Diskussion

Die Lungenseuche stand im Mittelpunkt einer Expertenrunde von Bernhard-Nocht-Institut, Abendblatt und NDR.

Vier Buchstaben, die die Welt in Atem halten - SARS. Die unheimliche Lungenseuche stand im Mittelpunkt des Wissenschaftlichen Kolloquiums im Hamburger Bernhard-Nocht-Institut (BNI), das vom BNI, dem Hamburger Abendblatt, NDR 90,3 und N3 Hamburg Journal veranstaltet wurde. Dieses Institut ist international noch anerkannter, seit BNI-Forscher Dr. Christian Drosten und sein zehnköpfiges Team den Erreger der SARS identifizierten. "Wir haben in Kooperation, vor allem aber im Wettstreit mit elf anderen, teilweise wesentlich größeren Laboren gearbeitet", sagte der Wissenschaftler. Die Labore tauschten ihre Ergebnisse offen untereinander aus. Die Hamburger machten das Rennen: Sie fanden den Erreger der SARS, ein bisher unbekanntes Coronavirus, das vermutlich von einem Tier auf den Menschen übergesprungen ist. Die BNI-Forscher hatten den ersten Meilenstein im Kampf gegen SARS geschafft. Weil keine Patentverfahren die Arbeit behinderten, konnte die Firma artus, die 1998 von Mitarbeitern des BNI gegründet wurde, sofort einen Schnelltest entwickeln. "Der Test kann in jedem Labor eingesetzt werden und scheint sehr zuverlässig zu sein", sagte Thomas Laue, Projektleiter von artus. Bislang hat die Firma 25 000 Tests unter anderem an die Labore der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verschickt. "Noch versenden wir die Testkits kostenlos und bekommen im Gegenzug die Daten. Damit können wir überprüfen, wie aussagekräftig der Test genau ist", erläuterte Thomas Laue. Der Test erkenne binnen zwei Stunden zuverlässig die Erkrankung, so Prof. Herbert Schmitz, Chef der Virologie. "Wir setzen auf den Test", sagte der Forscher. Er riet, dass sich alle Menschen testen lassen sollten, die Fieber haben und aus den Gebieten kommen, in denen die Krankheit auftritt. "Dann kann man verhindern, dass diese Krankheit in Deutschland auftritt und sich ausbreitet", vermutet Prof. Schmitz. "Aber wir sind auf den Notfall vorbereitet", betonte Prof. Bernhard Fleischer, Direktor des BNI. Man sei ja auch gegen Lassa, Ebola, B-Waffen oder anderes gewappnet. Es gäbe Alarmpläne und somit eine Grundstruktur, um mit importierten Erkrankungen fertig zu werden. "Wer mit klassischen Symptomen kommt, den würden wir isolieren", erläuterte Prof. Gerd Burchard, Chefarzt der Klinik des BNI. "Dann würden wir testen und wissen, ob wir die Quarantäne aufheben können." Alle Kontaktpersonen müssten zu Hause bleiben, bis die Mediziner Entwarnung geben können. Die größte Ansteckungsgefahr besteht zurzeit für Ärzte, Pflegepersonal und enge Verwandte. "In unseren Breiten sind die Symptome von SARS gut zu behandeln", so Prof. Burchard und ergänzte: "Aber es gibt noch kein Medikament, das gegen das Virus wirkt." "Als Nächstes müssen wir die Epidemiologie der Krankheit an möglichst vielen Patienten aufklären", forderte Dr. Drosten. Offenbar dauert es elf bis 14 Tage, bis nach einer Ansteckung erste Symptome auftreten. Doch viele Fragen sind noch offen: Können die Menschen in dieser Zeit das Virus bereits übertragen? Wird es nur mit der Atemluft und durch Schmierinfektionen, z. B. auf Toiletten, übertragen? Wie resistent ist es? Entschieden widersprach Prof. Schmitz Behauptungen chinesischer Forscher, dass das Coronavirus sich schnell verändere. "Das Gegenteil ist der Fall. Das Virus ist relativ konstant", so der Virologe. Damit wäre es möglich, einen Impfstoff gegen SARS herzustellen. Doch auch mit modernen Verfahren ist die Entwicklung eines Impfstoffes aufwendig, so dass damit nicht so schnell zu rechnen sei, sagte Schmitz. Zumal er vor der Zulassung mehrere Prüfungen bestehen muss. Die Verhinderung der Infektion sei zurzeit der einzige Schutz vor dieser Krankheit, betonte Prof. Burchard. "Wer nicht unbedingt muss, sollte vorsichtshalber die Endemiegebiete meiden", riet BNI-Chef Fleischer. Er ist skeptisch, dass die Epidemie schnell eingedämmt wird. "Das Ganze wird sich ausbreiten und noch in andere Kontinente kommen", fürchtete er. Doch trotz aller Sorgen wurde deutlich: Auch wenn SARS eine gefährliche Infektion ist, Grund zur Panik gibt es nicht.