Stuttgart 21

Bahn gesteht Risiken bei Bahnhofs-Verlegung ein

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Beim Bau könnten Erdtrichter angeschnitten werden und Mineralwasser aufsteigen. Für diesen Fall will die Stadt aus dem Projekt aussteigen.

Stuttgart. In der sechsten Schlichtungsrunde zum Bahnprojekt Stuttgart 21 hat das Thema Sicherheit für heftigen Streit gesorgt. Die Experten berieten am Sonnabend unter anderem über Probleme mit der Geologie und den Mineralwasservorkommen sowie über Sicherheitskonzepte für die Tunnel und den Tiefbahnhof. Dabei gestand die Bahn minimale Risiken durch die Verlegung des Bahnhofs ein.

Auf der Straße stärkten Befürworter und Gegner mit jeweils eigenen Kundgebungen ihren Vertretern den Rücken. Die Polizei zählte 1500 Anhänger des Tiefbahnhofes und etwa 10.000 bei der Gegendemonstration. Bahnchef Rüdiger Grube sagte vor den Befürwortern: „Wir kämpfen weiter für dieses Projekt.“ Unterstützt wurde er vom Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dem Badener Volker Kauder: „Wir wollen uns ein Wohlstandsland erhalten, die anderen einen Museumsstandort.“ Die Gegner warfen der Bundes- und Landesregierung vor, den Willen der Bevölkerung zu missachten und forderten den Rücktritt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU).

Auch der Bundesparteitag der Grünen in Freiburg beschäftigte sich mit dem Thema. Bei nur einer Enthaltung beschlossen die Delegierten den Ausstieg. „Der Stopp ist schwierig, aber er ist notwendig und erfordert Mut – und den bringen wir mit“, sagte der Spitzenkandidat der Südwest-Grünen, Winfried Kretschmann. Mit mindestens zehn Milliarden Euro würden Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm mindestens das Doppelte kosten von dem, was die große Koalition in Berlin einst beschlossen habe. Die Bahn veranschlagt die Kosten derzeit auf sieben Milliarden Euro.

Der Gutachter der Bahn, Walter Lächler, räumte ein, dass Dolinen - metertiefe Erdtrichter im Karstgestein – beim Bau angeschnitten werden könnten und Mineralwasser aufsteige. Gefahr durch Leckagen aus mineralwasserführenden Schichten sieht er nicht, weil es diese immer wieder gebe. Zudem gebe es einen Notfallplan, erklärte der Rechtsexperte der Bahn, Josef-Walter Kirchberg. „Aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit passiert nichts.“ Das Eingeständnis der Bahn ist brisant, weil Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) angekündigt hatte, die Stadt werde aus dem Projekt aussteigen, wenn es die Mineralwasservorkommen gefährde.

( (dpa/abendblatt.de) )