Der SARS-Entdecker

Menschlich gesehen

Trotz der extremen Belastungen wirkt der Entdecker des Erregers der Lungenseuche SARS, Dr. Christian D r o s t e n, nicht müde. Unter seinen klaren braungrünen Augen zeichnen sich nur schwache Augenringe ab - obwohl er seit 50 Tagen täglich mindestens zwölf Stunden in den Laboren des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) steht. Über Nacht wurde der 30 Jahre alte Wissenschaftler, der mit seinen lockigen dunklen Haaren jünger wirkt, berühmt. Aber er ist ein Star ohne jede Allüren. Bestechend ist an ihm vielmehr seine Bescheidenheit. "Ich hab nur mal Glück gehabt", kommentiert er seine sensationelle Entdeckung und fügt hinzu: "Für mich ändert sich erst einmal gar nichts." Das stimmt nicht ganz. Denn gegenwärtig steht sein Telefon nicht still. Und für seine Hobbys hat der vielseitig interessierte Mediziner keine Zeit - die Gitarre steht in der Ecke, moderne Romane bleiben ungelesen liegen, und die Schwimmsachen hängen im Schrank. Selbst der Herd bleibt kalt. Dabei brutzelt der Hobbykoch begeistert, vor allem indische Gerichte. Er ist auf einem Bauernhof im Emsland aufgewachsen. Die Medizin entdeckte er während des Zivildienstes. "Ich arbeitete im Rettungsdienst. Da hat es mich gepackt." Seit drei Jahren ist er am BNI, wohnt auf St. Pauli. Der ledige Wissenschaftler, der gern in Hamburg lebt, möchte hier noch lange forschen - und heilen.