Nach Anschlägen in Paris

Hohe Polizeipräsenz soll DFB-Spiel in Hannover sichern

Schwer bewaffnete Bundespolizisten gehen am Montag durch den Hauptbahnhof in Hannover

Schwer bewaffnete Bundespolizisten gehen am Montag durch den Hauptbahnhof in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Nach der Terrorserie in Paris mit 132 Toten analysiert die Polizei in Hannover die Sicherheitslage vor DFB-Spiel gegen die Niederlande.

Hannover. Nach dem Terror von Paris analysiert die Polizei in Hannover vor dem Fußball-Länderspiel am Dienstagabend die Sicherheitslage in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Der Deutsche Fußball-Bund hatte am Sonntag entschieden, das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande nicht abzusagen. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird zusammen mit einigen Mitgliedern des Kabinetts am Dienstag im Stadion sein.

„Vor dem Hintergrund der Pariser Geschehnisse wird die Lage bewertet, und wir bereiten uns auf das Spiel morgen Abend vor“, sagte der Sprecher der Polizeidirektion Hannover, Thorsten Schiewe. Sowohl am Stadion als auch in der Stadt und Region Hannover würden deutlich mehr Polizisten eingesetzt als bei einem normalen Fußballspiel, sagte der hannoversche Polizeipräsident Volker Kluwe in Hannover. Dabei seien die Beamten auch mit Maschinenpistolen bewaffnet.

„Wir setzen sehr, sehr viele Kräfte ein“, sagte Kluwe. Über die genauen Zahlen wollte er keine Angaben machen. Üblicherweise sicherten zwei Hundertschaften ein Spiel. Es gehe auch um das Sicherheitsgefühl der Besucher, fügte er an.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sagte: „Wir werden der Welt und den Terroristen zeigen: Wir lassen uns nicht kleinkriegen. Wir stehen zusammen und wir solidarisieren uns mit den Franzosen, die so Furchtbares erlebt haben.“

Maas: „Ich bin der Mannschaft dankbar"

Bundesjustizminister Heiko Maas erklärte, die Sicherheit habe oberste Priorität. „Wir müssen alles tun, um die Sicherheit bei dem Spiel zu gewährleisten“, sagte der SPD-Politiker, der ebenfalls im Stadion sein wird. „Ich bin der Mannschaft dankbar, dass sie bereit ist, morgen zu spielen.“

Bundesweit wird bis morgen Trauerbeflaggung angeordnet, vor der Staatskanzlei in Hannover soll die auf halbmast wehende Bundesflagge am Mittag durch die französische Flagge ersetzt werden. Im Rathaus in Hannover versammeln sich die Mitarbeiter am Mittag zu der europaweiten Trauerminute. Außerdem ist am Montagabend am Maschsee direkt neben dem Stadion eine Menschenkette geplant, an der auch Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) teilnehmen will. Schostok sagte: „Hannover gibt mit dem Spiel ein klares Signal, dass wir durch Terror nicht unsere Freiheit, unser Zusammenleben und unsere Solidarität beeinträchtigen lassen werden.“

Im Hotel Fuchsbachtal in Barsinghausen bei Hannover, wo die Nationalmannschaft im Laufe des Montags zusammenkommt, herrschen diesmal erhöhte Sicherheitsvorkehrungen, sagte eine Mitarbeiterin. Detailliert wollte sie sich dazu aber nicht äußern. Das Hotel war schon oft Quartier für das DFB-Team.

Der Teammanager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, hatte am Sonntag betont: „Wir wollen als Mannschaft ein Zeichen der Gemeinschaft setzen. Mit dem französischen Volk, mit den Angehörigen der Opfer.“ Auch DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball erklärte: „Die Botschaft ist klar: Wir lassen uns nicht vom Terror einschüchtern.“

Weil warnt vor falschen Schlussfolgerungen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat nach den Terroranschlägen von Paris vor falschen Schlussfolgerungen gewarnt. „Man muss nicht Prophet sein, um die rechtsextremen Agitatoren schon zu hören, die versuchen werden, einen Zusammenhang zwischen dem Terror und den Flüchtlingen zu ziehen, die derzeit zu uns kommen“, schreibt Weil am Montag auf seiner Internetseite. Es sei jedoch vielmehr so, dass viele Menschen aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern vor demselben Terror flüchteten, der jetzt in Paris zugeschlagen habe.

Hinter dem Terror von Paris stecke System, schreibt Weil. „Das waren nicht einzelne verwirrte Köpfe.“ Es sei sicher kein Zufall, dass wie bereits bei den Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ zu Jahresbeginn Paris das Ziel gewesen sei. Damals seien Millionen von Menschen verunsichert worden. Aber es sei den Terroristen nicht gelungen, die Franzosen von dem Ziel einer freien und offenen Gesellschaft abzubringen, unterstrich Weil. „Die Bilder von den beeindruckenden Demonstrationen im Januar habe ich jetzt noch vor Augen. Ich bin sicher, auch die jüngsten Anschläge werden diese Reaktionen wieder auslösen.“

Niedersachsen hat nach den Terroranschlägen auch für Montag und Dienstag eine Trauerbeflaggung für alle öffentlichen Gebäude angeordnet. Dies gelte auch mit Blick auf die besondere Bedeutung des Fußballspiels am Dienstag in Hannover, wie die Staatskanzlei am Montag mitteilte. In der Landeshauptstadt kommen die deutsche Nationalelf und das Team der Niederlande zu einem Freundschaftsspiel zusammen. Weil betonte in seiner Kolumne, es sei richtig, dass der Deutsche Fußballbund beschlossen habe, das Spiel stattfinden zu lassen. „Ich bin dabei.“

Schweriner Landtag debattiert über Terroranschläge in Paris

Die Terroranschläge von Paris werden am Mittwoch Thema der Aktuellen Stunde im Schweriner Landtag sein. Wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Vincent Kokert mitteilte, wird das ursprünglich von der CDU-Fraktion angemeldete Thema „25 Jahre MV: Hohe Steuereinnahmen nutzen - Zukunftsthemen anpacken“ ersetzt durch „Gemeinsam für unsere Freiheit einstehen - Solidarität mit Frankreich“. Darüber habe er sich mit den Vorsitzenden der demokratischen Fraktionen von SPD, Linke und Grünen verständigt.

„Nach den furchtbaren Anschlägen von Paris können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und über die Verwendung der hohen Steuereinnahmen diskutieren“, erklärte Kokert. In diesen Stunden gälten Solidarität und Mitgefühl dem französischen Volk. Das solle auch im Landtag zum Ausdruck gebracht werden. Die Terroranschläge seien „Angriffe auf unsere Freiheit und unsere liberalen Grundwerte“ gewesen. In dieser Situation müssten alle Demokraten zusammenstehen.