Bundesversammlung

Siegesgewissheit und Partys am Vorabend der Präsidentenwahl

Die Wahl des Bundespräsidenten hatte noch gar nicht stattgefunden. Doch die Abgeordneten samt Wahlfrauen und -männern feierten gestern Abend schon einmal vor.

Berlin - Nach ihren Sitzungen mit den einzelnen Parteien wollte man die Anspannung wieder loswerden. Für die SPD gab es noch einen weiteren Grund für eine große Party: "Wir geben das Fest für Gesine Schwan", hieß es aus dem Berliner Willy-Brandt-Haus. Die SPD-Kandidatin wurde am Freitag 66 Jahre alt. Schwan war am frühen Abend noch einmal bei den grünen Wahlleuten vorstellig geworden und anschließend zu den Sozialdemokraten geeilt. Angestoßen wurde im Hof vor dem Hamburger Bahnhof, Berlins Museum für zeitgenössische Kunst, wo keine Geringere als Sarah Wiener kocht. Der bayerische Schauspieler Ottfried Fischer ("Der Bulle von Tölz") meinte bei der Gelegenheit verschmitzt, er werde Gesine Schwan schon deshalb wählen, "weil eine Frau alleine an der Spitze einfach zu wenig ist und Angela Merkel durch diese Wahl aus der verführerischen Einsamkeit der Macht gerettet werden kann". CDU und CSU hatten ins feine Hotel Maritim nahe der Philharmonie geladen. Und auch wenn es sich mancher anders gewünscht hätte: Horst Köhler zog es vor, am Vorabend der Wahl nicht mehr persönlich in Erscheinung zu treten. Er schickte der Kanzlerin "liebe Grüße". Seine Überparteilichkeit als Bundespräsident ließ es nicht zu, sich bei den Wahlmännern und -frauen sehen zu lassen, die ihn heute wählen sollen. Bei Union und SPD gab man sich außerordentlich entspannt und siegessicher. Bei beiden Versammlungen wurde sogar auf eine Probeabstimmung verzichtet. Die Grünen feierten in der parteinahen Heinrich-Böll-Stiftung, die Linksfraktion zog es traditionsgemäß in den Osten der Stadt, nämlich in die Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg.

Die Liberalen stachen um 19 Uhr mit der MS "Spreekrone" "in See". Guido Westerwelle verkündete vorher, dass die FDP ausnahmslos für Horst Köhler stimmen werde. Persönlich, so Westerwelle, rechne er sogar damit, dass die Sache bereits im ersten Wahlgang entschieden werde: "Wir haben einen hervorragenden Bundespräsidenten, hinter dem sich die riesige Mehrheit Deutschlands versammeln kann. Dementsprechend wollen wir auch, dass dieser Bundespräsident seine gute Arbeit in der nächsten Periode fortsetzen kann." (BaM/ctj)