Winterdienst

Gesalzene Rechnung: Rekord-Winter heizt die Nachfrage an

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In Niedersachsen werden die Vorräte an Streugut knapp, Schleswig-Holstein hat besser vorgesorgt. Lieferschwierigkeiten im Rekord-Winter.

Hannover/Kiel. Zwei aneinandergrenzende Bundesländer - zwei völlig unterschiedliche Straßenlagen. Während in Schleswig-Holstein Pkw und Lkw auf den Autobahnen ungehindert rollen können, ist in ganz Niedersachsen derzeit die freie Fahrt nur auf der rechten Spur möglich. "Auf den fast 1400 Kilometer langen Autobahnen wird nur noch die rechte Spur gestreut, weil es Lieferengpässe beim Salz gibt", sagt Jens-Thilo Schulze, Sprecher der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. "Die Vorräte sind knapp." Auf den Bundes- und Landstraßen werde gar nicht mehr gestreut, sondern nur noch der Schnee geräumt. "Ausgenommen sind Unfallschwerpunkte."

Insgesamt seien in Niedersachsen in diesem Winter schon 95 000 Tonnen Salz von den 55 Straßenmeistereien und 16 Autobahnmeistereien gestreut worden. "Nach den Feiertagen haben wir jetzt noch rund 6500 Tonnen Salz vorrätig", sagt Schulze. Etwa 1700 Tonnen Nachschub werden täglich angeliefert. "Wie das Salz verteilt wird, wird jeden Tag neu entschieden - je nachdem, wo der Bedarf am größten ist", sagt Schulze. Trotz der Salzknappheit geht er nicht davon aus, dass das Streugut komplett ausgeht.

Für die 498 Kilometer Bundesautobahnen in Schleswig-Holstein ist noch genug Streusalz vorhanden. "Unsere 27 Autobahn- und Straßenmeistereien haben bisher 35 000 Tonnen Salz auf Autobahnen, Bundes-, Land- und teilweise auch Kreisstraßen verstreut", sagt Bernd Käding, Vize-Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr. In einem norddeutschen Durchschnittswinter landen rund 25 000 Tonnen Salz auf den Straßen. Schleswig-Holstein hatte seine Salzhallen schon im Sommer mit 28 000 Tonnen Streugut aufgefüllt.

"Mit dem Deutschen Straßendienst haben wir einen Vertrag über 44 000 Tonnen abgeschlossen und gehen davon aus, dass geliefert wird." Bei Dauerschneefall seien die Räum- und Streufahrzeuge auf Schleswig-Holsteins Autobahnen rund um die Uhr im Einsatz. Für die kommenden Wochen reichten die Salzvorräte aus. "Für Februar kann ich keine Garantie geben", so Käding.

Dramatisch gesunken sind die Vorräte dagegen bereits im Landkreis Harburg. "Wir haben nur noch 50 Tonnen Salz. Das ist viel zu wenig und reicht normalerweise nur für eine Tour", sagt Anke Nordholz, Leiterin der Autobahnmeisterei Hittfeld. Sie ist zuständig für den Winterdienst auf den Autobahnen 1, 7, 39 und 261 im Landkreis Harburg. "Wir bekommen nur sporadisch Nachschub und können deshalb nur die rechten Fahrstreifen streuen", sagt Nordholz. Bislang hätte die Autobahnmeisterei 3600 Tonnen Salz ausgefahren, rund 70 Tonnen mehr als im vergangenen Winter. "Bislang hatte unser Streudienst keine Verschnaufpause. Vorstellbar ist auch, dass uns in diesem Winter das Salz komplett ausgeht und wir die Straßen nur noch räumen können."

Aufgrund des Rekord-Winters gebe es Lieferschwierigkeiten, bestätigt auch Holger Bekemeier, Sprecher des Salzlieferanten Esco und des Tochterunternehmens Deutscher Straßendienst. Die Nachfrage sei in diesem Dezember dreimal größer als 2009. "Vielerorts haben wir schon so viel Salz ausgeliefert wie in der gesamten Wintersaison 2009/2010", sagt Bekemeier. "Wir produzieren sieben Tage lang rund um die Uhr." Zudem werde zusätzliches Salz aus Nord- und Südamerika importiert. "Das passiert nur in Ausnahmefällen." Der Bedarf an Salz könne trotzdem nicht gedeckt werden.

Insgesamt haben Niedersachsen und Schleswig-Holstein seit dem Wintereinbruch Ende November 130 000 Tonnen Salz auf Norddeutschlands Straßen verteilt. Bei einem Preis von einer Million Euro pro 10 000 Tonnen hat der Streudienst die Bundesländer bisher 13 Millionen Euro gekostet.