Planung

Tipps für einen schönen Garten – bei jeder Jahreszeit

Insektenmagneten und Trockenkünstler: Rote Witwenblume, Storchschnabel „Patricia", Kugellauch und Bronzefenchel. Ein Garten angelegt von Jörg Pfenningschmidt.

Insektenmagneten und Trockenkünstler: Rote Witwenblume, Storchschnabel „Patricia", Kugellauch und Bronzefenchel. Ein Garten angelegt von Jörg Pfenningschmidt.

Foto: Naturdesign

Herbst und Winter eignen sich zur Neuanlage des Grundstücks. Und wer nicht mehr viel wässern will – auch dafür gibt es clevere Ideen.

Hamburg.  Was nach diesem heißen Sommer in manchen Gärten zu sehen ist, ähnelt einem Trauerspiel: Vielerorts sind unansehnliche karge Rasenflächen zu sehen.

Irgendwann ergab es keinen Sinn mehr, mit wertvollem Trinkwasser gegen die Trockenheit anzukämpfen. Doch was tun, wenn solche heißen Sommer, wie vorausgesagt, künftig zur Normalität werden?

Das hat sich auch ein Kunde des Landschaftsarchitekten Soeren von Hoerschelmann gefragt und entschieden: Zwei Drittel der Rasenfläche auf seinem Grundstück kommen weg.

Unansehnlichen Rasen in eine Wasserlandschaft verwandeln

Die Sache ist allerdings ein wenig delikat: Der Kunde handelt nämlich selbst mit Rasen und allem, was dazugehört, weshalb im Folgenden weder sein Name noch sein Wohnort genannt werden sollen.

Nur so viel: Er lebt mit Familie nördlich der Hamburger Stadtgrenze und von Hoerschelmann hat den Auftrag erhalten, den Großteil der unansehnlichen Rasenfläche in eine Wasserlandschaft zu verwandeln.

„Die Bodenverhältnisse sind bei uns immer schon schlecht gewesen, deswegen hat der Rasen im hinteren Teil des Grundstücks nie wirklich gut ausgesehen“, erzählt Sibylle S., die Frau des Kunden. „Und wir lieben Skandinavien, dort bewohnen wir immer ein Ferienhaus mit Blick auf See.“

Aus dem Küchenfenster auf den eigenen See schauen

Deswegen kamen sie auf die Idee, sich einen Zier- oder Schwimmteich im hinteren Teil des Grundstücks anlegen zu lassen. „Dann kann ich sogar vom Küchenfenster aus auf unseren eigenen See schauen“, schwärmt Sibylle S.

Von Hoerschelmann zeigt auf einer Skizze, dass er sich zu allem bereits Gedanken gemacht hat. „Da die lange schmale Zufahrt miteinbezogen werden soll, werde ich die Zuwegung zum Teich so anlegen, dass man mit jedem Schritt das Gefühl bekommt, den Alltag hinter sich zu lassen“, erzählt der Gartenprofi.

Von Kleinpflaster gebraucht und bunt, Gräserpflanzungen, kleinem Gehölz und Himalaya-Birke entlang des leicht geschwungenen Weges ist die Rede. Seine Auftraggeber sollen vom Sitzplatz aus entspannt die Abendsonne genießen können.

Holz der Robinie soll dabei zum Einsatz kommen. „Die ist auch bei mir zu Hause auf dem Grundstück zum Einsatz gekommen“, erläutert der Gartenarchitekt. „Nicht Thermoholz?“, fragt Sibylle S.

Ein wenig Skandinavien in Hamburg

Die Frage macht deutlich, was ihr vor allem wichtig ist: Pflegeleicht soll es künftig sein! Ein Punkt, den von Hoerschelmann bei allem im Auge behalten wird.

Noch ist kein konkreter Pflanzplan erstellt, „aber Blutweiderich, Gräser, hier speziell das Herbstfeuer und Bronzeschleier, sowie die Iris in diversen Arten und Sorten machen sich sehr gut am Teich“, zählt der Gartenfachmann auf.

Felsen am Rande sollen das Skandinavien-Thema aufnehmen und alles möglichst natürlich aussehen lassen. Gibt es eine Budgetvorgabe?

