben Tag habe ich meine Feuerwehruniform auf den Dachboden gebracht und in der hintersten Ecke versteckt. Man wußte ja nicht, was nun passieren würde . . . " Mitglied der Feuerwehr ist Ernst Berg allerdings noch heute.