„Nein, wir wollten erst einmal sehen, was überhaupt denkbar und umsetzbar ist, und machen davon abhängig, ob wir einen Kredit aufnehmen“, verrät Sibylle S.

Stauden und Gräser spielen die Hauptrolle

Der Landschaftsarchitekt hätte sich auch vorstellen können, im hinteren Teil des Grundstücks eine Art Staudengarten anzulegen. Wäre das denn pflegeleicht angesichts der Aussicht auf trockenere und heißere Sommer?

Von Hoerschelmann schaut belustigt. „Sie haben noch nichts von Präriegärten und von Piet Oudolf gehört, nicht wahr?“ Leider nein.

Die Recherche zeigt: Der Niederländer (Jahrgang 1944) aus dem kleinen Ort Hommelo hat sich weltweit einen Namen gemacht, indem er Gärten in bezaubernde Bühnen verwandelt, auf denen Gräser und Stauden die Hauptrolle spielen.

Sein Credo lautet: „Man braucht nicht nur schöne Pflanzen, um einen Garten schön zu machen.“ Ein Zimmer voller schöner Menschen wäre doch auch langweilig . . .

Traumgärten wie aus dem Bilderbuch

Und so verwundert es nicht, dass sein prachtvoller Privatgarten auch in dem seit wenigen Tagen im Handel erhältlichen Bildband „Dreamscapes – Traumgärten aus aller Welt“ (DVA, 49 Euro) vorgestellt wird.

Doch man muss nicht nach Holland pilgern oder in die Ferne schweifen – auch Jörg Pfenningschmidt aus Volksdorf gilt als ausgewiesener Staudenfachmann. Davon zeugen nicht nur die Vorher-Nachher-Beispiele auf seiner Webseite (www.naturdesign-staudengarten.de), sondern auch die Tatsache, dass er mittlerweile ein gefragter Referent auf so manchem Seminar und Workshop für Landschaftsgärtner ist.

„Ich bin praktisch in meinem eigenen Garten sechs Jahre zur Lehre gegangen, bevor ich mich selbstständig gemacht habe“, erzählt der Staudenexperte fröhlich.

Diese Pflanzen seien nicht nur pflegeleicht und sähen toll aus, „sie sind auch echte Überlebenskünstler“. Trotzdem empfiehlt er, sich vor dem Kauf einer Pflanze immer an einen Berater in einer Gärtnerei oder im Pflanzengeschäft zu wenden.

Foto vorher vom Standort machen

„Die haben selbst ein großes Interesse daran, dass es den Pflanzen später gut geht“, sagt Pfenningschmidt. Deshalb rate er, vorher ein Foto vom jeweiligen Standort zu machen und dieses dem Berater zu zeigen.

„Das Problem ist, dass viele Menschen ein bestimmtes Bild von ihrem Garten vor Augen haben, sich von diesem aber oftmals verabschieden müssen“, sagt Pfenningschmidt. Warum? „Ganz einfach, weil die Licht- oder Bodenverhältnisse nicht stimmen.“

Noch eine Erkenntnis hat er gemacht: „Witzigerweise sind die Ansprüche an den Garten gestiegen, keiner will aber viel Mühe mit ihm haben.“ Dabei seien drei Viertel der Arbeiten, die dort verrichtet würden, meist völlig überflüssig – „das Laubsaugen und die ganze Harkerei gehört beispielsweise dazu“.

Klares Veto gegen Schottergärten

Mit Sorge beobachten er und von Hoerschelmann, dass immer öfter Schottergärten zu sehen sind. „Viele glauben, die seien pflegeleicht. Das ist aber völliger Unfug“, sagen beide.

„In einigen Jahren werden sich diese Menschen umschauen, wenn sie den ganzen Mist hochholen müssen, um das Unkraut , das sich dort in aller Ruhe entwickeln konnte, zu entfernen.“

Außerdem passe diese weitere Form der Versiegelung nicht in eine Zeit, wo alle das Sterben von Insekten beklagen.

Von Hoerschelmanns Vorschlag: „Sich vom Perfektionismus verabschieden, Freude an einer wilden Blumenwiese entwickeln oder einfach mal nur Bahnen in eine hochwachsende Rasenfläche mähen. Das kann originell aussehen.“

www.gaertenvonhoerschelmann.de

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.